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Neue Strafen im Stabilitätspakt: Euro-Falken knöpfen sich die Schwachen vor

Klare Ansage von Europas mächtigstem Banker: EZB-Chef Jean-Claude Trichet fordert die EU-Kommission energisch auf, Haushaltssünder schärfer zu bestrafen. Damit schließt er sich den Spar-Falken um Kanzlerin Merkel an - können sie sich am Ende durchsetzen?

EZB-Präsident Trichet: Strafen für Haushaltssünder bis hin zum Stimmentzug Zur Großansicht
REUTERS

EZB-Präsident Trichet: Strafen für Haushaltssünder bis hin zum Stimmentzug

Brüssel - Vor gut 13 Jahren wurde der EU-Stabilitätspakt rechtskräftig, doch immer wieder wurde er von den Mitgliedstaaten gebrochen. Angesichts der Schuldenkrise setzen sich jetzt einige mächtige Europäer vehement dafür ein, dass die Regeln tatsächlich eingehalten werden. Nach Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy fordert nun auch der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) einen schärferen Stabilitätspakt. "Wir brauchen einen Quantensprung", sagte Jean-Claude Trichet am Montag in Brüssel.

Trichet hat drei zentrale Forderungen:

  • Die EU soll die Haushaltsplanungen der Mitgliedstaaten "direkt und unabhängig" kontrollieren.
  • Haushaltssünder sollen hart bestraft werden, beispielsweise mit dem Entzug von Stimmrechten. Nicht nur wer die Drei-Prozent-Hürde für die Neuverschuldung reiße, auch wer die mittelfristigen Haushaltsvorgaben nicht erfülle, müsse bestraft werden, sagte Trichet - und zwar "quasi-automatisch".
  • Im Zuge eines Umbaus der europäischen Währungsunion sollte eine unabhängige Agentur bei der EU-Kommission zur Budgetaufsicht eingerichtet werden.

Damit steuert der EZB-Chef einen harten Kurs in der Verschuldungsdebatte. Ob es tatsächlich dazu kommt, ist fraglich: Die EU-Kommission, die meisten Euro-Staaten und deren Chef Jean-Claude Juncker lehnen eine Stimmrechtsbegrenzung entschieden ab, weil dafür eine Änderung der EU-Verträge notwendig wäre.

Doch genau das schließt Trichet nicht aus - und folgte damit dem Kurs der deutschen Kanzlerin Merkel. Zunächst müssten aber alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden, die EU-Regeln zu ändern, um die Budgetaufsicht zu verbessern. "In einem zweiten Schritt könnten wir darüber nachdenken, den Vertrag zu ändern", sagte der Zentralbanker.

Immerhin bekräftigte auch Sarkozy am Montag, dass ein Sparkurs dringend nötig sei. "Wäre der Stabilitätspakt rigoros in Geist und Buchstaben angewandt worden, wären wir sicher in einer besseren Situation", sagte er mit Blick auf die Schuldenkrise in der EU.

Explosion der Staatsschulden

Die Staatsverschuldung in Europa ist in den vergangenen Monaten sprunghaft angestiegen. Zahlreiche EU-Staaten haben Milliardenpakete geschnürt, um die nationale Konjunktur anzukurbeln und die heimischen Banken zu stützen. In der Folge rissen sie reihenweise die Kriterien des Stabilitätspakts. Laut diesem dürfen Staaten mit höchstens 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) verschuldet sein, die jährliche Neuverschuldung darf höchstens drei Prozent des BIP betragen (siehe Kasten in der linken Spalte).

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Fotostrecke: Die wichtigsten Fakten zur Euro-Krise
Griechenland etwa hat mittlerweile einen Schuldenstand von fast 120 Prozent, in Spanien liegt die Neuverschuldung bei mehr als 10 Prozent (siehe Grafiken oben). Bereits in den Jahren davor hatten zahlreiche Länder die Kriterien des Stabilitätspakts nicht eingehalten - und wurden dafür, wenn überhaupt, nur sehr milde bestraft.

Die Angst vor einer Staatspleite im Herzen Europas griff auf den Finanzmärkten zuletzt immer stärker um sich: Anleihen-, Aktien- und Devisenmärkte stürzten ab - und mit ihnen der Euro. Laut einer Analyse, die die Europäische Zentralbank am vergangenen Donnerstag veröffentlichte, herrschten zeitweise Zustände wie nach dem Lehman-Crash - und auch jetzt sind nicht alle Gefahren gebannt.

Angesichts der grassierenden Schuldenkrise wird es für die EU-Kommission nun immer dringender, strengere Regeln durchzusetzen. Die Befürchtung, den zarten Aufschwung durch Einschnitte abzuwürgen, ist der Angst vor unkontrollierbaren Defiziten gewichen.

Merkel bietet Obama Paroli

Auf dem EU-Gipfel in Brüssel am 17. Juni haben Europas Mächtige einen ersten Schritt dafür getan, um der Schuldenkrise Herr zu werden. Die 27 Staats- und Regierungschefs bekannten sich in ihrer Abschlusserklärung zum verschärften Sparenund erklärten sich grundsätzlich bereit, wichtige Eckdaten ihrer nationalen Haushalte der EU zuerst zur Überprüfung vorzulegen.

Die USA sehen den harten Kurs der Europäer skeptisch. Präsident Barack Obama warnt davor, den Aufschwung nicht kaputtzusparen. Kanzlerin Angela Merkel bietet Obama in diesem Punkt Paroli. Vor dem G-20-Gipfel Ende dieser Woche in Kanada verteidigte sie das schwarz-gelbe Sparpaket und einen Abbau der Staatsdefizite.

"Es geht nicht um ein radikales Sparprogramm, sondern es geht darum, dass man bei anhaltendem wirtschaftlichen Aufschwung nicht die gleichen Konjunkturprogramme immer weiter fahren muss", sagte die CDU-Chefin am Montag in Berlin. Es werde nicht an Investitionen gespart.

Obama telefonierte am Abend mit Merkel. Beide hätten die Bedeutung von weiteren "resoluten Schritten" diskutiert, um eine nachhaltige Wirtschaftserholung und eine bessere Finanzregulierung voranzutreiben, sagte US-Regierungssprecher Bill Burton. "Der Präsident schätzt sein exzellentes Verhältnis mit der Kanzlerin und hat seine Würdigung ihrer dauerhaft starken Zusammenarbeit zum Ausdruck gebracht", so Burton.

Merkel und Sarkozy warben zudem in einem gemeinsamen Brief an den Gastgeber des bevorstehenden G-20-Gipfels für eine weltweit schärfere Finanzmarktregulierung. "Die jüngsten Turbulenzen auf den Finanzmärkten haben gezeigt, dass noch mehr getan werden muss, um finanzielle Stabilität zu gewährleisten", schrieben Merkel und Sarkozy in dem am Montagabend von der Bundesregierung in Berlin veröffentlichten Brief an den kanadischen Premierminister Stephen Harper, der den Gipfel der 20 mächtigsten Industrie- und Schwellenländer am Wochenende in Toronto ausrichtet. Die neuen Herausforderungen sollte die G-20 "auf koordinierte Weise angehen".

Der Konjunkturausblick der EZB stützt Merkels Position. "Die Erwartung einer moderaten Konjunkturerholung in diesem und im kommenden Jahr haben sich bestätigt", sagte Trichet. "Die Inflation dürfte in der zweiten Jahreshälfte leicht anziehen." Allerdings werde die Preisentwicklung mittelfristig moderat bleiben. Das derzeitige Zinsniveau der Europäischen Zentralbank sei daher angemessen.

Trichet lobte außerdem den Beschluss des EU-Gipfels vom vergangenen Donnerstag, Ergebnisse von sogenannten Banken-Stresstests bis zum Juli zu veröffentlichen. Damit soll das erschütterte Vertrauen an den Märkten gestärkt werden. "Das ist ein sehr wichtiges, sehr ernstes und ein sehr angemessenes Vorhaben", sagte er.

ssu/AFP/apn/dpa-AFX/dpa

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1. nachdenkseiten.de
hint 21.06.2010
Wie es so schön auf nachdenkseiten.de heißt: "wir verschenken Ressourcen, wir vernachlässigen die Binnennachfrage und den Wohlstand der Mehrheit der Menschen, wir bringen ein wichtiges Projekt, das Zusammenwachsen Europas, in Gefahr und wir verstärken unseren Ruf als Besserwisser und arrogante Pfeffersäcke inmitten Europas."
2. Sparen
rheinlandpfalz 21.06.2010
Genau !! - Man muss nicht immer alles den Amis nachmachen - auch die "Neue Welt" kann von dem "Alten Europa" mal was lernen und nicht immer nur diktieren was wir zu Ihrem Wohl alles zu machen und zu unterlassen haben !!
3. Merkelmurks
Baikal 21.06.2010
Zitat von sysopKlare Ansage von Europas mächtigstem Banker: EZB-Chef Jean-Claude Trichet fordert die EU-Kommission energisch auf, Haushaltssünder schärfer zu bestrafen. Damit schließt er sich den Spar-Falken um Kanzlerin Merkel an - können sie sich am Ende durchsetzen? http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,701991,00.html
Klare Ansage von Europas mächtigstem Banker: EZB-Chef Jean-Claude Trichet - wollen wir da nicht mal ein Fragezeichen setzten? Hatte Trichet nicht noch einen Tag vor dem Ankauf der griechischen Schrottpapiere den Ankauf abgelehnt? Trug der Ankauf nicht dazu bei, französische und deutsche Banken zu retten? Hatte nicht das Unglück aus er Ückermarck auch abgelehnt, solche Schrottpapiere über die EZB zu kaufen? Hatte aber nicht Josef Ackermann lauthals für den Ankauf getrommelt? Wer ist nun der mächstigste Bankier und wer sind die Marionetten?
4. Durchsetzen ist bei ...
llofwyr, 21.06.2010
Zitat von sysopKlare Ansage von Europas mächtigstem Banker: EZB-Chef Jean-Claude Trichet fordert die EU-Kommission energisch auf, Haushaltssünder schärfer zu bestrafen. Damit schließt er sich den Spar-Falken um Kanzlerin Merkel an - können sie sich am Ende durchsetzen? http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,701991,00.html
... diesen machtgeilen Henkersknechten ihrer jeweiligen Landesverfassungen, die sich Regierungschefs nennen, sicher kein Problem, denn seid wann ist es üblich, bei solchen Entscheidungen das EU-Parlament oder gar die Länderparlamente zu befragen. Da aber Volkswirtschaften bei Sparmaßnahmen mit Lohndumping gewöhnlich zu implodieren pflegen, braucht man sich nur entspannt zurückzulehnen und auf das Ende der EU und den dann aufziehenden 3. Weltkrieg zu warten. Denn geeignete Sündenböcke für ihr eigenes Versagen werden unsere politischen Intelligenzallergiker sicher finden - nämlich in Form der "anderen" EU-Mitgliedsstaaten. Wenn ich sehe, wie unproblematisch neoliberales staatszerstörerisches-Gedankengut unters Volk zu bringen ist, dann ist es doch sicher noch weit einfacher, den Erzfeind von Außen wieder auferstehen zu lassen ...
5. Gänseblümchen
dasky 21.06.2010
Zitat von sysopKlare Ansage von Europas mächtigstem Banker: EZB-Chef Jean-Claude Trichet fordert die EU-Kommission energisch auf, Haushaltssünder schärfer zu bestrafen. Damit schließt er sich den Spar-Falken um Kanzlerin Merkel an - können sie sich am Ende durchsetzen? http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,701991,00.html
Jetzt verstehe ich überhaupt nichts mehr. Wieso ist bei Merkel und ihrer Umgebung jetzt ausgerechnet von "Spar - Falken" die Rede? "Pippi's Langstrümpfe" (http://www.youtube.com/watch?v=ayHzg8oMvV0) oder von mir aus auch "Pippi's Blaustrümpfe" würde es besser treffen. Merkel haut mit exekutiver Allmacht eben 'mal ganz alternativlos acht Milliarden EUR / Jahr (http://www.augsburger-allgemeine.de/Home/Nachrichten/Politik/Artikel,-Merkel-Bei-Griechenland-Hilfe-geht-es-um-Europas-Zukunft-_arid,2137505_regid,2_puid,2_pageid,4290.html) für Griechenland (http://www.youtube.com/watch?v=bHI8uwJPxZA) 'raus, weil sie vor ein paar Jahren lieber Gänseblümchen gemalt hat, statt zuzuhören (http://www.youtube.com/watch?v=yq_6e1A7gzA). Sie sollte besser ein Waisenhaus führen und versorgen. (http://www.youtube.com/watch?v=mr7ZWJJdPV8)
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Die Maastricht-Kriterien
DPA
Die Teilnahme an der Europäischen Währungsunion ist nach dem Vertrag von Maastricht an fünf Kriterien geknüpft. Sie sollen sicherstellen, dass die Euro-Länder sich wirtschaftlich so angenähert haben, dass sie reif für eine gemeinsame Währung sind:

1. Die Neuverschuldung soll nicht mehr als drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) betragen.

2. Für die Staatsverschuldung gilt ein Richtwert von 60 Prozent des BIP, den die Länder einhalten oder dem sie sich annähern sollen.

3. Die Inflationsrate darf nicht mehr als 1,5 Prozentpunkte über dem Durchschnitt der drei preisstabilsten Länder liegen.

4. Die langfristigen Zinssätze dürfen nicht mehr als zwei Prozentpunkte über dem Durchschnitt der drei preisstabilsten EU-Länder liegen.

5. Die Währung muß sich mindestens zwei Jahre spannungsfrei und ohne Abwertung im Europäischen Währungssystem bewegt haben.


Wie Politiker den Euro als D-Mark-Ersatz lobten

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Schulden in Europa
Gesamtverschuldung in Euro-Land
dpa
Mit der gigantischen Summe von mehr als sieben Billionen Euro sind die Euro-Länder verschuldet. Mit Hilfe des Internationalen Währungsfonds (IWF) haben die Staaten jetzt einen riesigen Rettungsschirm von bis zu 750 Milliarden Euro für Länder gespannt, die mit dem Schuldenberg nicht mehr fertig werden und in Zahlungsschwierigkeiten geraten.
Deutschland
Die gesamtstaatlichen Schulden liegen bei mehr als 1,7 Billionen Euro. Das sind mehr als 70 Prozent des BIP. Erlaubt sind laut Maastricht-Vertrag 60 Prozent. Die jetzt schon gigantische Summe könnte bis Ende 2013 durch immer neue Kredite bei etwa zwei Billionen Euro liegen.

Allein 2010 lag die Neuverschuldung bei 3,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), erlaubt sind laut Maastricht drei Prozent. Um diese Schuldenberge wieder abzubauen, hat die schwarz-gelbe Koalition im Sommer 2010 ein Sparpaket aufgelegt. Ob dies allerdings ausreicht, ist fraglich. Denn der Bund muss von 2011 an jedes Jahr zehn Milliarden Euro sparen - allein um die im Grundgesetz verankerte Schuldenbremse einzuhalten.
Frankreich
Das Haushaltsdefizit lag 2009 bei 7,5 Prozent des BIP, die Gesamtverschuldungsquote bei 77,6 Prozent. In Euro ausgedrückt belaufen sich die Verbindlichkeiten auf mehr als 1,5 Billionen Euro. Die Regierung will die Staatsausgaben von 2011 bis Ende 2013 einfrieren. Jede zweite frei werdende Stelle im Öffentlichen Dienst wird nicht besetzt.

Die laufenden Ausgaben für den Staatsbetrieb sollen binnen drei Jahren um zehn Prozent gesenkt werden. Zudem will Paris Steuerschlupflöcher stopfen und so in zwei Jahren fünf Milliarden Euro mehr einnehmen. Eine Rentenreform soll außerdem das riesige Defizit in den Sozialkassen senken. Das Rentenalter in Frankreich liegt derzeit für das allgemeine Rentensystem noch bei 60 Jahren.
Spanien
Das Land hat einen Sparplan vorgelegt, der für die kommenden drei Jahre eine Senkung der Ausgaben um 50 Milliarden Euro vorsieht. Für 2010 und 2011 kündigte Madrid zusätzliche Einsparungen von 15 Milliarden Euro an. Erstmals in der jüngeren Geschichte des Landes werden die Gehälter von Ministern und Beamten gekürzt. Staatliche Investitionen werden zusammengestrichen.

Die Neuverschuldung lag 2009 bei 11,2 Prozent des BIP. Die Gesamtverschuldung des Staates wurde zuletzt vom Finanzministerium auf 55,2 Prozent des BIP beziffert. Laut Eurostat sind es knapp 560 Milliarden Euro.
Portugal
Die Regierung überraschte 2010 mit der Ankündigung von Steuererhöhungen. Einkommensteuern sollen angehoben, Unternehmen mit einer zusätzlichen "Krisensteuer" von 2,5 Prozent auf alle Gewinne belastet werden. Die Mehrwertsteuer soll von 20 auf 21 Prozent steigen. Die Bezüge der Politiker und der Verwalter öffentlicher Unternehmen sollen um fünf Prozent reduziert werden.

Damit will Portugal sein Haushaltsdefizit von 9,4 Prozent des BIP auf sieben Prozent reduzieren. Die Gesamtschulden entsprachen 2009 rund 76,8 Prozent des BIP.
Italien
In Italien sind bislang keine größeren Sparpakete auf den Weg gebracht worden, obwohl das Land zu den großen Schuldensündern in der Euro-Zone zählt.

Der italienische Wirtschaftsminister Giulio Tremonti hat zwar angekündigt, dass ab 2011 gespart werden soll. Genaueres hat er bislang aber nicht erklärt. Italien hat in absoluten Zahlen einen Gesamtschuldenstand wie Deutschland von mehr als 1,7 Billionen Euro. In Relation zur Wirtschaftskraft ist der Schuldenberg aber weit größer: Er beträgt rund 114 Prozent des BIP.
Irland
Im Haushalt 2010 waren strikte Sparmaßnahmen vorgesehen. So wurden Gehälter im Öffentlichen Dienst um fünf bis 15 Prozent gekürzt. Die Sozialausgaben wurden um 760 Millionen Euro zurückgefahren, beim Arbeitslosengeld kam es zu Streichungen für bestimmte jüngere Altersgruppen.

Irland hat eine Gesamtverschuldung von mehr als hundert Milliarden Euro. Damit bewegt sich das Land nicht weit von der vorgeschriebenen 60-Prozent-Regel mit Blick auf das BIP. Allerdings lag die Neuverschuldung 2010 bei rund 30 Prozent.
Belgien
Der hohe gesamtstaatliche Schuldenstand von knapp 97 Prozent des Bruttoinlandsprodukt wird 2011 auf etwa 101 Prozent wachsen. Erlaubt sind nur 60 Prozent.

Wegen der politischen Krise - das Land stolpert von einer Regierungskoalition zur nächsten - ist Belgien politisch gelähmt. Größere Sparpakete sind nicht in Sicht.
Niederlande
Beim Schuldenberg stehen die Niederlande im Vergleich zu anderen Euro-Staaten gut da. Aber auch dort wird er wachsen - von knapp 61 Prozent des BIP 2009 auf annähernd 70 Prozent 2011.

Doch die Niederländer pochen auf Konsolidierung. Die Regierung identifizierte Sparmöglichkeiten bei den Staatsausgaben von rund 20 Prozent. Die EU würde eine Anhebung des Pensionsalters von 65 auf 67 Jahre begrüßen, wie es in den Niederlanden debattiert wird.
Griechenland
Um eine Staatspleite abzuwenden und den unter Druck geratenen Euro zu verteidigen, haben die EU-Staats- und Regierungschefs ein einmaliges, 110 Milliarden Euro schweres Rettungspaket für Griechenland beschlossen.

2009 beliefen sich die Schulden des Landes auf 273 Milliarden Euro und damit auf 115 Prozent des BIP. Gegen heftigen Widerstand im eigenen Land hat die Regierung ein 30-Milliarden-Sparpaket durchgesetzt - Renten und Gehälter im Staatsdienst sollen gekürzt, Steuern heraufgesetzt werden.
Slowakei
Die Gesamtverschuldung lag Ende 2009 bei gut 22 Milliarden Euro, das entsprach 35,7 Prozent des BIP. Nur noch Luxemburg hat in der Euro-Zone einen kleineren Schuldenberg. Das Haushaltsdefizit 2009 von 4,3 Milliarden Euro erreichte aber mit 6,8 Prozent vom BIP einen Rekordstand und soll 2010 gesenkt werden.

Ein Sparprogramm der Regierung sieht großflächige Ausgabenkürzungen vor, aber keine Einschnitte bei Pensionen und im Sozialsystem. Kräftige Einsparungen gab es 2009 im Verteidigungsbudget.
Slowenien
Der Gesamtschuldenstand lag zuletzt bei 40 Prozent des BIP, also klar unter den erlaubten 60 Prozent. Problematisch sind jedoch das schleppende Wirtschaftswachstum und die steigende Arbeitslosigkeit. Ende 2009 überschritt die Arbeitslosenquote zehn Prozent.

Mit Konjunkturprogrammen wurde die Wirtschaft gestützt, das Haushaltsdefizit dürfte 2010 bei 6,1 Prozent des BIP liegen, nach 5,5 Prozent 2009. Das Sparprogramm ist noch nicht klar. Experten rechnen mit Kostensenkungen im öffentlichen Sektor, auch liegen in der Privatisierung von Staatsunternehmen noch Reserven.
Österreich
Mit Steuererhöhungen und strengen Sparmaßnahmen will Österreich seinen Staatshaushalt wieder auf Vordermann bringen. Als Ziel will die Regierung bis 2014 das Defizit von 4,7 auf 2,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts reduzieren. Bund, Länder und Gemeinden sollen bis zu 5,1 Milliarden Euro einsparen, dazu sollen die Bürger über mehr Steuern für höhere Staatseinnahmen sorgen.

Einig ist sich die Koalition aus konservativer ÖVP und sozialdemokratischer SPÖ aber bisher nur bei der Einführung einer Bankensteuer, die die alpenländischen Geldhäuser rund 500 Millionen Euro kosten soll. Insgesamt betragen die Schulden Österreichs derzeit etwa 66 Prozent des BIP.
Finnland
Mit einem Gesamtschuldenstand von 75 Milliarden Euro gehört Finnland nicht zu den Problemländern in der EU, was die Staatsfinanzen angeht. Die Regierung in Helsinki hat seit dem Euro-Start eine sparsame Haushaltspolitik geführt.

Auch deshalb stehen drastische Sparprogramme wegen der aktuellen Finanzkrise nicht auf der Tagesordnung. Seit längerem schon will die Regierung das Rentenalter heraufsetzen und die Rentenansprüche senken.

Milliardenstütze für den Euro
Die EU hat sich auf ein beispielloses Rettungspaket geeinigt: Ein bis zu 750 Milliarden Euro schwerer Fonds für Euro-Wackelkandidaten soll Spekulanten abschrecken und die Währung schützen - die Konditionen im Überblick.
Milliarden-Auffangnetz

Für die klammen Euroländer stellt die Gemeinschaft bei Bedarf bis zu 750 Milliarden Euro Soforthilfe zur Verfügung.

Die ersten 60 Milliarden Euro kommen direkt von der EU-Kommission.

Sollte dieses Geld nicht ausreichen, kommen dazu die 440 Milliarden Euro schweren Hilfen einer Finanz-Zweckgesellschaft (siehe unten).

Zusätzlich steuert der Internationale Währungsfonds (IWF)mindestens 250 Milliarden Euro bei.

Finanz-Zweckgesellschaft
Die Finanz-Zweckgesellschaft ist ein für die Euroländer völlig neues Instrument, das im Namen aller 16 Euroländer Geld leihen und an finanzschwache Staaten weiterleiten kann.
Die Euroländer selbst müssen das Geld dabei nicht auf den Tisch legen, sie treten vielmehr als Garanten für das zu leihende Geld auf.
Zinssatz
Wie im Fall von Griechenland wird es auch für das 750-Milliarden-Paket einen einheitlichen Zinssatz für alle bedürftigen Länder geben. Griechenland muss für seine Kredite fünf Prozent Zinsen (für drei Jahre) zahlen.
Konsolidierung
Schuldenländer verpflichten sich, künftig noch strenger auf die Sanierung der Staatshaushalte zu achten.
Finanzmarktregulierung

Die Euroländer wollen die Finanzmärkte stärker regulieren. Dazu zählen Derivate und Rating-Agenturen, die die Kreditwürdigkeit von Schuldnern - und damit auch Staaten - bewerten.

Darüber hinaus versprechen sich die Staaten auch von der Einführung eines "Stabilitätsbeitrags" der Banken und einer weltweiten Abgabe auf Finanztransaktionen eine stärkere Beteiligung des Finanzsektors an den Kosten der Finanz- und Schuldenkrise.

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Die EU legt ein gigantisches Hilfspaket für den Euro auf - Gesamtumfang: 750 Milliarden Euro. Aber blicken Sie bei der größten Wette der Weltgeschichte noch durch? Testen Sie Ihre Euro-Retter-Qualitäten im SPIEGEL-ONLINE-Quiz.


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