Neues Gesetz Frankreich bestraft Unternehmer für Fabrikschließungen

Die Regierung in Paris greift durch: Ein neues Gesetz soll Unternehmer in Frankreich von Fabrikschließungen abhalten. Wenn sie Standorte dicht machen wollen, müssen sie sich nach einem Käufer umgucken. Im Zweifel drohen saftige Geldbußen.

Frankreichs Präsident Hollande (im Stahlwerk Florange): Saftige Strafen
AFP

Frankreichs Präsident Hollande (im Stahlwerk Florange): Saftige Strafen


Paris- Im Kampf gegen den industriellen Niedergang und die hohe Arbeitslosigkeit geht Frankreichs sozialistische Regierung mit einem Gesetz gegen Fabrikschließungen in die Offensive. Damit könnte Unternehmern künftig eine Strafe drohen, wenn sie eine als wirtschaftlich noch tragbar eingestufte Anlage dichtmachen.

Die Nationalversammlung verabschiedete am Dienstag das Gesetz, das Firmen mit mehr als 1000 Angestellten zu einer intensiven Suche nach einem Käufer für von der Schließung bedrohte Fabriken verpflichtet. Kann das Unternehmen diese Bemühungen nicht ausreichend nachweisen, können ihm pro entlassenem Arbeiter Bußgelder in Höhe des 20-fachen des Mindestlohnes von 1430 Euro aufgebrummt werden.

Der Senat muss das Gesetz noch überprüfen, aber die von Präsident François Hollandes Sozialisten kontrollierte Nationalversammlung hat das letzte Wort. Kritiker aus der Wirtschaft erklären, das Vorhaben verschrecke Investoren.

Hollande ringt ein Jahr vor den Kommunal- und Europawahlen um Unterstützung im Arbeiterlager. Das Gesetz ist nach dem traditionellen Stahlstandort Florange im Norden Frankreichs benannt. Dort hatte sich Hollandes Regierung mit allen Mitteln für den Erhalt eines Stahlwerks des Branchenriesen ArcelorMittal Chart zeigen eingesetzt - allerdings vergeblich.

suc/Reuters



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insgesamt 73 Beiträge
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Newspeak 02.10.2013
1. ...
Endlich mal ein Land, das sich mit Großkonzernen anlegt. Bei uns steht zwar "Eigentum verpflichtet" in der Verfassung, aber Großkonzerne können machen, was sie wollen, selbst wenn es gesellschaftsschädigend ist.
Borke 02.10.2013
2.
Die sozialistische Regierung Frankreichs macht sich immer mehr selber lächerlich... Man hat dort eine so wirtschaftsfeindliche Umgebung geschaffen, dass die Unternehmen dort reihenweise schliessen. Es herrscht hohe Arbeitslosigkeit und man wäre dringend auf Investionen von Unternehmen angewiesen. Und jetzt kommt man noch mit so einem Blödsinnsgesetz, dass ein Unternehmen zwingend einen Käufer vorweisen muss, wenn er seine Fabrik schliessen möchte, um auch noch die letzte Chance kaputt zu machen, dass irgendein Unternehmen seine Fabrik in Frankreich baue könnte. Schneller als mit solch einem investorenfeindlichen Klima kann man ein Land nicht industrialisieren!
bluemetal 02.10.2013
3. Zu kurz gedacht
Wie bereits beschrieben: so kann man unter Umständen die eine oder andere Fabrik halten. Allerdings wird sich jedes Unternehmen hüten in Frankreich Produktionstätten zu kaufen oder zu errichten. Eine dümmlich-populistische Sozialisten-Lösung die voll in die Hose geht, und das mit Ansage.
milatext 02.10.2013
4. Wirtschaftsflucht vorprogrammiert
So eine Idee kann wirklich nur einem Sozialisten einfallen: Statt Unternehmern einen Anreiz zur Schaffung neuer Arbeitsplätze durch Neugründungen und Investitionen zu bieten, bestraft man lieber jene Unternehmer, die ohnehin schon mit Problemen zu kämpfen haben oder eine tragfähigere Geschäftsidee umsetzen wollen. Denn rentable Unternehmen klappt unter normalen Umständen niemand zu. Aber im sozialistischen Weltbild sind Unternehmer böse Kapitalisten und daher per se bestrafenswert. Ach ja, es soll ja nur solche treffen, deren Unternehmen „wirtschaftlich noch tragbar“ sind. Und was tragbar ist, sollen Beamte beurteilen, die (in Frankreich) in ihrem Leben außer einer Eliteschule und einer Eliteuni nichts weiter kennengelernt haben und eigentlich nur von ihrer Pensionierung träumen? Klar doch, alles kompetente Wirtschaftsexperten. Pech nur, dass Unternehmer Hollandes sozialistisches Paradies auch einfach verlassen können.
magoan 02.10.2013
5. typische französische Sackgassenlösung
So kann man nur die Unternehmer vertreiben, bei uns gibts Kurzarbeitergeld um Absatzprobleme zu überbrücken. Die Franzosen lernen es nie, ob linke Sozialisten oder Konservative. Die "Grande Nation" gehört einfach zu den europäischen Südländern !
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