Noch mal zehn Milliarden Euro: HRE braucht erneut Geld

Die Euro-Krise trifft auch die Hypo Real Estate: Das angeschlagene Institut benötigt weitere Garantien von zehn Milliarden Euro. Insgesamt hat die Bank damit schon Hilfen über 100 Milliarden Euro aus dem staatlichen Rettungsfonds erhalten.

Zentrale der HRE in München: Erneute Milliardenhilfen erforderlich Zur Großansicht
dapd

Zentrale der HRE in München: Erneute Milliardenhilfen erforderlich

Frankfurt am Main - Die jüngsten Turbulenzen an den Finanzmärkten machen weitere Hilfen für die verstaatlichte Hypo Real Estate (HRE) erforderlich. Der Bankenrettungsfonds Soffin teilte am Freitag mit, die Garantien um 10 Milliarden Euro auf insgesamt 103,5 Milliarden Euro auszuweiten.

Bei der zusätzlichen Summe handele es sich um Garantien, die der HRE bereits im vergangenen Jahr als Puffer zur Verfügung gestanden haben. Sie seien aber wegen der verbesserten Situation an den Finanzmärkten nicht in Anspruch genommen worden. Nun sei die Lage anders: "Wir ergreifen diese Maßnahme aufgrund der aktuellen Marktbewegungen, um die laufende Restrukturierung der HRE unter keinen Umständen zu gefährden", sagte Soffin-Sprecher Hannes Rehm.

Ein Scheitern hätte massive Folgen für die deutsche Wirtschaft. "Halbe Sachen werden wir uns nicht leisten und den Bürgern nicht zumuten", sagte Rehm. Das Münchner Geldinstitut hatte im vergangenen Jahr ein Defizit von 2,24 Milliarden Euro gemacht. Die Verluste waren immerhin um 59,1 Prozent geringer als das Nettorergebnis 2008.

Die weltweite Finanzkrise hatte die HRE im Herbst 2008 an den Rand des Abgrunds gebracht. Sie konnte nur durch Milliardenhilfen des Bundes und zum Teil aus der Bankenbranche vor dem Aus bewahrt werden. Eine Pleite wollte die Bundesregierung vermeiden: Die Bank gilt als systemrelevant, könnte bei einem Zusammenbruch also weitere Banken und unter Umständen sogar ganze Staaten mit in den Abgrund ziehen.

Der Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (Soffin) gewährte der gesamten Bankenbranche bislang Garantien von 144,4 Milliarden Euro. Der Löwenanteil davon kam der HRE zugute. Zudem verteilte der Fonds 28 Milliarden Euro direkter Kapitalspritzen an vier Institute: Commerzbank (18,2 Milliarden Euro), HRE (6,3), WestLB (3,0) und Aareal Bank (0,5).

lgr/AFP/apn/dpa

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 74 Beiträge
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1. HRE-Verbrecher
weissich 28.05.2010
Und dann will dieser Vorstandsverbrecher noch Millionenabfindung dafür kassieren. Verbrecher!
2. <->
silenced 28.05.2010
Eins scheint sicher, Unwort des Jahres wird 'systemrelevant'. Irgendwie weiss man schon gar nicht mehr, was man zu dem ganen Unfug noch schreiben soll.
3. Peanuts
doc 123 28.05.2010
Zitat von sysopDie Euro-Krise trifft auch die Hypo Real Estate: Das angeschlagene Institut benötigt weitere Garantien von zehn Milliarden Euro. Insgesamt hat die Bank damit schon Hilfen über 100 Milliarden Euro aus dem staatlichen Rettungsfonds erhalten. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,697430,00.html
Wieso erspart man sich eigentlich nicht so langsam derartig lächerliche Meldung bez. Peanuts über verbrannte Bankmilliarden. Kam eben als Merkelwitz auf BR: "eine Milliarde sind 1000 Millionen, ja wenn ich das gewusst hätte..."
4. Für einen titelfreies SpOn-Forum.
Rainer Helmbrecht 28.05.2010
Zitat von weissichUnd dann will dieser Vorstandsverbrecher noch Millionenabfindung dafür kassieren. Verbrecher!
Ich höre gerade in den Nachrichten, dass der Schäuble in den nächsten Jahren 10 Milliarden/Jahr sparen will, um die Staatsverschuldung von 1700 Milliarden abzubauen. Zahl Deutsch Englisch Physik 1.000 Tausend thousand Kilo 1.000.000 Million million Mega 1.000.000.000 Milliarde billion Giga 1.000.000.000.000 Billion trillion Tera Bildungskrise auf der ganzen Linie. MfG. Rainer
5. Das trifft sich doch gut
Ernst August 28.05.2010
Zitat von sysopDie Euro-Krise trifft auch die Hypo Real Estate: Das angeschlagene Institut benötigt weitere Garantien von zehn Milliarden Euro. Insgesamt hat die Bank damit schon Hilfen über 100 Milliarden Euro aus dem staatlichen Rettungsfonds erhalten. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,697430,00.html
Da passt es doch hut wenn man, wie wohl längst beschlossen, die weiteren 10 Milliarden den faulen Rentnern und Hartzern wegnimmt damit die Banker nicht an Solimangel zugrunde gehen und noch bei Aldi in der Schlange enden müssen.
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Immobilienbank in Not
Die Hypo Real Estate
Die Hypo Real Estate ist ein vergleichsweise junges Unternehmen. Sie ist erst im Jahr 2003 entstanden, als die HypoVereinsbank ihr gewerbliches Immobilienfinanzierungsgeschäft abgespaltet hat. Im Oktober 2003 ging die Hypo Real Estate an die Börse und schaffte es dort gut zwei Jahre später in den Dax. Später stieg das Unternehmen zunächst in den MDax ab, seit der Verstaatlichung ist es an der Börse nicht mehr notiert.
Die Finanzkrise
Von sich reden machte die Hypo Real Estate, als sie die in Irland angesiedelte Depfa Bank für 5,7 Milliarden Euro schluckte. Durch die Übernahme wollten die Münchner Zugang zu staatlichen Projekten bekommen, auf welche die Depfa weltweit spezialisiert ist. Im Visier waren unter anderem die Finanzierung großer Projekte wie Bürogebäude, Flughäfen, Brücken oder Kliniken. Angesichts klammer Kassen bei Bund, Ländern und Gemeinden galt dies als vielversprechendes Geschäftsmodell.
Dann ging es mit dem Unternehmen jedoch steil bergab: Im Jahr 2008 fiel der Vorsteuergewinn wegen der Finanzkrise und der Übernahme der Depfa von 1,06 Milliarden Euro auf 862 Millionen Euro. Unterm Strich ging das Ergebnis von 542 auf 457 Millionen Euro zurück.
Auch der Aktienkurs litt unter den Problemen. Nach gut 57 Euro im Jahr 2006 sackte das Papier auf nur noch knapp 13,50 Euro ab. Den vermeintlich günstigen Kurs nutzte der US-Investor Christopher Flowers und stieg bei der Hypo Real Estate ein. Zuletzt hielt er gut 24 Prozent an der HRE.
Die Verstaatlichung
In den Jahren 2008 und 2009 wurde die HRE zu dem Symbol für die Finanzkrise in Deutschland. Der Immobilienfinanzierer musste mit Hilfen von mehr als 100 Milliarden Euro gerettet worden, die großteils vom Staat kamen. Begründet wurde dies damit, dass die HRE eine systemrelevante Bank sei - ihr Untergang hätte also andere Finanzinstitute und damit womöglich die gesamte Volkswirtschaft mit nach unten gerissen. Aus diesem Grund betrieb der Bund über seinen Bankenrettungsfonds Soffin die Verstaatlichung der HRE. Im Jahr 2009 wurde tatsächlich der letzte private Aktionär aus dem Unternehmen gedrängt, seitdem ist der Soffin der Alleinaktionär der HRE.

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