Kiel/Brunsbüttel - Die Meldungen erinnern an den Berliner Flughafen oder den Bahnhof Stuttgart 21: Wieder einmal wird ein großes Verkehrsprojekt teurer als geplant, wieder einmal wird es länger dauern und wieder einmal wird darüber heftig gestritten. Es geht um den Ausbau des Nord-Ostsee-Kanals, der meistbefahrenen künstlichen Wasserstraße der Welt. Das Bauprojekt wird 60 Millionen Euro teurer als geplant und dauert zudem mindestens zwei Jahre länger als zuletzt angekündigt - das hat das Bundesverkehrsministerium übereinstimmenden Medienberichten zufolge bestätigt.
Mit dem Ausbau sollte ein schon lange bestehendes Grundproblem gelöst werden: Der Kanal, der von Brunsbüttel nach Kiel auf einer Strecke von rund hundert Kilometern die Nordsee mit der Ostsee verbindet, ist in die Jahre gekommen. Vor allem die Schleusen sind häufig defekt und müssen saniert werden, immerhin sind sie seit 1914 in Betrieb. Schleswig-Holstein fordert vom Bund ein Sonderprogramm in Höhe von 1,25 Milliarden Euro, der zuständige Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) in Berlin aber zögert.
Die Nachricht jetzt ist eine neue Hiobsbotschaft in dem lange schwelenden Konflikt. Jetzt, so heißt es, soll die neue Schleuse in Brunsbüttel 360 Millionen kosten, statt der geplanten 300 Millionen Euro - immerhin 20 Prozent mehr. Zudem soll das wichtige Wasserstraßen-Bauwerk erst 2020 und nicht wie zuletzt angekündigt 2018 fertig werden. Baubeginn soll im nächsten Jahr sein. Ursprünglich hätte die fünfte Brunsbütteler Schleuse sogar schon 2014 fertig sein sollen.
Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) kritisierte die Verzögerung: "Ich sage noch einmal sehr deutlich: Das wichtigste Wasserstraßenprojekt in Deutschland ist der Nord-Ostsee-Kanal. Und da muss auch ein bayerischer Verkehrsminister sehen, dass das Geld hierher gehört nach Schleswig-Holstein", sagte Meyer dem Radiosender "NDR 1 Welle Nord". Der Minister hatte den Bund bereits aufgefordert, für die Wasserstraße pro Jahr ein Prozent des Bundes-Verkehrsetats bereitzustellen.
Der Kanal hat im vorigen Jahr sein Rekordergebnis von 2008 nur knapp verfehlt. Fast 35.000 Schiffe mit einer Ladung von 104 Millionen Tonnen passierten 2012 die Wasserstraße zwischen Kiel und Brunsbüttel. Damit nahm die Zahl der Schiffe zum Vorjahr um vier Prozent zu, bei der Ladung wurde sogar eine Steigerung um sechs Prozent verbucht.
nck/dpa
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