New York Anwohner in Nobelstraße wehren sich gegen Obdachlosenheim

Anwohner in einem New Yorker Reichenviertel protestieren gegen ein Heim für Wohnungslose. Die Obdachlosen könnten eine Gefahr für die Bewohner darstellen, argumentieren sie.

Obdachloser in New York (Symbolbild)
REUTERS

Obdachloser in New York (Symbolbild)

Von manager-magazin.de-Redakteur Lukas Schürmann


Die Einheimischen nennen den Abschnitt der West 57th Street in New York "Billionaires Row": Eine ganze Reihe der reichsten Menschen der Welt haben hier Apartments gekauft. Darunter ist etwa IT-Unternehmer Michael Dell, der im Wohnturm One57 die teuerste Wohnung der Stadt erworben hat.

Im Viertel der Milliardäre gibt es nun Streit: Die Stadt will in der West 58th Street, gleich am Hintereingang des One57-Turms, eine Obdachlosen-Unterkunft errichten. 140 Männer sollen im ehemalgen Park Savoy Hotel untergebracht werden, schreibt die Nachrichtenagentur AP.

Die Bewohner der umliegenden Straßenblöcke haben mit großer Kritik auf die Einrichtung reagiert. "West 58th Street ist der Hinterhof der Milliardäre", zitiert AP einen dort lebenden Musikproduzenten, "aber es ist auch der Vorgarten von Mittelklassefamilien mit Kindern und von älteren Mitbürgern."

"Die Obdachlosen können sich hier das Leben doch gar nicht leisten"

Die Gegner der Einrichtung sehen diese als Sicherheitsproblem für die Nachbarschaft. Sie kritisieren zudem die ihrer Meinung nach "extrem geheim gehaltene" Planung der Unterkunft, für die keine Arbeitsgenehmigung oder eine Einschätzung ihrer Umweltverträglichkeit vorliege. Hier konnten sie zuletzt einen Erfolg erzielen: Seit dem 8. Februar ruht in dem Hotel vorerst die Arbeit, bis alle nötigen Genehmigungen vorhanden sind.

Blick auf den One57-Tower in der "Billionaires Road"
imago/Levine-Roberts

Blick auf den One57-Tower in der "Billionaires Road"

Doch die wohlhabenden Bewohner des Viertels machen sich offenbar noch in anderer Hinsicht Sorgen um ihre potenziell neuen Nachbarn. Die Obdachlosen könnten sich das Leben im Viertel, wo ein Hamburger 20 Dollar koste, doch gar nicht leisten, sagte eine Anwältin gegenüber AP. Sie befürchte, dass die Männer dort schlussendlich scheitern werden, während sich der Betreiber der Einrichtung die Taschen vollstopfe. Solche Argumente erinnern an den Streit um eine Flüchtlingsunterkunft im Hamburger Nobelviertel Harvestehude.

Unterstützung erhalten die Protestler etwa von der "New York Post", deren Immobilienkolumnist großes Verständnis für die Sicherheitsbedenken äußerte. Steve Cuozzo garnierte seinen Kommentar mit einer harschen Kritik an Bürgermeister Bill de Blasio: Die Unterstützer des Demokraten hätten eine diebische Freude daran, "wenn sich Mittel- und Oberschichtsangehörige winden".

Die Milliardäre aus dem One57-Wohnturms haben sich bislang nicht zum Projekt geäußert. Ein Türsteher sagte allerdings dem "Guardian", er sei sicher, "dass unsere Bewohner nicht erfreut sein werden".



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