Geld für Gesundheit statt für Brüssel Farage distanziert sich von Millionenversprechen

350 Millionen Pfund für die Gesundheit, statt Geld nach Brüssel zu schicken - damit lockten Brexit-Befürworter die Wähler. Jetzt aber bezeichnet Rechtspopulist Nigel Farage das als "Fehler".

Ukip-Politiker Farage
AFP

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Der schnelle Überblick
    Das ist passiert:
  • • 51,9 Prozent der britischen Wähler haben für den Austritt des Landes aus der Europäischen Union gestimmt. Die Wahlbeteiligung lag bei mehr als 70 Prozent.

  • • Premier David Cameron hat seinen Rücktritt für Oktober angekündigt.

  • • Politiker aus Schottland und Nordirland wollen in der EU bleiben.

  • • Das Pfund verliert dramatisch an Wert, Aktienkurse weltweit stürzten ab.

• Rechtspopulisten in ganz Europa freuen sich und fordern nun ebenfalls Volksabstimmungen über die EU.

Es war eines der zentralen Versprechen der Brexit-Befürworter: 350 Millionen Pfund sollten künftig jede Woche in die Gesundheitsversorgung der Briten fließen, statt an die Europäische Union nach Brüssel. Wenige Stunden nachdem das Votum der Briten pro EU-Austritt feststand, distanzierte sich einer der bekanntesten Brexit-Befürworter jedoch von der Zusage.

In der ITV-Sendung "Good Morning Britain" sagte der Ukip-Politiker Nigel Farage, er könne nicht garantieren, dass, wie von den Brexit-Befürwortern angekündigt, 350 Millionen Pfund pro Woche nun an das Gesundheitssystem NHS gingen.

"Das war einer der Fehler, die die 'Leave'-Kampagne gemacht hat", sagte Farage am Freitag - und betonte zugleich, dass er selbst nicht damit geworben hatte. Er sei von der Kampagne ausgeschlossen worden und er habe "wie immer mein eigenes Ding gemacht" Farage hatte sich seit Jahren für einen EU-Austritts Großbritanniens eingesetzt.

Im Netz kritisierten zahlreiche Nutzer den Rückzieher von Farage. Viele verbreiteten ein Foto des Wahlkampfbusses des ehemaligen Londoner Bürgermeisters und Brexit-Befürworters Boris Johnson. "Wir zahlen jede Woche 350 Millionen Pfund an die EU - lasst uns stattdessen das NHS finanzieren", stand darauf. Damit wurde auch in Werbevideos und auf Broschüren geworben.

Was Farage nicht sagte, aber nicht ganz unerheblich ist: Die britische Regierung überweist keineswegs jede Woche 350 Millionen Pfund nach Brüssel. Dank des Sonderstatus, den Margaret Thatcher 1984 aushandelte, reduziert sich die wöchentliche Zahlung der Briten auf 250 Millionen Pfund. Zieht man dann noch die Milliarden ab, die jährlich von der EU auf die Insel fließen, bleiben noch 110 Millionen Pfund, die Großbritannien netto pro Woche zahlt.

Videokommentar: "Jetzt muss die EU erst recht zusammenstehen"

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insgesamt 238 Beiträge
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Seite 1
kugelsicher, 24.06.2016
1.
Überrascht es wirklich noch jemanden, von den Rechts-Populisten angeschwindelt zu werden?!
scooby11568 24.06.2016
2. Und schon geht es los...
Lügen haben kurze Beine.
mimas101 24.06.2016
3. tststs
Was ist denn auf der Insel für ein Tollhaus ausgebrochen? Jetzt entlarven sich die Politiker, die unbedingt weg aus der EWG wollen, selbst als die größten Lügner. Aber Hautsache, man hat mit der Masche "leere Versprechen" die notwendigen Prozente ergattert. Bin mal gespannt ob das nicht noch zu landesweiten Unruhen führen wird.
stuff 24.06.2016
4. Nein, so etwas aber auch...
ein rechtsextremer Politiker, der lügt? Die armen Briten werden in nächster Zeit noch viel mehr und viel unangenehmere Überraschungen erleben. Das tut mir herzlich leid.
gandhiforever 24.06.2016
5. Soso
"Politiker aus Schottland und Nordirland wollen in der EU bleiben". Was, gibt es Einzelmitgliedschaften in der EU? GB hat fuer den Austritt gestimmt, damit treten auch Schotten und Iren (Nord-) aus, unabhaengig vom ihrem Willen. Wenn sie ihren Willen verwirklichen wollen, muessen sie ihren Landesteil von Grossbritannien loesen. Dann koennen sie um Aufnahme in die EU nachsuchen.
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