Diktatoren-Devotionalien im Online-Shop Nordkorea-Souvenirs mit Gruselfaktor

Soll es ein lässiger Kapuzenpulli mit martialischem Soldaten-Motiv sein? Oder doch lieber die schicke Umhängetasche mit der pathetischen Abbildung sozialistischer Fackelträger? Nordkorea bietet allerlei Revolutionskitsch in einem amerikanischen Online-Shop feil - für gesalzene Dollar-Preise.

T-Shirt aus dem Online-Shop: Satte 44,99 Dollar
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T-Shirt aus dem Online-Shop: Satte 44,99 Dollar

Von Andreas Plecko, Wall Street Journal Deutschland


Wenige Monate nach dem Fall der Berliner Mauer boten gefühllose Händler auf der Prachtstraße Unter den Linden auf klapprigen Tapeziertischen allerlei Revolutionströdel des untergegangenen Staates feil: Orden, Uniformen, Anstecknadeln, die Fahnen mit Hammer, Zirkel und Ährenkranz sowie Bruchstücke des antifaschistischen Schutzwalles.

Die sozialistische Revolution auf deutschem Boden, die in einer realsozialistischen Diktatur erstarrt war, befand sich im Ausverkauf. Es scheint, dass Nordkorea aus dieser Erfahrung gelernt hat: Schlussverkauf schon vor dem Systemzusammenbruch, so lautet wohl die Geschäftsidee.

Über die Seite der staatlich unterstützten Solidaritätsaktion Korea Friendship Association gelangt der virtuelle Revolutionstourist zum "DPR Korea Shop", dem Online-Verkauf von Souvenirs aus der Demokratischen Volksrepublik Korea, wie der Staat sich offiziell nennt.

Dieser Artikel ist im Wall Street Journal Deutschland erschienen.
Im Angebot sind Hunderte Devotionalien im revolutionären Design: T-Shirts, Kappen, Postkarten, Tassen, Bierkrüge, Kalender, Poster, Anstecker und Dekokissen. Allerdings gibt es für den ganzen Ramsch insgesamt nur 13 Motive - die meisten davon zeigen waffenstarrende Soldaten mit heroischem Gesichtsausdruck.

Die Preise sind gesalzen, ein T-Shirt der Marke "Propaganda" kostet zum Beispiel 44,99 US-Dollar. Aber die katastrophale Mangelwirtschaft des verarmten Landes, das einen grotesken Personenkult um seine politischen Führer treibt, scheint selbst vor dem Online-Shop nicht halt zu machen: Die "Baby Bodysuits", die "Teddybears" und die "Underwear and Panties" sind derzeit nicht erhältlich.

Beim Geld hört die Feindschaft auf

Die literarischen Schreckensvisionen in George Orwells Buch "1984" sind in Nordkorea grausige Wirklichkeit geworden: Die Bevölkerung ist in drei Klassen eingeteilt, in vertrauenswürdige Genossen, in schwankende Personen und feindselige Personen. Schätzungsweise wird ein Viertel der Bevölkerung zu der Klasse der feindlich Gesinnten gerechnet.

Wegen der schlechten Ernährung sind 20-jährige Nordkoreaner durchschnittlich sechs Zentimeter kleiner als Gleichaltrige aus dem Süden. Die bemerkenswerte Stabilität des Gruselregimes in Pjöngjang erklären manche Experten damit, dass die herrschende Elite sich praktisch nur noch um einige große Städte kümmert und den Rest der Bevölkerung bewusst einem täglichen Überlebenskampf aussetzt, sodass den Menschen keine Kräfte mehr bleiben, um Protest oder Widerstand zu leisten.

Schon erstaunlich, dass es eine Nachfrage aus dem kapitalistischen Ausland nach diesen Souvenirs mit dem Gruselfaktor gibt. Noch erstaunlicher ist, dass der Verkauf der hohlen Propaganda ausgerechnet über die Plattform eines Online-Händlers aus dem Land der Erzfeinde läuft. Cafepress ist ein amerikanisches Unternehmen und hat seinen Sitz in Louisville, Kentucky.

Aber in diesem Fall gilt wohl das umgekehrte Sprichwort: "Beim Geld hört die Feindschaft auf."

Originalartikel auf Wall Street Journal Deutschland



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insgesamt 11 Beiträge
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Seite 1
Badischer Revoluzzer 24.02.2013
1. Wer dieses Geld nicht ausgeben will
aber trotzdem Nordkoreanische Mode tragen möchte, kann sich ja einen Kim-Jong-Un-Haarschnitt verpassen lassen. Der ist mit Sicherheit unverwechselbar schlecht.
batmanmk 24.02.2013
2. Zugekauft
Zitat von sysopkfashopSoll es ein lässiger Kapuzenpulli mit martialischem Soldaten-Motiv sein? Oder doch lieber die schicke Umhängetasche mit der pathetischen Abbildung sozialistischer Fackelträger? Nordkorea bietet allerlei Revolutionskitsch in einem amerikanischen Online-Shop feil - für gesalzene Dollar-Preise. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/nordkorea-verkauft-revolutionssouvenirs-in-amerikanischem-online-shop-a-885013.html
Gruselig ist eher, dass der Spiegel seine Schauderstories nicht selbst schreibt, sondern content beim WSJ-fanshop erwerben muss, der sich ja bekanntlich mit allerlei Wirtschaftssystemen (" Die Wirtschaft könnte mit nachhaltigen Technologien ewig(!) wachsen...") bestens auskennt.
brux 24.02.2013
3. --------
Die Motive kann man sich sicherlich irgendwo runterladen und selbst auf ein T-Hemd drucken. Der Anzeige aus Pjöngjang wegen Urheberrechtsverletzung kann man sicher gelassen entgegensehen.
Mart-73 24.02.2013
4.
Ein Bekannter der beim Zoll arbeitet regte sich kürzlich über diverse deutsche Modefirmen auf. Besonders dreist fand Er dabei einen Konzern welcher Funktionsjacken zum wandern und trecken für schlappe 14 ? inklusive aller Einfuhrsteuern aus Vietnam importiert. Verkauft werden diese dann zum Angebotspreis von 399 ?. Da freut sich der Verbraucher über ein Schnäppchen der besonderen Art.
quark@mailinator.com 24.02.2013
5. Fake
Die Volksrepublik Korea würde sich nicht freiwillig als Nordkorea bezeichnen und sie würde die Abbildungen auch nicht unter "Propaganda 1..14" listen. Insofern ist mir klar, daß dieser Shop nicht von der KDVR betrieben wird.
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