Neuer Wirtschaftspakt: USA wollen China Handelspartner abjagen

Es ist eine Kampfansage an China: Die USA schmieden in Asien einen neuen Handelspakt, um den wirtschaftlichen Einfluss der Volksrepublik zu bändigen. Deren Präsident Hu Jintao gab sich staatsmännisch gelassen, Barack Obama dagegen zeigte sich angriffslustig.

Chinas Präsident Hu Jintao und US-Präsident Barack Obama: Es knirscht Zur Großansicht
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Chinas Präsident Hu Jintao und US-Präsident Barack Obama: Es knirscht

Honolulu - Für die USA wäre es ein Gesichtsverlust sondergleichen. Das Land läuft Gefahr, von China als weltweit größte Wirtschaftsmacht abgelöst zu werden. Wie hoch die Nervosität in Washington ist, zeigt ein neuer Handelspakt. Die USA haben ein Freihandelsabkommen mit acht asiatischen Ländern vereinbart und wollen sich so den Zugang zu wichtigen Märkten sichern. Das Entscheidende: Mit dem Pakt wollen die USA China Paroli bieten. Denn die Volksrepublik bleibt dabei außen vor.

Auf dem Gipfel des asiatisch-pazifischen Wirtschaftsforums (Apec) in Honolulu verkündete US-Präsident Barack Obama, die Grundzüge der sogenannten Trans-Pazifischen Partnerschaft seien vereinbart worden. Diese sei als Freihandelsabkommen angelegt. Zu den künftigen, bevorzugten Wirtschaftspartnern der USA gehören Chile, Neuseeland, das Sultant Brunei, Singapur, Australien, Malaysia, Vietnam und Peru. Auch Japan beantragte inzwischen offiziell eine Beteiligung an den Gesprächen.

Das Abkommen soll den Amerikanern helfen, seinen wirtschaftlichen Einfluss in der asiatischen Region gegenüber China zu behaupten. Auch Länder wie Indonesien sind daran interessiert, die Volksrepublik nicht übermächtig werden zu lassen. "Wenn wir es schaffen, ein dynamisches Gleichgewicht im asiatisch-pazifischen Raum und in Ostasien zu schaffen, kann die Präsenz der USA eine Stütze sein, damit die Region wirtschaftlich wachsen kann", sagte der indonesische Präsident Susilo Bambang Yudhoyono.

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Supermächte in Zahlen: China und USA im Statistik-Vergleich
Für China ist der neue Pakt eine Provokation. Denn es ist bereits Ziel des asiatisch-pazifischen Wirtschaftsforums Apec, eine Freihandelszone einzurichten. Diese Wirtschaftsgemeinschaft wurde 1989 gegründet. Zu den 21 Mitgliedsländern gehören außer den USA und China auch Japan, Russland, Australien, Neuseeland, Peru, Chile sowie asiatische Tigerstaaten wie Südkorea, Taiwan und Singapur. Die Apec-Staaten bilden die dynamischste Wirtschaftsregion der Welt und stehen für mehr als die Hälfte der globalen Wirtschaftsleistung.

Auf das neue Abkommen reagierte China distanziert. Dieses sei sehr ehrgeizig, hieß es. Präsident Hu Jintao vermied es in einer Rede während des Apec-Treffens, direkt auf den neuen Pakt einzugehen. Er unterstrich aber die Bedeutung bereits bestehender Handelsabkommen - und warb für eine enge Partnerschaft mit Washington. Die USA und China müssten gerade in wirtschaftlich unsicheren Zeiten ihre Kommunikation und Koordination intensivieren.

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Exportweltmeister China: Auf Kosten der anderen
Obama fordert Einhaltung der Spielregeln

US-Präsident Barack Obama zeigte sich wesentlich angriffslustiger. Er steht angesichts der schlechten Wirtschaftslage in seinem Land und den Präsidentschaftswahlen im kommenden Jahr unter Druck. Vor führenden Wirtschaftsvertretern der Apec-Staaten forderte Obama China auf, sich in der Handels- und Währungspolitik an die Spielregeln zu halten.

Zwischen den beiden Ländern knirscht es seit längerem. Machtlos mussten die USA und europäische Länder zusehen, wie China durch seinen günstigen Währungskurs lukrative Handelsgeschäfte an Land zieht. Der niedrige Yuan-Kurs macht chinesische Exporte billiger und verteuert im Gegenzug Importe. Washington drängt Peking seit längerem dazu, den Yuan aufzuwerten und damit auf unfaire Wettbewerbsvorteile im Exportgeschäft zu verzichten. "Wo wir sehen, dass die Spielregeln verletzt werden, werden wir dies aussprechen und in manchen Fällen etwas dagegen tun", sagte Obama.

Der US-Senat hatte erst kürzlich eine Reihe von Strafmaßnahmen gegen China beschlossen - so sollen Waren aus der Volksrepublik mit Sonderzöllen belegt werden. Peking zeigte sich empört.

Hu sagte in Honolulu, sein Land sei bereit zu Reformen und zur Öffnung der Märkte. Er machte aber auch das Selbstbewusstsein der Volksrepublik als aufstrebendes Schwergewicht in der Weltwirtschaft deutlich.

mmq/AP/Reuters

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1. Alles hat irgendwann mal ein Ende
Gerdtrader50 13.11.2011
Hat es die amerikanische Administration endlich gecheckt. Der Kurs der jahrzehntelangen Billigimportiererei unter Zuverfügungstellung des US-Marktes für alle asiatischen Staaten, teilweise auch unter geringsten Preisen und den damit verbundenen wirtschaftlichen Vorteilen beim Handel bringt logischerweise mehrere schwerwiegende Probleme mit sich: Die Industrie schrumpft, Produktionswissen geht verloren, Arbeitsplätze werden vernichtet, etc., wenn die Handelsbilanz nicht stimmt. Wird Zeit, dass die US-Administration umsteuert. Die Euroäer täten klug daran, dem Beispiel teilweise zu folgen.
2. .
reply 13.11.2011
Zitat von sysopEs ist eine Kampfansage an China: Die USA schmieden in Asien einen neuen Handelspakt, um den wirtschaftlichen Einfluss der Volksrepublik zu bändigen. Deren Präsident Hu Jintao gab sich staatsmännisch gelassen, Barack Obama dagegen zeigte sich angriffslustig. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,797470,00.html
Ob Japan dem TPP beitritt bleibt abzuwarten. Die Meinungen ueber den Nutzen dieses Wirtschaftspaktes sind in Japan geteilt. Realisten sehen nur den Nutzen, den die USA aus dem Abkommen ziehen. Die jap. Landwirtschaft wuerde nicht mehr ueberlebensfaehig sein und auf Gedeih und Verderb von den USA abhaengig werden. Das ist jedoch nicht der einzige Punkt wovor das Land Angst hat. Ein ungezuegelter Raubtierkapitalismus wuerde es den USA ermoeglichen Banken und Versicherungen in Japan zu erwerben und dem jap. Staat vorzuschreiben wie z.B. Krankenhaeuser zu operieren haben. Das soziale Netz, welches in Japan stark ausgepraegt ist, wuerde durchloechert werden wie ein schweizer Kaese. Ich wage mal zu prognostizieren, das Japan dem TPP nicht beitreten wird. Eine jap. Regierung welche die Interessen der USA ueber die ihres eigenen Volkes stellt, wird bei den naechsten Wahlen ein Debakel erleben. Ohne Japan jedoch waere das TPP Abkommen ein 'zahnloses' Wirtschaftsbuendnis, da >90% des Handels zwischen Japan und den USA stattfinden wuerde. Motto der Noda Regierung: Wir stimmen Verhandlungen zu (damit hat sich Japan viel Zeit gekauft ohne ein klares Nein zu sagen).
3. Die Amis wollen nicht wahrhaben
spiekla 13.11.2011
das ihr Niedergang nur durch Änderung ihres Verhaltens zu stoppen ist und nicht durch fiskalische Massnahmen = wie Pillen gegen ihr Übergewicht. Höhere Stundenlöhne können nur durch höhere Produktivität verdient werden und zwar im high tech / hochqualitativen Bereich wie in BRD. Im Bereich von billigen Waren des täglichen Gebrauches ist nichts zu gewinnen, weil das Zeug dann anstatt aus China aus Vietnam, Thailand, Indonesien und später vielleicht aus Afrika käme. Die dummen fiskalischen Maßnahmen sollte BRD nicht übernehmen; denn wir verkaufen an China Qualitätsprodukte mit höheren Gewinnspannen als die Chinesen für ihre Billigware von uns bekommen. Im übrigen ist Chinas Situation nur ein Durchgangsstadium zu Verhältnissen Richtung Taiwan und Singapur.
4. die chinesen brauchen nur mal ...............
otto huebner 13.11.2011
fuer ein paar monate den kauf von us-staatsanleihen aussetzen. dann sehen die ami's schon wo sie bleiben. und wenn die usa jetzt versuchen den einfluss china's zu begrenzen, dann kann man ob solcher dummheit eigendlich nur noch lachen. der einfluss chinas ist nicht mehr zu begrenzen. ich sehe das taeglich auf den philippinen. man wird sich mit china wohl abfinden muessen.
5. auch Europa
Sabi 13.11.2011
Zitat von sysopEs ist eine Kampfansage an China: Die USA schmieden in Asien einen neuen Handelspakt, um den wirtschaftlichen Einfluss der Volksrepublik zu bändigen. Deren Präsident Hu Jintao gab sich staatsmännisch gelassen, Barack Obama dagegen zeigte sich angriffslustig. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,797470,00.html
Auch Europa wird zunehmend von den Importen aus China abhängig und verliert immer mehr Arbeitsplätze nach China ! Wann wollen die Europäer aufwachen ? Die Bekleidungsindustrie, Schuhindustrie, Unterhaltungselektronik (HiFi / TV - Computer), alles wird in China fabriziert. Immer weniger Firmen produzieren in der EU, und haptäschlich im Teuer-Segment, weil man mit den Dumping-Preisen in China nicht mithalten kann. Und schon rüsten die China-Autohersteller zum Kampf auch in Europa. Gegen sie sind Japse u. Koreaner Waisenknaben !
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