Braunkohle NRW will Tagebau Garzweiler kappen

Der umstrittene Braunkohletagebau Garzweiler II soll verkleinert - und mehr als tausend Menschen vor einer Umsiedlung bewahrt werden. Darauf hat sich die rot-grüne Regierung von Nordrhein-Westfalen geeinigt. Der Betreiber RWE kritisierte die Ankündigung.

Tagebau Garzweiler (Archivbild): Nur noch bis 2030?
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Tagebau Garzweiler (Archivbild): Nur noch bis 2030?


Düsseldorf - Seit Jahrzehnten ist der Braunkohletagebau Garzweiler II umstritten. Nun soll er nach dem Willen der NRW-Landesregierung nicht im vollen Umfang zu Ende geführt werden. Etwa 300 Millionen von insgesamt 1,3 Milliarden Tonnen Braunkohle sollen nicht ausgebaggert werden. Darauf haben sich die Spitzen der rot-grünen Koalition in Düsseldorf geeinigt. Dadurch müssten rund 1400 Menschen weniger aus dem Abbaugebiet umgesiedelt werden als ursprünglich geplant.

"Die Fortführung des Tagebaus im Zeitraum bis circa 2030 ist erforderlich", sagte Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD). Wie es nach diesem Zeitpunkt weitergeht, wolle die Regierung demnach bis Mitte 2015 entscheiden. Auf einen Teil der Umsiedlungen von Bewohnern solle aber verzichtet werden. "Rot-Grün hat sich darauf verständigt, dass Garzweiler II nicht wie geplant vollständig realisiert wird", sagte Landesumweltminister Johannes Remmel (Grüne).

Der Betreiber RWE kritisierte die Ankündigung. "Bereits heute Ziele zu formulieren, die die Abbaugrenzen für Garzweiler in Frage stellen, halten wir für falsch", sagte Konzernchef Peter Terium. Der Entscheidungsprozess müsse stattdessen ergebnisoffen sein. Braunkohle leiste einen wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit und sei Garant für eine preiswürdige Stromerzeugung. Bislang plant RWE einen Abbau bis zum Jahr 2045 in dem Gebiet. Etwa 40 Prozent seines Stroms erzeugt der Konzern aus Braunkohle.

1600 Menschen müssen umsiedeln

Konkret würde die jetzt ins Spiel gebrachte Verkleinerung den Abschnitt 4 des in mehrere Abschnitte unterteilten Tagebaus Garzweiler II betreffen. Die Landesregierung will auf Umsiedlungen verzichten, die dort für einen Abbau notwendig wären. Durch die Verkleinerung des Abbaugebietes blieben die Gemeinde Holzweiler, das Dorf Dackweiler und ein einzelner Hof von der Umsiedlung verschont, sagte Kraft.

Im sogenannten Abschnitt 3 werden hingegen die Weichen für die Umsiedlung gestellt. Wie geplant werden rund 1600 Bewohner aus fünf Gemeinden ihre Häuser räumen müssen.

Im vergangenen Jahr hatte RWE Spekulationen zurückwiesen, womöglich selbst ein früheres Aus zu planen, da auch die Braunkohlekraftwerke wegen der Konkurrenz durch den Ökostrom nicht mehr so viel Geld einbringen wie früher.

fdi/Reuters/dpa

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insgesamt 104 Beiträge
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Seite 1
spiritof81 28.03.2014
1.
Zitat von sysopDPADer umstrittene Braunkohletagebau Garzweiler II soll verkleinert - und mehr als tausend Menschen vor einer Umsiedlung bewahrt werden. Darauf hat sich die rot-grüne Regierung von Nordrhein-Westfalen geeinigt. Der Betreiber RWE kritisierte die Ankündigung. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/nordrhein-westfalen-will-braunkohle-tagebau-garzweiler-ii-verkleinern-a-961390.html
Hurra! Neben der Kernkraft steigen wir jetzt noch vorzeitig aus der Braunkohle, dem gegenwärtig wichtigsten Energieträger für unsere Stromerzeugung, aus. Alternativkonzepte? Fehlanzeige!
u.loose 28.03.2014
2. Klasse
Nach ständigen 5 Jahresplänen wie doll die Erneuerbaren doch bis zum Jahr xx ausgebaut sein werden, nun auch schon die Abschaltung der dann gar nicht mehr nötigen Braunkohlekraftwerke... Würde mich nicht wundern, wenn man an Ende vor einem Scherbenhaufen steht und keiner der schönen Pläne so eintreten wird.
hansiii 28.03.2014
3. optional
Rot-Grün will also NRW zum Vorteil von Solarfirmen aus China deindustriealisieren. Na dann bin ich ja mal gespannt wo die ganzen notwendigen neuen gut bezahlten Jobs in der Öko Landwirtschaft und in Naturparks in NRW enstehen sollen um das aufzufangen.
Andreas-Schindler 28.03.2014
4. eine preiswürdige Stromerzeugung...
"...eine preiswürdige Stromerzeugung..." Verarschung Pur, ohne Staatliche Subventionen lohnt sich der Abbau und Verstromung seit Jahrzehnten nicht mehr. Der Kohle Abbau und Strom Erzeugung mit Kohle ist eine reine ABM Maßnahme. Die Subventionen liegen doppelt so hoch wie der Bruttoverdienst eines Arbeiters der die Kohle Abbaut. Es wäre billiger die Kohle in der Erde zu Lassen und dem Arbeiter sein Gehalt weiter zu bezahlen.
gfh9889d3de 28.03.2014
5.
Zitat von Andreas-Schindler"...eine preiswürdige Stromerzeugung..." Verarschung Pur, ohne Staatliche Subventionen lohnt sich der Abbau und Verstromung seit Jahrzehnten nicht mehr. Der Kohle Abbau und Strom Erzeugung mit Kohle ist eine reine ABM Maßnahme. Die Subventionen liegen doppelt so hoch wie der Bruttoverdienst eines Arbeiters der die Kohle Abbaut. Es wäre billiger die Kohle in der Erde zu Lassen und dem Arbeiter sein Gehalt weiter zu bezahlen.
Das ist bei der sogenannten erneuerbaren Energie erwiesenermaßen völlig anders?! Glaube ich nicht. Ohne Subvention gäbe es keine einzige Solarzelle auf deutschen Dächern.
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