Plötzlich schuldenfrei Stadt Neuss erhält Steuernachzahlung in Millionenhöhe

Auf einen Schlag schuldenfrei: Neuss hat vom US-Pharmariesen Johnson & Johnson überraschend 152 Millionen Euro überwiesen bekommen. Die Stadt lässt nun prüfen, ob ihr das Geld wirklich zusteht.

Schönwetter in Neuss
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Schönwetter in Neuss


Die Nachzahlung entspricht etwa einem Drittel des jährlichen Gesamthaushaltes der Stadt Neuss: Der Pharma- und Konsumgüterkonzern Johnson & Johnson hat 152 Millionen Euro an die Stadtkasse überwiesen, wie eine Sprecherin der Tochtergesellschaft Janssen-Cilag am Dienstag mitteilte.

Damit könnte die Stadt auf einen Schlag schuldenfrei werden - doch die Kommune in Nordrhein-Westfalen kann ihr Glück offenbar noch nicht fassen. Die Stadt Neuss prüft derzeit die Rechtmäßigkeit der Zahlung. Der plötzliche Geldsegen bewegt die Stadt bereits seit Tagen, bis Dienstag war jedoch unklar, von wem die Überweisung stammt.

Sollte es bei den unerwarteten Einnahmen bleiben, müsste die Stadt zwar einen erheblichen Teil wieder abführen. Dennoch geht Bürgermeister Reiner Breuer (SPD) davon aus, dass am Ende ein zweistelliger Millionenbetrag übrig bleibt. Dies sei genug, um die Schulden der Stadt zu tilgen.

Die Erklärung des Unternehmens für die unerwartete Überweisung klingt allerdings plausibel. Die deutsche Holdinggesellschaft wurde demnach nach Österreich verlagert. Dabei sei das Unternehmen neu bewertet worden. "Im Ergebnis dieser Neubewertung wurde der Marktwert höher als der bisherige Buchwert geschätzt", sagte die Sprecherin. Dadurch kam es zu der Nachzahlung der Gewerbesteuer. "Es handelt sich dabei um ein einmaliges Ereignis aus dem Jahr 2015", so die Sprecherin.

Gründe für die Verlagerung ins Ausland nannte das Unternehmen nicht. Der "Rheinischen Post" zufolge, die als erstes über den Geldsegen berichtete, kann der Hersteller von unter anderem Hygieneartikeln und Körperpflegeprodukten dadurch auf lange Sicht Steuern sparen: In Österreich wird keine Gewerbesteuer fällig.

sun/dpa-AFXP



insgesamt 13 Beiträge
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sametime 11.04.2017
1. Gegenrechnung
Wie viele Leute wurden durch die Verlagerung arbeitslos? Diese Kosten muss man auf jeden Fall gegenrechnen. Wieso muss eigentlich über jedem Artikel ein Foto prangen, selbst wenn es nichts mit dem Thema an sich zu tun hat wie in diesem Fall oder nur ein "Symbolfoto" ist?
OberstSL 11.04.2017
2. @sametime
Wenn sie wenigstens ein passendes Foto einblenden würden (z.B. einen ratlos dreinblickenden Bürgermeister).
lupo62 11.04.2017
3.
Das Ereignis zeigt doch nur, wie viel Geld von internationalen Konzernen verdient wird. 152 Millonen sind offenbar gar nichts, nur Spielgeld, um im nächsten Jahr an einem anderen Ort noch viel mehr Geld nicht zahlen zu müssen - sonst hätten sie die Aktion ja wohl nicht gemacht. Es ist nach wie vor ein Skandal, das man mit Hilfe einer Briefkastenfirma abgaben offenbar ohne Problene beliebig dort zahlen kann, wo eine Briefkastenadresse den geringsten Steuersatz verspricht.
steveleader 11.04.2017
4. Bestätigung...
wie schnell Unternehmen hunderte von Millionen locker machen können. Ich finde alle Superreichen sollten alle Staatsschulden übernehmen. Damit hätte der Staat mit einem Schlag 20 bis 30 Mrd. EUR pro Jahr mehr zur Verfügung. Der kleine Bürger könnte entlastet werden, von den zukünftigen Generationen garnicht zu sprechen.
kahabe 11.04.2017
5. Falsch gelegen!
Ich dachte ja erst, als das letzte Woche aufkam, die Heilige Familie (Wilh. Werhahn, Neuß) hätte ein schlechtes Gewissen bekommen. Da lag ich wohl voll daneben...
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