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NRW kauft Daten: Neue Steuer-CD enthält Deals im Wert von 70 Milliarden Euro

Luxemburg: NRW kauft neunte Steuer-CD mit Daten von möglichen Steuersündern Zur Großansicht
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Luxemburg: NRW kauft neunte Steuer-CD mit Daten von möglichen Steuersündern

Das Düsseldorfer Finanzministerium hat nach SPIEGEL-Informationen eine neue CD gekauft - dabei zeigt sich, dass eine ganze Gruppe von Finanzdienstleistern und Banken gezielt den deutschen Fiskus geschädigt haben.

Fünf Millionen Euro hat das Land Nordrhein-Westfalen für den bislang teuersten Datensatz ausgegeben. Vor ein paar Monaten hatte der Verkäufer Kontakt zur Steuerfahndung aufgenommen. Seine detaillierten und gut belegten Informationen sorgten dort schnell für große Begeisterung. Wie jetzt bekannt wurde, hat offenbar eine ganze Gruppe von Finanzdienstleistern und Banken gezielt den deutschen Fiskus geschädigt. Es geht um Steuerhinterziehung und betrügerische Steuerdeals in einem Handelsvolumen von 70 Milliarden Euro. Nicht nur durch das klassische Verstecken von Schwarzgeldern, sondern durch das kriminelle Vortäuschen von Geschäftsvorgängen, die zur ungerechtfertigten Erstattung von Kapitalertragsteuern geführt haben. Teilweise wurde die Kapitalertragsteuer zweimal angerechnet und erstattet. Die Ermittlungen gegen die in Inland und Ausland angesiedelten Finanzdienstleister und Banken sowie deren Kunden sind bereits angelaufen, in der nächsten Woche soll es die ersten Durchsuchungen geben.

Geleitet wird die Aktion wieder einmal durch die erfahrene Wuppertaler Steuerfahndung in Zusammenarbeit mit der Kölner Staatsanwaltschaft. In Ermittlerkreisen heißt es, dass die Höhe der Ausgabe durch die große Qualität der Unterlagen gerechtfertigt sei.

Ermittlungen sollen sich auch gegen die Banque et Caisse d'Epargne de l'Etat (BCEE) in Luxemburg richten. Bank und Finanzbehörden wollten sich auf Anfrage nicht äußern.

Der Datenträger ist die inzwischen neunte Steuer-CD, die von der Landesregierung seit 2010 angekauft wurde. Deren entschiedener Kampf gegen Steuerhinterziehung hat sich bezahlt gemacht: Mehr als zwei Milliarden Euro hat das Land zusätzlich eingenommen, durch Steuernachzahlungen, Geldauflagen und Verbandsstrafen, die gegen Banken verhängt wurden. Bundesweit werden die Mehreinnahmen auf vier bis fünf Milliarden Euro geschätzt. Seit 2010 haben sich etwa 120.000 Deutsche als Steuerhinterzieher angezeigt.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 239 Beiträge
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1. Nun mal los...
austenjane1776 31.10.2015
Jede/r Steuerzahlende wird sich freuen, dass die "ganz Schlauen" vielleicht mal doch noch ihren Beitrag für unseren Staat leisten. Niemand ist gerne der Depp, dem die Steuern direkt abgezogen werden, während arrogante Krawatten dreist Forderungen stellen - und ihre Steuern nicht zahlen. Weiter so - wir brauchen jeden Euro.
2. Luxemburg again
thomas bode 31.10.2015
Liegt das alles weiter zurück oder macht Junckers Luxemburg munter weiter damit unsere Staatshaushalte zu schröpfen? Indem es kriminellen "Leistungsträgern" für eine Gebühr bei ihren Machenschaften hilft? Was tut unsere Regierung um diesem "Partner" zur Räson zu bringen?
3.
PeterPan95 31.10.2015
Etwas merkwürdig finde ich die Datenhehlerei immernoch. Ist nicht grade ein Gesetz verabschiedet worden, was Whistleblower und Datenhehlerei bekämpfen soll? Mir war da so... Gleichzeitig finde ich die Verfolgung von Steuersündern mit möglichst vielen Mitteln aber gut. Das mit der wehrhaften Demokratie ist eine sehr schwierige Sache, denn manchmal muss man zwischen den Prinzipien der einen ("demokratische Werte") und den Prinzipien der anderen ("wehrhaft") Seite einen Kompromiss finden.
4.
mat_1972 31.10.2015
> der nächsten Woche soll es die ersten Durchsuchungen > geben. Also ich bin jetzt kein Profi.... Aber warum erst nächste Woche? Weil jetzt erstmal Wochenende ist? Da haben die bösen Buben doch genug Zeit zum vertuschen/löschen/wegschaffen etc.....
5.
vox veritas 31.10.2015
Anstatt diese Verbrecher vom Haken zu lassen, wenn sie sich selbst anzeigen, sollte man einfach mal alle Verantwortlichen ein paar Jahre ins Gefängnis stecken. Das Problem hätte sich dann ganz schnell erledigt.
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