Konten in der Schweiz Steuerfahnder aus NRW reichen Daten an Griechenland weiter

Fahnder aus Nordrhein-Westfalen haben Informationen über Steuerhinterziehung in großem Stil gekauft - jetzt sollen auch andere Regierungen davon profitieren: 10.000 Datensätze hat die Regierung nach Athen weitergeleitet.

Grenze zwischen der Schweiz und Liechtenstein: NRW gibt Steuerdaten weiter
AP

Grenze zwischen der Schweiz und Liechtenstein: NRW gibt Steuerdaten weiter


Nordrhein-Westfalen hat dem griechischen Finanzministerium mehr als 10.000 Datensätze zur Verfolgung von Steuerhinterziehung zur Verfügung gestellt. Die Informationen über Bankkonten von Griechen in der Schweiz seien über das Bundeszentralamt für Steuern nach Athen übermittelt worden, teilte das NRW-Finanzministerium mit.

Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD) sagte, dass man damit die griechischen Behörden dabei unterstützen wolle, mehr Steuerehrlichkeit im Land herzustellen. "Dank der erfolgreichen Arbeit unserer Steuerfahnder sind wir dazu auch in der Lage", hieß es.

Griechenland wolle die Daten nun auswerten, kündigte der stellvertretende Finanzminister Trifon Alexiadis der Mitteilung zufolge an. Die Kontodaten bezögen sich auf Privatleute und Firmen mit Guthaben von insgesamt bis zu vier Milliarden Schweizer Franken (3,7 Milliarden Euro).

Mögliche Mehreinnahmen: 600 Millionen

Die Kontodaten hatte die NRW-Steuerfahndung im Zusammenhang mit Bankenverfahren wegen Beihilfe und Datenankäufen erlangt. Sie beziehen sich auf das Guthaben von Privatleuten und Unternehmen und können offenbar zu Steuermehreinnahmen von mindestens 600 Millionen Euro führen.

Der SPIEGEL hatte vor Kurzem berichtet, dass das Land Nordrhein-Westfalen für den bislang teuersten Datensatz fünf Millionen Euro ausgegeben hat. Es geht um Steuerhinterziehung und betrügerische Steuerdeals in einem Handelsvolumen von 70 Milliarden Euro - nicht nur durch das Verstecken von Schwarzgeldern, sondern durch das kriminelle Vortäuschen von Geschäftsvorgängen, die zur ungerechtfertigten Erstattung von Kapitalertragsteuern geführt haben.

Der Kampf der Steuerfahnder aus Nordrhein-Westfalen gegen Steuerhinterziehung hat sich bezahlt gemacht: Mehr als zwei Milliarden Euro hat das Land in den vergangenen Jahren zusätzlich eingenommen, durch Steuernachzahlungen, Geldauflagen und Verbandsstrafen, die gegen Banken verhängt wurden. Bundesweit werden die Mehreinnahmen auf vier bis fünf Milliarden Euro geschätzt. Seit 2010 haben sich etwa 120.000 Deutsche als Steuerhinterzieher angezeigt.

mxw/dpa/Reuters



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insgesamt 45 Beiträge
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TheFrog 25.11.2015
1. Da bin ich mal gespannt,
ich habe das zwar nicht mehr genau mit Datum etc. parat, aber so ein ähnliche gab es doch schon mal. Da wurden bei den Griechen erstmal fleissig ausgesiebt und der klägliche Rest ist dann irgendwo im Sand verlaufen.
darthmax 25.11.2015
2. Optimisten
in NRW, schon die letzten Informationen wurden nur zum Schutz der Betroffenen verwendet und generierten keine Einnahme sondern die Erkenntnis, dass der griechische Staat seine Bürger vor Verlusten und Steuern schützt, die Informationen wurden seinerzeit vom Finanzminister einfach nicht weitergeleitet.
windpillow 25.11.2015
3. Luftnummer
Das wird die griechische Regierung nicht die Bohne interessieren. Sie hat ja schon mal angebotene Steuer-Daten von Schweitzer Behörden nicht zur Kenntnis genommen.
krennin 25.11.2015
4. Das Costa fast gar nix!
Datensätze nach Griechenland übermittelt. Hat die griechische Finanzverwaltung (Achtung! Euphemismus-Alarm!) mittlerweile überhaupt eine funktionierende IT-Infrastruktur, um die Daten zu lesen, vergleichen, auszuwerten? Hat der griechische politisch-administrative Komplex mittlerweile überhaupt ein Interesse an der Verfolgung von Steuervergehen bzw. an der Einnahme von Steuern gutbetuchter Bürger? Prognose: 1 Verfahren wird nach 3-5 Jahren eröffnet und wieder eingestellt, weil es sich um die Großnichte eines Abgeordneten einer Regierungsfraktion handelt....
TippuTip 25.11.2015
5. Unfreundlicher Akt?
Da hoffen wir mal, dass unsere Griechischen Partner diese Gabe auch zu schätzen wissen. Ähnliches hatte vor Jahren auch Frau Lagarde schon mal unternommen, damit aber keine große Freude bei Regierung, Verwaltung und diversen Privatleuten ausgelöst. Ganz im Gegenteil, und bis heute weiß die Tsipras Regierung nicht so recht, wie man das Giftpapier behandeln soll. Und nun das - sieht ja fast so aus, als würden wir der griechischen Steuerfahndung misstrauen!
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