Neuer Absturz Griechische Wirtschaft schrumpft dramatisch

Die Wirtschaftslage im krisengebeutelten Griechenland verschärft sich in erschreckendem Tempo: Das Bruttoinlandsprodukt verringert sich stärker als erwartet, die Arbeitslosigkeit steigt - vor allem unter Jugendlichen. Jetzt verweigert auch noch EU-Partner Slowakei jede Finanzhilfe.

Altstadt von Athen: Jeder dritte Jugendliche in Griechenland ist arbeitslos
REUTERS

Altstadt von Athen: Jeder dritte Jugendliche in Griechenland ist arbeitslos


Athen - Die griechische Wirtschaft schrumpft schneller als erwartet. Die Krise in dem hoch verschuldeten Land hat sich im zweiten Quartal deutlich verschärft: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) schrumpfte von April bis Juni um 1,5 Prozent im Vergleich zum vorangegangenen Vierteljahr, teilte das Statistikamt in Athen mit.

Analysten hatten lediglich mit einem Minus von 1,0 Prozent gerechnet, nachdem die Wirtschaftsleistung in den beiden Vorquartalen um jeweils 0,8 Prozent zurückgegangen war. "Der Rückgang der Investitionen und der deutliche Abbau der öffentlichen Ausgaben haben zu dem Minus beigetragen", teilte das Amt mit.

Gleichzeitig steigt die Arbeitslosigkeit in Rekordgeschwindigkeit: 602.185 Griechen waren im Mai offiziell arbeitslos - 43 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Damit wurde der höchste Stand seit Beginn der monatlichen Statistik 2004 erreicht. Die Arbeitslosenquote sprang von 8,5 auf 12 Prozent nach oben. Vor allem die 15- bis 24-Jährigen sind betroffen: In dieser Altersgruppe lag die Arbeitslosenquote den angaben zufolge im Mai bei 32,5 Prozent. Die Europäische Union und der Internationale Währungsfonds (IWF) befürchten, dass sich die Arbeitslosenquote wegen der schwersten Rezession seit 40 Jahren in Richtung 15 Prozent bewegen wird.

Belastet wird die griechische Wirtschaft durch ein drakonisches Sparprogramm der Regierung. Athen muss in diesem Jahr sein Staatsdefizit von fast 13 Prozent auf rund acht Prozent des Bruttoinlandsprodukts drücken. Die Regierung hat wegen der enormen Schuldenlast die Gehälter im öffentlichen Dienst gekürzt und die Mehrwertsteuer mehrfach angehoben. Im Gegenzug spannten EU und IWF einen 110 Milliarden Euro schweren Rettungsschirm für die kommenden drei Jahre, um Griechenland vor der Zahlungsunfähigkeit zu bewahren.

Slowakei lehnt Finanzhilfen für Griechenland ab

Experten zufolge findet Griechenland auch in der zweiten Jahreshälfte nicht aus der Rezession. "Der private Konsum wird künftig noch stärker unter dem Sparpaket leiden", sagte Citigroup-Analystin Giada Giani. Sie geht davon aus, dass die Wirtschaft 2010 insgesamt um rund 3,5 Prozent schrumpfen wird. Die EU und der IWF schätzen den Rückgang des griechischen BIP für das ganze Jahr sogar auf vier Prozent.

Unterdessen verteidigen slowakische Regierungspolitiker das Nein zur Beteiligung des Landes am EU-Hilfspaket für Griechenland. Die Parlament in Bratislava hatte mit überwältigender Mehrheit entschieden, dass sich die Slowakei als bisher einziges Land der Eurozone definitiv nicht an den gemeinsamen Finanzhilfen beteiligt. Parlamentspräsident Richard Sulik sagte nach der Abstimmung im Parlament: "Ich bin stolz darauf, dass wir gezeigt haben, dass es auch anders geht." Das Notpaket für Griechenland bezeichnete Sulik als "falsches Signal" an die Finanzmärkte.

Die EU-Kommission kritisierte das Nein als Verstoß gegen die Solidarität in der Eurogruppe. Er erwarte, dass sich die Gruppe der 16 Euro-Länder bei ihrem nächsten Treffen Ende September mit diesem Vorgang beschäftigen werde, sagte EU-Währungskommissar Oli Rehn.

lgr/Reuters/AFP/dpa-AFX



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Baikal 12.08.2010
1. Merkelmurks
Zitat von sysopDie Wirtschaft im krisengebeutelten Griechenland schrumpft mit erschreckendem Tempo: Das Bruttoinlandsprodukt verringerte sich stärker als erwartet, die Arbeitslosigkeit stieg drastisch an - vor allem unter Jugendlichen. Jetzt verweigert auch noch EU-Partner Slowakei jede Finanzhilfe. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,711533,00.html
Ja, sollte denn die Slowakei nicht von der Hochfinanz regiert werden oder ist nicht genug gzahlt worden? Die Begründung, das "Hilfspaket" sende die falschen Signale an die "Finanzmärkte", ist auf jeden Fall richtig - natürlich nicht für Ackermanns Geburtstagsfreundin Merkel.
Arthi, 12.08.2010
2. .
Zitat von sysopDie Wirtschaft im krisengebeutelten Griechenland schrumpft mit erschreckendem Tempo: Das Bruttoinlandsprodukt verringerte sich stärker als erwartet, die Arbeitslosigkeit stieg drastisch an - vor allem unter Jugendlichen. Jetzt verweigert auch noch EU-Partner Slowakei jede Finanzhilfe. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,711533,00.html
Respekt Die Slowakei als einziges Land das sich nicht von der EU-Diktatur hat einschüchtern lassen. Da können unsere Bananenrepublik-Politiker sich eine Scheibe von abschneiden.
barbara10 12.08.2010
3. jaa..die guten griechen
arthi...da hast du vollkommen recht..habe eben kurz vorher eine interessante zusammenstellung gefunden http://www.theeuropean.de/debatte/2433-griechenland-und-die-krise-des-euro kann sie euch nur empfehlen..weil da sehr tiefgründig debattiert wird
Medienkritiker 12.08.2010
4. Respekt? wovor denn?
Zitat von ArthiRespekt Die Slowakei als einziges Land das sich nicht von der EU-Diktatur hat einschüchtern lassen. Da können unsere Bananenrepublik-Politiker sich eine Scheibe von abschneiden.
Das Traumgebilde Europa wird in den nächsten 50 Jahren sicher kaum in der Lage sein Einigkeit zu erzielen...die nationalstaatlich dümmlichen Interessen werden es auf jeden Fall vermeiden Europa als geeinte Wirtschaftsmacht zu präsentieren...weiter so ihr Kleingeister!
Over the Fence, 12.08.2010
5. Slowakei mit Rückgrat
Der Slowakische Finanzminister konterte den Vorwurf des EU-Währungskommissars zum "Solidaritätsbruch" angeblich wie folgt: „Wenn es um die Solidarität von Armen mit Reichen, Verantwortungsvollen mit Verantwortungslosen oder Steuerzahlern mit Bankeigentümern und Bankmanagern geht, dann sehe ich das nicht als Solidarität“. Dieser Aussage ist eigentlich nichts hinzuzufügen. Die Slowakei ist das einzige EU-Land, welches sich noch an bestehende Verträge hält - und deren Politiker noch die Bevölkerung vertritt, die sie gewählt hat.
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