Sanktionen und Dürre Nordkoreas Wirtschaft soll stärksten Rückgang seit 20 Jahren verzeichnen

Sanktionen haben das Regime in Pjöngjang wohl schwer getroffen. Ausgerechnet Südkorea will mit ungewöhnlichen Methoden mehr über die Wirtschaftsdaten erfahren haben - demnach ist Nordkoreas Bruttoinlandsprodukt stark geschrumpft.

Kim Jong Un vor der Baustelle eines Wasserkraftwerks
Uncredited/KCNA via KNS/AP/dpa

Kim Jong Un vor der Baustelle eines Wasserkraftwerks


Die südkoreanische Zentralbank (BOK) spricht vom größten Rückgang seit 1997, damals traf den international isolierten Nachbarstaat eine Hungersnot: Nordkoreas Bruttoinlandsprodukt soll 2017 um 3,5 Prozent gesunken sein. Die internationalen Sanktionen wegen des umstrittenen Atomprogramms des Landes zeigen demnach offenbar Wirkung.

Die Industrieproduktion, die etwa ein Drittel der Gesamtproduktion des Landes ausmacht, ging demnach um 8,5 Prozent zurück - und verzeichnete ebenfalls den stärksten Rückgang seit 1997, als die Fabrikproduktion aufgrund der Beschränkungen von Öl- und Energieimporten zusammenbrach. Insgesamt war das BIP damals um 6,5 Prozent geschrumpft.

Grund für diese Entwicklung ist laut südkoreanischer Zentralbank der beschränkte Zugang Nordkoreas zu Öl und anderen Energieträgern. Auch die Produktion der Landwirtschaft und am Bau habe spürbar nachgelassen. "Die Sanktionen waren 2017 stärker als 2016", sagte BOK-Experte Shin Seung Cheol. "Mit dem Exportverbot für Kohle, Stahl, Fischerei und Textilprodukte ging das Außenhandelsvolumen deutlich zurück." Dazu sei auch schlechtes Wetter und eine Dürre gekommen.

Schätzungen mit Überläufern und Verkehrskontrollen

Es sei schwierig, das genaue Ausmaß der Rezession zu berechnen, aber die Exportverbote hätten die Industrieproduktion einbrechen lassen, sagte Shin. Der steile Abschwung kommt zu einer Zeit, in der Fachleute dem isolierten Land nahelegen, sich verstärkt auf die wirtschaftliche Entwicklung zu konzentrieren.

Der Norden der Halbinsel ist aufgrund der Bodenschätze eigentlich reicher als der Süden - doch jahrzehntelange Misswirtschaft und die seit dem Zerfall der Sowjetunion ausbleibende Unterstützung haben zum wirtschaftlichen Niedergang und zahlreichen Hungerkrisen geführt.

Südkoreas Zentralbank verwendet die von der Regierung in Seoul und den Spionagebehörden erhobenen Zahlen für ihre Schätzungen. Die Bank interviewt dafür Überläufer und überwacht den Verkehr. Auch die Größe von Reisfeldfrüchten in Grenzgebieten wird für die Bestimmung der Entwicklung herangezogen. Nordkoreaselbst veröffentlicht keine Wirtschaftsdaten.

Der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Un hatte jedoch im Frühjahr erklärt, er wolle den strategischen Fokus des Landes von der Entwicklung seines Atomwaffenarsenals auf die Nachahmung des "sozialistischen Wirtschaftsaufbaus" Chinas verlagern. Ein Zeitplan für die US-Präsident Donald Trump zugesagte "vollständige Denuklearisierung" seines Landes nannte Kim dabei nicht, die Sanktionen blieben in Kraft. Erst vergangene Woche hatten die USA Pjöngjang illegale Ölimporte vorgeworfen und forderten im Uno-Sicherheitsrat schärfere Sanktionen.

apr/Reuters/AFP



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