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Neustart für den Sozialstaat Streichen und streicheln

USA - Sozialstaat in der Rezession

Der US-Sozialstaat ist ein Resultat der Großen Depression in den zwanziger und dreißiger Jahren. Ab 1933 initiierte Präsident Franklin Roosevelt unter dem Namen "New Deal" ein Gesetzespaket, aus dem die modernen US-Sozialprogramme erwuchsen: Arbeitslosen- und Sozialversicherung, Essensmarken, andere Beihilfen. Ideologischer Hintergrund war jedoch nicht eine Umverteilung der Mittel wie in den europäischen Sozialstaaten, sondern der Ausgleich der Widrigkeiten einer Marktwirtschaft.

Immer wieder führten diese Programme zu Politdebatten. Ronald Reagan machte 1976 Wahlkampf, indem er gegen fiktive "welfare queens" wetterte - ein rassistisches Klischee für schwarze Frauen, die sich Stütze erschwindelten. Bill Clinton versprach, "die Sozialhilfe, wie wir sie kennen, zu beenden", und erließ 1996 im Verbund mit der republikanischen Mehrheit im Kongress eine massive Sozialhilfereform, die viele Programme abschaffte oder kürzte und sie an die Bundesstaaten abschob. Die Republikaner hatten argumentiert, dass die Sozialkasse von Betrügern leer geblutet werde und zu einer neuen Einwanderungswelle führe.

Wie erfolgreich diese "welfare reform" war, bleibt umstritten. Befürworter verweisen auf die geschrumpften Sozialhilfestatistiken, Gegner auf die gestiegenen Armutsquoten. Details finden Sie in der Übersichtstabelle - klicken Sie dafür hier.

Präsident Barack Obama sucht nun eine Balance. Über die große Gesundheitsreform hinaus, die er bisher vergeblich versuchte, wagt er kaum ein Programm anzutasten - obwohl die Polemik von rechts immer lauter wird: Ähnlich wie Guido Westerwelle nennen auch die US-Republikaner staatliche Hilfen pauschal "Sozialismus". Als Obama vor kurzem einen dreijährigen Ausgabenstopp vorschlug, um das Haushaltsdefizit in den Griff zu kriegen, nahm er die großen Programme wie Sozial- und Arbeitslosenhilfe ausdrücklich davon aus. Kleinere Staatsspritzen dagegen - etwa Weiterbildungsmaßnahmen, Mietbeihilfen und Schwangerschaftsgelder - dürften leiden.

Die Grundlagen des Sozialstaats mitten in einer Rezession anzutasten, ist aus politischer Sicht ohnehin nicht ratsam. Stattdessen verlängerte der US-Kongress die Dauer der Arbeitslosenhilfe kürzlich noch einmal, nachdem sie für Millionen Langzeitarbeitslose auszulaufen drohte. Derzeit beziehen so viele Amerikaner Essensmarken wie seit der Großen Depression nicht mehr. Obamas Haushalt für 2010 sieht dafür 72,5 Milliarden Dollar vor - fast doppelt so viel wie 2008.

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insgesamt 9307 Beiträge
semipermeabel 18.02.2010
Wird das jetzt der xte Thread zu ALG2 ? Wie weit geht denn der Realitätsverlust noch- neue Stelle suchen, Anreize?
Zitat von sysopLaut einer OECD-Erhebung ist die finanzielle Absicherung deutscher Erwerbsloser im europäischen Vergleich eher gering - trotzdem sind die Anreize, sich eine neue Stelle zu suchen, eher klein. Wie wirksam ist der deutsche Sozialstaat wirklich?
Wird das jetzt der xte Thread zu ALG2 ? Wie weit geht denn der Realitätsverlust noch- neue Stelle suchen, Anreize?
rolli 18.02.2010
Die Fragestellung würde sich erübrigen, wenn nicht durch Mithilfe und Gesetzgebung des Staates Lohndumping uns Lohndrückerei möglich gemacht worden wäre. Die Anreize Arbeit aufzunehmen hängen mit dem Gier der [...]
Zitat von sysopLaut einer OECD-Erhebung ist die finanzielle Absicherung deutscher Erwerbsloser im europäischen Vergleich eher gering - trotzdem sind die Anreize, sich eine neue Stelle zu suchen, eher klein. Wie wirksam ist der deutsche Sozialstaat wirklich?
Die Fragestellung würde sich erübrigen, wenn nicht durch Mithilfe und Gesetzgebung des Staates Lohndumping uns Lohndrückerei möglich gemacht worden wäre. Die Anreize Arbeit aufzunehmen hängen mit dem Gier der Unternehmensverbände, die von der BRD verlangen mit Löhnen in China konkurrieren zu können, ist hier massgebend.
Ja warum wohl sind die "Anreize" eher klein? Was ist denn der "Anreiz", na? Genau, der Lohn. Und wenn der "eher klein" ist, dann lohnt es sich ja nicht. Im Ausland gibts einfach mehr Kohle, da kann [...]
Zitat von sysopLaut einer OECD-Erhebung ist die finanzielle Absicherung deutscher Erwerbsloser im europäischen Vergleich eher gering - trotzdem sind die Anreize, sich eine neue Stelle zu suchen, eher klein. Wie wirksam ist der deutsche Sozialstaat wirklich?
Ja warum wohl sind die "Anreize" eher klein? Was ist denn der "Anreiz", na? Genau, der Lohn. Und wenn der "eher klein" ist, dann lohnt es sich ja nicht. Im Ausland gibts einfach mehr Kohle, da kann man von seinem Geld leben, ohne aufstocken zu müssen. Und wenn man aufstocken muss, dann kann man es wirklich direkt lassen zu arbeiten, denn dann arbeitet man wirklich nur für den Chef, aber nicht für sich.
tristar73 18.02.2010
Wieder so eine Frage und ein Thread, wo es darauf hinausläuft, das wir natürlich viel zu hohe Sozialleistungen haben, und das wir da ja einen tollen Vizekanzler haben, der endlich mal ehrlich allen die Meinung sagt. [...]
Zitat von sysopLaut einer OECD-Erhebung ist die finanzielle Absicherung deutscher Erwerbsloser im europäischen Vergleich eher gering - trotzdem sind die Anreize, sich eine neue Stelle zu suchen, eher klein. Wie wirksam ist der deutsche Sozialstaat wirklich?
Wieder so eine Frage und ein Thread, wo es darauf hinausläuft, das wir natürlich viel zu hohe Sozialleistungen haben, und das wir da ja einen tollen Vizekanzler haben, der endlich mal ehrlich allen die Meinung sagt. Nämlich... Das es nix geileres als Neoliberalismus gibt, auch wenn dafür die eine Hälfte der Deutschen in Arbeitslager kommt, und die andere Hälfte für 2,50 Euro arbeiten darf. Er und seine Anhänger müssen das ganze natürlich koordinieren, und Widerstand verbal forthetzen, wodurch hier natürlich auf jeden Fall Arbeitsplätze erhalten bleiben. Auch die Mikro-Hersteller dürften sich über anhaltenden Konjunkturschub freuen, denn in Zukunft wird noch viel Bedarf für lautes Geschreie da sein!
lieven 18.02.2010
Vorab: Der deutsche Sozialstaat leistet das, was er mindestens leisten soll und muss, in einem der führenden Industrieländer dieser Erde. Darüber hinaus, leistet sich der Sozialstaat unglaubliche Entgleisungen, Auswüchse und [...]
Zitat von sysopWie wirksam ist der deutsche Sozialstaat wirklich?
Vorab: Der deutsche Sozialstaat leistet das, was er mindestens leisten soll und muss, in einem der führenden Industrieländer dieser Erde. Darüber hinaus, leistet sich der Sozialstaat unglaubliche Entgleisungen, Auswüchse und Exzesse, die jedem, der den Blick von draußen wagt, Tränen des Lachens in die Augen treibt. Oder auch totale Unverständnis in den Gesichtszügen entstehen lässt. Das eigentliche Problem, dies hat der kuschelige Rundum-Sorglos-Sozialstaat der 80ziger und 90ziger Jahre bewirkt, ist die Mentalität der Menschen. Hier wird nicht mehr gefragt was der Mensch für die Gemeinschaft tun kann, hier wird an aller erster Stelle gefragt, welche Ansprüche an die Gemeinschaft man wohl hat. Ich persönlich finde es ganz und gar hervorragend, dass Leute wie Westerwelle hier eine grundsätzliche Diskussion fordern.
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- sich bei der Agentur für Arbeit arbeitslos gemeldet und
- Arbeitslosengeld beantragt hat.
- Die Dauer des Anspruchs hängt von der Länge der versicherungspflichtigen Beschäftigung und vom Alter ab. Die Höchstgrenze sind 24 Monate.





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