Nord Stream 2 USA drohen mit Sanktionen

Die USA erhöhen den Druck im Streit um die Gaspipeline Nord Stream 2. Offiziell setzen sie auf Diplomatie - indirekt drohen sie mit Sanktionen.

Bauarbeiten an der Nord Stream Ostseepipeline
DPA

Bauarbeiten an der Nord Stream Ostseepipeline


Die USA wollen die geplante Ostsee-Gaspipeline Nord Stream 2 von Russland nach Deutschland verhindern. Die Ferngasleitung sei schlecht für die Ukraine und schlecht für Europa, sagte Sandra Oudkirk, stellvertretende Leiterin der Energie-Abteilung im US-Außenministerium, in Berlin.

Sie schloss Sanktionen gegen Nord Stream 2 nicht aus. Oudkirk verwies darauf, dass die Voraussetzungen dafür im vergangenen Jahr in den USA geschaffen worden seien. Man setze aber auf diplomatische Überzeugungskraft, sagte sie. "Wir würden uns freuen, wenn das Projekt nicht zustande kommt."

Nord Stream 2 soll russisches Erdgas über die Ostsee nach Mittel- und Westeuropa transportieren und könnte so den Weg durch Länder wie die Ukraine ersetzen. Die Ukraine fürchtet, damit ihre Bedeutung als Transitland zu verlieren. Die Einnahmen aus dem Gasgeschäft sind wichtig für das Land.

USA s keptisch über Einigung im Gasstreit

Oudkirk äußerte sich auch skeptisch zur möglichen Einigung Russlands mit der Ukraine zur Zukunft des ukrainischen Gastransits unter Vermittlung Deutschlands. Demnach könnte Russland der Ukraine eine bestimmte Menge Transitgas nach dem Bau von Nord Stream 2 garantieren. Es sei fraglich, ob eine solche Garantie durchsetzbar wäre, sagte Oudkirk.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hatte als Vermittler bei Gesprächen in Moskau und Kiew Anfang der Woche Fortschritte in dem Gasstreit erzielt. Ein "substanzieller" Gastransit durch die Ukraine sei auch künftig möglich, sagte Altmaier. Russland hatte es ursprünglich abgelehnt, nach dem Bau von Nord Stream 2 weiter Gas durch die ukrainischen Leitungen zu pumpen.

Merkel trifft Putin

Oudkirk sagte, der Widerstand der USA gegen Nord Stream habe vor allem energie- und geopolitische Gründe. Sie widersprach der Darstellung, die USA seien vor allem gegen die Pipeline, weil sie selber Flüssiggas in Europa verkaufen wollten. US-Präsident Donald Trump hatte Nord Stream 2 mehrfach scharf kritisiert und vor einer Abhängigkeit Europas von russischem Gas gewarnt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel trifft sich Freitag mit Russlands Präsident Wladimir Putin, wo das Thema ebenfalls eine Rolle spielen soll. In das Projekt eingebunden ist neben dem russischen Betreiber Gazprom unter anderem auch die BASF-Tochter Wintershall.

brt/dpa/Reuters

insgesamt 26 Beiträge
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jj2005 17.05.2018
1. Wir lassen uns am Nasenring durch die Manege führen
Es wird immer offensichtlicher, dass die USA keinerlei Respekt vor der EU hat: Der Pakt mit dem Iran wird gekündigt, und deutsche Unternehmen werden offen bedroht; jetzt macht die amerikanische Frackingindustrie Front gegen ein völlig normales Geschäft zwischen souveränen Staaten. Wann zeigen die EU-Staatschefs endlich Rückgrat??
noalk 17.05.2018
2. Langsam reicht's
Die USA meinen wohl, alles in der Welt kontrollieren zu können und jeden, der dabei nicht nach ihrer Pfeife tanzt, abwatschen zu können. Es wird Zeit, dass die Eu und ihre Mitgliedsstaaten in dieser Hinsicht mal erwachsen werden und die Amis gehörig in die Schranken weisen. Auch mal mit Sanktionen gegen die USA dagegenhalten.
BaMargera 17.05.2018
3. Wirtschaftsinteressen als außenpolitisches Instrument
Vor Kurzem kam auf PHOENIX eine Reportage, im Rahmen derer deutsche Journalisten US-Senatoren zum Thema Nord Stream 2 befragen durften. Zudem kursiert in der US-Verwaltung ein Schriftstück, aus dem ganz deutlich hervorgeht, dass die USA dem Absatz von russischem Gas in Europa über Nord Stream 2 so kritisch gegenüber stehen, weil sie gerne ihr eigenes verflüssigtes Fracking-Gas in Europa verkaufen möchten. Auf diese Weise machen die USA Profite, sichern US-Arbeitsplätze und entziehen gleichzeitig Russland Einnahmen. Offiziell spricht man in den USA von einer Verringerung der Abhängigkeit Europas von Russland, jedoch bin ich persönlich der Meinung, dass sich die Europäer ohne Einflussnahme aus den USA aussuchen können sollten, von wem sie ihr Gas beziehen. Selbstverständlich haben die USA nur das Wohlergehen Europas im Sinn. In diesem Zusammenhang möchte ich auch auf den SPON-Artikel vom 01.07.2017 verweisen: http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/nord-stream-wie-die-usa-gegen-die-ostseepipeline-kaempfen-a-1154901.html
dasfred 17.05.2018
4. Wenn Deutschland von Russland Gas kauft,
warum muss dann die Ukraine davon profitieren. Und was geht es die USA an. Sollen sie doch offen sagen, dass sie lieber ihr Frackinggas an uns liefern wollen, damit wir stärker von ihnen als von Russland abhängig sind. Allerdings hat da die Ukraine auch nix von. Die USA haben ja die Möglichkeit, selbst die Ukraine zu beliefern, haben aber wohl Angst vor der Zahlungsmoral. Alles was uns von den USA unabhängig macht und die Zusammenarbeit mit den östlichen Nachbarn stärkt, ist den Amis ein Dorn im Auge.
horst01 17.05.2018
5. Sie muss kommen
North Sream muss kommen, sonst droht uns die Abhängigkeit von den USA. Russland ist nah und die brauchen uns bei High Tech Gütern. Deshalb sind die gegenseitigen Abhängigkeiten in etwa Pari. Die USA hätten uns aber voll in der Hand.
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