Illegale Exporte Autos, vollgestopft mit Elektroschrott

Der Schrott kommt im Gebrauchtwagen: Bis obenhin vollgepackt mit alten Elektrogeräten, werden Autos nach Nigeria verschifft. Jährlich gelangen so Tausende Tonnen illegal in das Land.

UNU & BCCC-Africa

Eigentlich dürfen aus Europa nur funktionierende technische Geräte zum Weiterverkauf nach Nigeria exportiert werden. Trotzdem wird unbrauchbarer Elektroschrott in Massen in das Land geschifft. Dabei verstecken die Versender den Müll in leeren Autos und zwischen Fahrrädern.

Zu diesem Ergebnis kommt eine sechzehnmonatige Studie, die unter anderem vom Basler Koordinationszentrum für Afrika (BCCC Afrika) und dem Programm für nachhaltige Kreisläufe der Universität der Vereinten Nationen (UNU) in Bonn mitverfasst wurde.

In den Jahren 2015 und 2016 sind demnach jährlich gebrauchte elektrische Geräte im Gesamtgewicht von rund 60.000 Tonnen nach Nigeria eingeführt worden. Davon waren mindestens 15.400 Tonnen Schrott. Die Geräte verschiffen die Versender unter anderem in Gebrauchtwagen, die in dem Land weiterverkauft werden sollen. Drei Viertel der Exporte stammen laut Studie aus europäischen Häfen, hauptsächlich in Deutschland und Großbritannien.

Gebrauchte Fernseher machen den Hauptteil aus

Laut dem sogenannten Basler Übereinkommen zur grenzüberschreitenden Abfallverbringung und einer entsprechenden EU-Richtlinie ist der Export von Elektroschrott in Länder untersagt, die schlechtere Wiederverwertungsmethoden besitzen als das eigene Land. Demzufolge dürfte eigentlich kein E-Müll aus Europa nach Nigeria verschickt werden.

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Studie: So kommt der Elektroschrott nach Nigeria

Trotzdem landen jährlich Tausende Tonnen Schrott in dem Land. Den Hauptanteil der eingeführten Second-Hand-Elektrogeräte machen nach Gewicht mit 18 Prozent Flachbildfernseher und -monitore aus. Davon seien mehr als die Hälfte als Schrott anzusehen. Der Import von Röhrenmonitoren ist in dem Land ganz verboten. Sie bilden mit 14 Prozent die zweitgrößte Kategorie. Es folgen Fotokopierer mit 13 Prozent, Kühlschränke mit zwölf Prozent, Desktop-Rechner mit sieben Prozent, Klimaanlagen, Lautsprecher und Waschmaschinen mit je sechs Prozent, Drucker mit fünf und DVDs mit vier Prozent.

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Alte Elektrogeräte enthalten oft gefährliche Stoffe wie giftige Chemikalien. Für die Importeure, die fast alle aus Nigeria stammen, ist es laut dem Mitautor der Studie, Olusegun Odeyingbo von der UNU, zwar lukrativer, funktionierende Elektrogeräte ganz oder in Teilen weiterzuverkaufen, als Elektroschrott zu recyceln. Trotzdem würden auch die defekten Geräte zu Geld gemacht. Sie werden repariert oder auf inoffiziellen Schrottplätzen auseinandergenommen und die Metalle weiterverkauft. Das geschehe meist ohne die benötigte Sicherheitsausstattung.

Von den gebrauchten Elektrogeräten, die jährlich im Hafen von Lagos anlanden, würden 70 Prozent in Fahrzeugen für den Gebrauchtwagenmarkt transportiert. Die restlichen 30 Prozent würden in Containern eingeführt. Die eingeführte Menge Elektroschrott würde der Untersuchung zufolge ausreichen, um eine zehn Kilometer lange Schlange von 36-Tonnen-Lkw zu füllen.

Geräte oft nicht deklariert

"Der Import der Geräte in Fahrzeugen ist für die Versender wirtschaftlich, weil es wertvollen Platz während des Transports nutzt", sagt Percy Onianwa, Direktor der BCCC Afrika.

Von den per Container verschifften Elektrogeräten seien mehr als 60 Prozent den Papieren zufolge als Haushaltsgegenstände oder Gegenstände zum persönlichen Gebrauch deklariert. Die in den Gebrauchtwagen transportierten Geräte wurden demnach größtenteils gar nicht angegeben.

Aufkommen von Elektroschrott und Sammelquote 2016

Kategorie Afrika Nord- und Südamerika Asien Europa Ozeanien
Zahl der Länder 53 35 49 40 13
Bevölkerung (in Mio.) 1174 977 4364 738 39
Elektroschrott (Kilo/Einwohner) 1,9 11,6 4,2 16,6 17,3
Elektroschrott insgesamt (in Mio. Tonnen) 2,2 11,3 18,2 12,3 0,7
Sammelquote (in Prozent) 0 17 15 35 6

Quelle: UNU - E-waste Monitor 2017

Besonders ohne Container verschiffte Fahrzeuge würden nicht auf Elektrogeräte überprüft, sagt Onianwa. "Dadurch werden Inspektionen und Funktionstest durch die Behörden verhindert, was zur tonnen weisen Einfuhr von illegalem Elektroschrott nach Nigeria führt."

Die Verfasser der Studie folgern, dass die Vorschriften in den Exportländern, vor allem in der EU, schärfer durchgesetzt werden müssten. So hatte Deutschland 2015 entschieden, dass alle gebrauchten Produkte vor der Ausfuhr geprüft werden müssen.

Rüdiger Kühr, Direktor des Programms für nachhaltige Kreisläufe an der UNU, sagte: "Die nächsten Schritte sollten sein, Zertifikate über Funktionstests obligatorisch für den Transport von gebrauchten elektronischen Geräten zu machen". Zudem fordert er standardisierte Funktionstests, die von den im- und exportierenden Ländern akzeptiert würden.

Video: Wohlstandsmüll für die Dritte Welt

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brt

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bluebill 18.04.2018
1. Wo kommt das her?
Irgendwo müssen diese Massen an Elektroschrott ja gesammelt worden sein. Doch womöglich nicht hier, im supersauberen Mülltrennungs-Musterland Deutschland? - So etwas kommt davon, wenn man es zu kompliziert macht mit Vorschriften und Gesetzen. Man versucht die Menschen zu zwingen, einen absurden Aufwand zu treiben. Abfall nach schwer durchschaubaren Kriterien zu sortieren, zu entsorgen, hier- und dorthin zu bringen. Wobei man ihnen sogar Strafen androht, wenn sie mal was falsch machen. - Als Folge schmeißen einige das Zeug entweder in den Wald oder stopfen es eben in die Altautos, die nach Afrika gehen.
DerNachfrager 18.04.2018
2. Wenn Elektroschrott aus Nigeria illegal nach Deutschland käme...
....wäre dann Nigeria schuld ? Nein. Die Umwelt in Afrika kann nur geschützt werden wenn die Afrikaner selber verstehen dass das IHR Kontinent und ihre Verantwortung ist. Alles andere ist Neokolonialismus.
Onkel Drops 18.04.2018
3. woher kommen die Geräte?
wenn wir doch eine Recycling Gesellschaft sind? der gelbe Sack ist auch nur Entweder Müll Verschiebung oder teilweise sogar Verbrennung. alles unter dem Motto wir müssen die Natur schonen oder auch nicht! Altreifen mit zuwenig Profil landen auch gern in Afrika, die mit Löchern entsorgt man dann als Heizmaterial im Betonwerk in Deutschland. sauber ist das alles nur auf den öffentlichen Papieren !!! vermieden wird garnix, schließlich schifft man es bis Asien und schwupps wird aus alten Limoflaschen ein Pullover, Bauplanen oder man wickelt es zu Gartenmöbeln um. die werden dann wieder nach Deutschland gebracht und das ist dann Recycling. ultra sauber und natürlich ohne dabei den Schiffsdiesel zu bedenken. und alle 2 Jahre ist das Handy/Konsole/TV veraltet und es muss was neues sein. wir sind schlimmer geworden und reden uns nur ein sauberer zu sein. man sortiert und recycelt ja
signaturen 18.04.2018
4. Dafür brauchte es keine Studie
Das ist eine Methode die seit gut 30 Jahren funktioniert und über die jeder afrikanisch oder libanesisch gebürtige Gebrauchtwagenhändler was zu erzählen hätte. Auch die Einfuhr von Schrottfahrzeugen ist in fast alle afrikanischen Länder untersagt. So werden dann Minibusse (Typ Serena u.ä.) als Rollcontainer klariert. Sie werden mit E-Geräten beladen, in die Hohlräume der Geräte werden vor allem volle Bierdosen gestopft. In eine Waschmaschine geht einiges rein.. Dann wird auf der Fahrerseite das Fenster runtergekurbelt und blockiert, das Lenkradschloß außer Funktion gesetzt und alle Türen werden verschweißt. Durch das geöffnete Fenster bleibt dieser "Container" roll und lenkbar und kann problemlos eingeführt werden..
garfield53 18.04.2018
5. mmm
Und wer macht billigend die Augen zu, die Behörden in Europa, welche diese "Sondermülltransporte", augenscheinlich blind, ahnungslos und/ oder, mit "gefüllter" Hand durchwinken? Eine bessere "Versenkung" von Sonder-, Elektro- und wahrscheinlich hochtoxischen Wohlstandmüll aus Europa, ins von uns wirtschaftlich abhängige Afrika hat doch Tradition. Unsere Lebensmittelmultis haben doch auch flächendeckend die afrikanische Landwirtschaft mit unseren hochsubventionierten "Schlachtabfällen" kaputt gemacht. Dafür werden hochtoxisch Schnittblumen mit gigantischen Wasseraufwand von europäischen Konzernen vor Ort gezüchtet und die Dürre und der Durst nimmt zu. Da fällt doch der Wohlstandsschrott und die " sauberen" Diesel gar nicht mehr auf und die Konzerne, welche das Zeug hier "sammeln", wohl kaum gerecht aufkaufen, in vielen Fällen sogar doppelt Knete mit dem Grünen Punkt machen, scheffeln Millionen. Da sehen natürlich die staatlichen Stellen geflissendlich darüber hinweg. Deutscher Giftmüll unter Palmen, ein idyllisches Bild. Wieso heute, 2018, irgend ein Journalist so plötzlich sein Gewissen entdeckt haben sollte, entzieht sich meiner Logik, da das "Problem" schon in abendfüllenden Filmen und Dokus verramscht wurde, ohne irgend welche Folgen, nicht mal hohle Worte aus der oliv-grünen Ecke. Oder ist schon "Sauregurkenzeit", weil die gefakten Gründe für die westliche Aggression im Nahen Osten auf verdammt wackeligen Füssen steht und vermeintliche Umweltsünden und natürlich von schwarzen Kleinkriminellen organisiert, sich so schön medial "verwursten" lässt, ohne das irgend einer mit seinen Finger auf uns zeigt TOLL!?
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