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24. Februar 2013, 09:25 Uhr

Diktatoren-Devotionalien im Online-Shop

Nordkorea-Souvenirs mit Gruselfaktor

Von Andreas Plecko, Wall Street Journal Deutschland

Soll es ein lässiger Kapuzenpulli mit martialischem Soldaten-Motiv sein? Oder doch lieber die schicke Umhängetasche mit der pathetischen Abbildung sozialistischer Fackelträger? Nordkorea bietet allerlei Revolutionskitsch in einem amerikanischen Online-Shop feil - für gesalzene Dollar-Preise.

Wenige Monate nach dem Fall der Berliner Mauer boten gefühllose Händler auf der Prachtstraße Unter den Linden auf klapprigen Tapeziertischen allerlei Revolutionströdel des untergegangenen Staates feil: Orden, Uniformen, Anstecknadeln, die Fahnen mit Hammer, Zirkel und Ährenkranz sowie Bruchstücke des antifaschistischen Schutzwalles.

Die sozialistische Revolution auf deutschem Boden, die in einer realsozialistischen Diktatur erstarrt war, befand sich im Ausverkauf. Es scheint, dass Nordkorea aus dieser Erfahrung gelernt hat: Schlussverkauf schon vor dem Systemzusammenbruch, so lautet wohl die Geschäftsidee.

Über die Seite der staatlich unterstützten Solidaritätsaktion Korea Friendship Association gelangt der virtuelle Revolutionstourist zum "DPR Korea Shop", dem Online-Verkauf von Souvenirs aus der Demokratischen Volksrepublik Korea, wie der Staat sich offiziell nennt.

Im Angebot sind Hunderte Devotionalien im revolutionären Design: T-Shirts, Kappen, Postkarten, Tassen, Bierkrüge, Kalender, Poster, Anstecker und Dekokissen. Allerdings gibt es für den ganzen Ramsch insgesamt nur 13 Motive - die meisten davon zeigen waffenstarrende Soldaten mit heroischem Gesichtsausdruck.

Die Preise sind gesalzen, ein T-Shirt der Marke "Propaganda" kostet zum Beispiel 44,99 US-Dollar. Aber die katastrophale Mangelwirtschaft des verarmten Landes, das einen grotesken Personenkult um seine politischen Führer treibt, scheint selbst vor dem Online-Shop nicht halt zu machen: Die "Baby Bodysuits", die "Teddybears" und die "Underwear and Panties" sind derzeit nicht erhältlich.

Beim Geld hört die Feindschaft auf

Die literarischen Schreckensvisionen in George Orwells Buch "1984" sind in Nordkorea grausige Wirklichkeit geworden: Die Bevölkerung ist in drei Klassen eingeteilt, in vertrauenswürdige Genossen, in schwankende Personen und feindselige Personen. Schätzungsweise wird ein Viertel der Bevölkerung zu der Klasse der feindlich Gesinnten gerechnet.

Wegen der schlechten Ernährung sind 20-jährige Nordkoreaner durchschnittlich sechs Zentimeter kleiner als Gleichaltrige aus dem Süden. Die bemerkenswerte Stabilität des Gruselregimes in Pjöngjang erklären manche Experten damit, dass die herrschende Elite sich praktisch nur noch um einige große Städte kümmert und den Rest der Bevölkerung bewusst einem täglichen Überlebenskampf aussetzt, sodass den Menschen keine Kräfte mehr bleiben, um Protest oder Widerstand zu leisten.

Schon erstaunlich, dass es eine Nachfrage aus dem kapitalistischen Ausland nach diesen Souvenirs mit dem Gruselfaktor gibt. Noch erstaunlicher ist, dass der Verkauf der hohlen Propaganda ausgerechnet über die Plattform eines Online-Händlers aus dem Land der Erzfeinde läuft. Cafepress ist ein amerikanisches Unternehmen und hat seinen Sitz in Louisville, Kentucky.

Aber in diesem Fall gilt wohl das umgekehrte Sprichwort: "Beim Geld hört die Feindschaft auf."

Originalartikel auf Wall Street Journal Deutschland

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