Streit um Nord Stream 2 Russland untergräbt Versprechen an Kanzlerin Merkel

Der russische Präsident Putin hatte Kanzlerin Merkel zugesagt, dass weiter Gas durch die Ukraine transportiert wird, wenn die Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 in Betrieb geht. Der Energieminister sät daran Zweifel.

Russlands Energieminister Alexander Nowak (Archivbild)
DPA

Russlands Energieminister Alexander Nowak (Archivbild)


Russlands Energieminister Alexander Nowak bezweifelt, dass sich der Transport von russischem Gas durch ukrainische Pipelines künftig noch lohnt. "Der Transit durch die Ukraine ist bisher am teuersten, nämlich bis zu zweieinhalb Mal teurer als über andere Strecken", sagte Nowak der russischen Online-Zeitung Gazeta.ru.

Hintergrund der Äußerung sind Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine über eine Verlängerung des ukrainischen Transitabkommens für russisches Gas und der Streit um Nord Stream 2. Russlands Präsident Wladimir Putin hatte Bundeskanzlerin Merkel zugesagt, dass weiter Gas durch die Ukraine fließen werde. Merkel hatte das als Argument genutzt, um den Bau der umstrittenen Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 zu verteidigen.

Die Ukraine befürchtet wirtschaftliche Einbußen, sollte sie durch Nord Stream 2 ihren Status als Transitland verlieren. Bislang verdient sie pro Jahr mehr als zwei Milliarden Dollar Transitgebühren.

Nowak kritisiert veraltete Pipelines der Ukraine

Energieminister Nowak kritisierte gegenüber der Zeitung, dass die Ukraine beim Gastransit mit veralteten Pipeline-Systemen arbeite. Das führe zu hohen Verlusten beim Gastransport und verursache hohe Betriebskosten. Nord Stream 2 hingegen basiere "auf den neuesten Technologien".

Nord Stream 2 ist bereits zu weiten Teilen gebaut und soll Ende 2019 in Betrieb gehen. Die etwa 1200 Kilometer lange Leitung durch die Ostsee soll dann jährlich bis zu 55 Milliarden Kubikmeter Erdgas aus Russland nach Deutschland transportieren. Etliche EU-Staaten und die USA lehnen das Projekt ab, sie warnen vor einer wachsenden Abhängigkeit Deutschlands von Russland. Zuletzt hatte der Streit auch die deutsch-französischen Beziehungen belastet.

Nowak sagte der Zeitung, die USA würden über ihre Botschafter in europäischen Staaten Druck ausüben "und andere Länder in verschiedene Richtungen erpressen, einschließlich der Bereitstellung von Hilfe". US-Präsident Donald Trump will das Geschäft mit verflüssigtem Gas - das mit Tankern über die Ozeane transportiert werden kann - ausbauen und sieht Europa als Wachstumsmarkt.

Putin hatte sein Zugeständnis an Merkel bereits an die Bedingung geknüpft, dass sich der Gastransit für Russland wirtschaftlich lohnen müsse. Das aktuelle Transitabkommen zwischen Moskau und Kiew läuft Anfang 2020 aus. Brüssel versucht, in den Verhandlungen zu vermitteln.

Mehr zum Pipeline-Streit

kko

TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.