Verfahren in Den Haag: Bauern verklagen Shell wegen Ölpest in Nigeria

Nigerianische Bauern machen Shell für die Öl-Verschmutzung in ihrem Land verantwortlich - und verklagen den Konzern. Das Unternehmen soll durch mangelhafte Wartung der Leitungen und daraus resultierenden Öllecks die Existenzgrundlage der Bauern und Fischer im Nigerdelta zerstört haben.

Öl-Verschmutzung in Nigerdelta: Bauern machen Shell verantwortlich Zur Großansicht
AFP

Öl-Verschmutzung in Nigerdelta: Bauern machen Shell verantwortlich

Den Haag - Vier nigerianische Bauern verklagen den Öl-Konzern Shell Chart zeigen. Channa Samkalden, die Anwältin der Kläger, sagte vor dem Zivilgericht in Den Haag, dass Shell für die Verseuchung von Boden und Grundwasser in Nigeria verantwortlich sei. Der Konzern bestreitet die Vorwürfe und macht Sabotage für die Probleme verantwortlich.

"Shell hat die Leitungen nicht gut gewartet und die Schäden nicht beseitigt", sagte Samkalden. Damit sei das Unternehmen seinen gesetzlichen Pflichten nicht nachgekommen. Seit 2005 würden Grundwasser und Boden im Nigerdelta durch Öllecks verseucht. Dabei seien Millionen Barrel Öl ausgeströmt. Die Bauern und Fischer im Nigerdelta hätten dadurch ihre Existenzgrundlage verloren, so die Anwältin.

"Unser Trinkwasser ist verseucht, unser Fisch ist verseucht, und unsere Luft ist verseucht," sagte Eric Dooh, einer der Bauern, am Rande des Prozesses: "Ich erwarte Gerechtigkeit." Die Kläger fordern neben Schadensersatz zudem, dass der Ölkonzern entstandene Umweltschäden beseitigt, die Pipelines zu repariert und künftig besser instandhält.

Dem Gericht legten die Kläger Fotos, Videos und Studien vor. "Shell gibt selbst in einer eigenen Studie zu, dass die Leitungen nicht gut gewartet waren," sagte der Sprecher der Umweltschutzorganisation Milieudefensie, Geert Ritsema. Sie seien total verrottet. Milieudefensie hatte die Klage gemeinsam mit den Bauern angestrengt.

Shell drohen bei Verurteilung weitere Klagen in Milliardenhöhe

Shell wehrte sich gegen die Vorwürfe und gab an, dass die Schäden nach den ersten Lecks beseitigt worden seien. Für die Umweltschäden seien lokale Saboteure verantwortlich. Außerdem würden kriminelle Gruppen Löcher in die Rohre schlagen, um Öl zu stehlen - laut des Konzern täglich mindestens 150.000 Barrel Öl. Zuvor hatte Shell vergeblich angeführt, dass die niederländische Justiz nicht für den Fall zuständig sei.

Es ist das erste Mal, dass sich ein niederländischer Konzern in der Heimat für Umweltvergehen im Ausland vor Gericht verantworten muss. Sollte es zu einer Verurteilung kommen, könnte dies nach Ansicht von Juristen zu weiteren internationalen Schadensersatzforderungen in Milliardenhöhe führen. Ein Urteil des Gerichts in Den Haag wird zum Jahresende oder zu Beginn des kommenden Jahres erwartet.

Die Bauern hatten die Klage bereits 2008 eingereicht, ein Jahr später erklärte sich das Gericht in Den Haag, wo Shell auch seinen Firmensitz hat, für den Fall zuständig. Das Unternehmen hatte angeführt, dass ein Subunternehmen in Nigeria allein für die Umweltverschmutzung verantwortlich sei. Umweltschützer werfen Shell vor, der Konzern nehme den Umweltschutz in Nigeria weniger ernst als in Europa oder in den USA.

Nach Angaben der Organisation Friends of the Earth ist die Öl-Verschmutzung in Nigeria doppelt schlimm wie im Golf von Mexiko 2010, als bei der Havarie der BP-Plattform Deepwater Horizon rund fünf Millionen Barrel Öl ins Meer flossen.

max/dpa/AFP

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 2 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
brutus_beefcake 11.10.2012
Zitat von sysopAFPNigerianische Bauern machen Shell für die Öl-Verschmutzung in ihrem Land verantwortlich - und verklagen den Konzern. Das Unternehmen soll durch mangelhafte Wartung der Leitungen und daraus resultierenden Öllecks die Existenzgrundlage der Bauern und Fischer im Nigerdelta zerstört haben. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/nigeria-vier-bauern-verklagen-shell-wegen-oelpest-a-860850.html
Das ist ja nur die Spitze des Eisberges, aber wohl leichter zu Beweisen als die Umweltschäden, die durch das abfackeln von Beigas entstehen. Einen sehr aufschlussreichen Bericht konnte man bei Arte sehen, in dem das Ausmaß der Umweltzerstörung durch den giftigen Fallout der verbrannten Gasrückstände beschrieben wurde. Das 2010 weltweit etwa 130 Millionen Kubikmeter Gas abgefackelt wurden, wird nirgendwo thematisiert. Das CO2 das dabei entstanden ist, entspricht etwa dem ausstoss von 100 Millionen Autos, aber Hauptsache wir müssen E10 tanken um das Klima zu retten.
2. Nun können
ovide09 12.10.2012
die Niederlande unter Beweis stellen, dass sie dem Anspruch des Standorts des Gerichtshofes für Menschenrechte auch bei Anklagen gegen eigene Interessen mit Würde und Fairness entsprechen können.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Staat & Soziales
RSS
alles zum Thema Shell
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 2 Kommentare

Fotostrecke
Schwarzes Gold: Ölförderung rund um den Globus

Fotostrecke
Tiefsee: Globale Förderquellen