Ver.di in Nordrhein-Westfalen Warnstreik trifft Hunderttausende Pendler und Eltern

Der öffentliche Dienst in Nordrhein-Westfalen wird bestreikt, die Gewerkschaft Ver.di fordert sechs Prozent mehr Lohn. Der Arbeitskampf beeinträchtigt den Betrieb im Nahverkehr und in den Kitas erheblich.

Ver.di-Kundgebung (Archiv)
DPA

Ver.di-Kundgebung (Archiv)


Pendler und Eltern in Nordrhein-Westfalen werden am Dienstag die Warnstreikwelle im öffentlichen Dienst zu spüren bekommen. Die Gewerkschaft Ver.di hat mehr als 20.000 Beschäftigte zu Warnstreiks aufgerufen.

Im Ruhrgebiet werden in etlichen Städten kommunale Verkehrsbetriebe bestreikt, darunter sind Dortmund, Bochum und Essen. Hier sollen von Betriebsbeginn am frühen Dienstagmorgen bis zum Betriebsschluss spät in der Nacht sämtliche U-Bahnen sowie Stadtbahn- und Buslinien ausfallen. Allein in Dortmund wickelt der öffentliche Nahverkehr pro Tag normalerweise etwa 370.000 Fahrten ab, in Essen gibt es pro Tag mehr als 320.000 Fahrgäste.

Viele Nahverkehrsbetriebe in NRW haben ihre Fahrgäste am Montag vorgewarnt. Auch in Bielefeld und Wuppertal sowie in vielen anderen Städten soll der Nahverkehr stillstehen. In Duisburg könnten die Fahrgäste noch Glück haben, dort will Ver.di nur bis 12 Uhr mittags streiken.

Mittwoch werden Köln und Düsseldorf bestreikt

S-Bahnen und Regionalzüge gelten als eine Alternative. Eine dichtere Taktung wird es bei den S-Bahnen aber nicht geben. Das Angebot könne so kurzfristig nicht aufgestockt werden, hieß es beim Verkehrsverbund Rhein-Ruhr. Als weitere Alternativen gelten Fahrgemeinschaften und das Fahrrad. Allerdings herrschen auch am Dienstag wieder winterliche Temperaturen.

Zweiter Schwerpunkt der Streikaktionen sind Kindertagesstätten. So sind in Herne alle 19 städtischen Kitas zu, in Bochum 15 von 17. Die genauen Auswirkungen auf die Kinderbetreuung konnten viele Städte am Montag noch nicht genau abschätzen. In Dortmund ist aber klar: "Ein Notdienst kann für den angekündigten Zeitraum leider nicht angeboten werden. Wir bedauern dies", heißt es von Seiten der Stadt. Aber auch viele Eltern von Schulkinder müssen dafür Sorge tragen, dass ihre Sprösslinge diesmal ohne Busse und Bahnen in die Schule kommen. Das NRW-Schulministerium verwies am Montag darauf, dass der Streik angekündigt sei. Deswegen bestehe ganz normale Schulpflicht.

Am Mittwoch werden dann unter anderem die kommunalen Verkehrsbetriebe in Köln und Düsseldorf bestreikt. Die Gewerkschaft will mit dieser ersten großen Warnstreikwelle ihrer Forderung nach sechs Prozent mehr Geld für die Beschäftigten im öffentlichen Dienst des Bundes und der Kommunen Nachdruck verleihen. Ver.di fordert für die insgesamt 2,3 Millionen Beschäftigten von Bund und Kommunen sechs Prozent mehr Geld. Die nächste Verhandlungsrunde ist für Mitte April angesetzt.

beb/dpa



insgesamt 23 Beiträge
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Seite 1
HuFu 20.03.2018
1.
... warum werden Eltern konkret genannt? Ein Streik ohne Einschränkungen ist eben kein Streik. Von daher erkenne ich keinen Sinn, hier gezielt Gruppen / Menschen / Geschlechter herauszutrennen, die "besonders darunter leiden".
muunoy 20.03.2018
2. Auffälligkeiten
Zwei Dinge sind mir aufgefallen: Jetzt wo Verdi mal wieder streikt, gibt es in den MSM überhaupt keine Diskussion mehr über Fahrverbote. Warum eigentlich? Also, gerade morgen, wenn in D-Dorf der ÖPNV bestreikt wird, könnte man doch parallel dazu ganz gut einen Artikel zu Diesel-Fahrverboten in D-Dorf platzieren. Zweitens fällt auf, dass Verdi mal wieder nur Bereiche bestreikt, wo es mangels Alternativen besonders die Kunden trifft. Kitas und ÖPNV mal wieder. Der Einzug meiner Steuern lief letzte Woche wieder mal problemlos. Und ein kleines Ticket wegen zu schnellen Fahrens wird auch wie gehabt eingetrieben. Ich fände es fair, wenn Verdi mal die Einkommensseite des Staates bestreiken würde. Warum passiert das nie?
donatellab 20.03.2018
3. Heult doch
Dann gehen die Kids heute mal zu Oma oder der Tante. Man nimmt sie mit ins Büro. Manche Eltern machen auch wirklich ein Drama aus so einem Streik.
donatellab 20.03.2018
4. öpnv
Pendler dürfen Fahrgemeinschaften bilden. Dann lernt sich nebenbei die Nachbarschaft kennen. Wege unter 5 km sind auch gut zu Fuß oder mit dem Rad zu schaffen.
swf3 20.03.2018
5. Hier
wird ganz offensichtlich versucht, Stimmung gegen den Arbeitskampf zu machen. Schon traurig, wenn man Eltern hier als Opfer darstellt.
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