"Occupy"-Jubiläum in Europa: Tausende protestieren gegen Wirtschaftswillkür

Zum Jubiläum der "Occupy"-Bewegungen gehen in den europäischen Städten Tausende Menschen auf die Straßen: In Berlin tanzen Demonstranten unterm symbolischen Rettungsschirm, in Madrid lassen sie die Hosen runter - gegen die Sparmaßnahmen der Regierung.

"Occupy"-Jubiläum in Europa: Tanz unterm Rettungsschirm Fotos
DPA

Berlin/London/Madrid/Lissabon - Sie besetzten das Herz von Madrid und inspirierten die "Occupy"-Demonstranten: In Spanien haben Zehntausende "Indignados" - die "Empörten" - kurz vor dem Gründungstag der Bewegung am Samstag in zahlreichen Städten gegen die Sparmaßnahmen der Regierung protestiert. In der Hauptstadt Madrid versammelten sich die Demonstranten auf dem zentralen Platz Puerta del Sol, wo eine große Kundgebung stattfand. Auch in Barcelona, Lissabon, London und Berlin gab es Proteste.

In Madrid riefen die Menschen zu Trommelklängen Slogans wie "Sie (die politische Klasse) vertritt uns nicht" oder "Nehmt die Straße ein". Hinter einem Banner mit der Aufschrift "Gegen die Kürzungen" ließ eine Gruppe junger Männer die Hosen runter. Vier Tage lang wollen die Demonstranten auf dem Platz, auf dem vor einem Jahr die Bewegung entstand, eine "permanente Versammlung" abhalten. Die Behörden haben dies verboten und fordern, dass die Demonstration jeden Abend um 22 Uhr Ortszeit endet.

"Sie sind besser ausgebildet, als je zuvor, aber sie haben nichts."

"Es ist wichtig zu zeigen, dass wir immer noch da sind", sagt eine 23-jährige Demonstrantin. "Ich bin hier, um die Rechte zu verteidigen, die wir verlieren, und für die jungen Leute, die es so schwer haben", erklärt ein 57 Jahre alter Lehrer. "Sie sind besser ausgebildet als je zuvor. Aber sie haben keine Arbeit. Sie haben nichts." Insgesamt fanden Proteste in rund 80 spanischen Städten statt. In den vergangenen Wochen war von den "Empörten" nicht mehr viel zu hören, die Lager der Demonstranten waren weitgehend verschwunden.

Die Menschen demonstrieren gegen die Politik des konservativen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy, der mit rigorosen Maßnahmen im laufenden Jahr mehr als 27,3 Milliarden Euro einsparen will. Erst Ende April kündigte die Regierung an, etwa die Bildungsausgaben um drei Milliarden Euro kürzen zu wollen. Spanien wurde von der Finanzkrise hart getroffen. Die Arbeitslosigkeit liegt in dem Land derzeit bei 24,4 Prozent. Die "Empörten" planen bis zum 15. Mai, dem Jahrestag ihrer Gründung, landesweit zahlreiche Protestaktionen.

Auch in Portugal gingen am Samstag mehrere Tausend Menschen auf die Straße. In der Hauptstadt Lissabon versammelten sich am Abend 2000 Demonstranten. Weitere Proteste fanden in den Städten Porto, Coimbra und Faro statt. Portugal wurde wie das Nachbarland Spanien von der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise schwer getroffen. Die Arbeitslosigkeit liegt bei 15 Prozent.

Protest-Tanz unterm Rettungsschirm

In Berlin haben am Samstag bei einem Sternmarsch nach Polizeiangaben rund 3.500 Menschen für mehr Demokratie und gegen das globale Finanzsystem demonstriert. Auf verschiedenen Routen zogen Kapitalismuskritiker, Globalisierungsgegner, antifaschistische Initiativen und Umweltaktivisten zunächst zum Alexanderplatz, wo die fünf Protestzüge vereint wurden.

Vor dem Roten Rathaus fand am frühen Abend eine Abschlusskundgebung statt, junge Demonstranten protestierten mit einem Tanz unterm symbolischen "Rettungsregenschirm". Den Angaben eines Polizeisprechers zufolge blieb die Veranstaltung friedlich.

Anlass für die Demonstration in Berlin war der Jahrestag der Aktionen in Madrid und Barcelona. Es gelte, einen "grundlegenden gesellschaftlichen Wandel" anzustoßen, hieß es in einem Aufruf. Die Organisatoren hatten ursprünglich beabsichtigt, am Neptunbrunnen in der Nähe des Roten Rathauses ein Camp zu errichten, das zwei Wochen bleiben sollte. Dies war jedoch nach Polizeiangaben untersagt worden.

In der britischen Hauptstadt London protestierten am Samstag Hunderte Menschen gegen Sparpläne der Regierung unter dem konservativen Premierminister David Cameron und die Macht der Banken. Sie versammelten sich vor der St. Paul's Cathedral, wo die "Occupy"-Bewegung bis Ende Februar ein Protestcamp hatte, das dann aber von der Polizei aufgelöst wurde. "Nieder mit dem Raubtierkapitalismus" war auf Spruchbändern zu lesen.

In London kam es während der Proteste zu Handgemengen zwischen Demonstranten und Einsatzkräften. Am Donnerstag hatten in der britischen Hauptstadt trotz eines Streikverbots Hunderttausende Beschäftigte des öffentlichen Dienstes aus Protest gegen Stellenstreichungen die Arbeit niedergelegt.

bos/AFP/dapd

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insgesamt 14 Beiträge
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1. occupy
ritotschka 12.05.2012
Jede Unterstützung für die, die gegen Gott Geld demonstrieren. Ich wünschte mir Millionen davon.
2.
Rubeanus 13.05.2012
Was hat man sich denn bitteschön genau unter "Wirtschaftswillkür" vorzustellen? Bedeutet es, dass man in der Eckkneipe von heute auf morgen nur noch Altbier und kein Pils mehr bekommt?
3. So..
salopp 13.05.2012
Zitat von sysopZum Jubiläum der "Occupy"-Bewegungen gehen in den europäischen Städten Tausende Menschen auf die Straßen: In Berlin tanzen Demonstranten unterm symbolischen Rettungsschirm, in Madrid lassen sie die Hosen runter - gegen die Sparmaßnahmen der Regierung. "Occupy" Jubiläum - Proteste in Berlin, London, Madrid, Lissabon - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,832862,00.html)
Es sollte sich von dem Gedanke getrennt werden, dass eine gute Ausbildung alleine keine Jobgarantie in der heutigen Zeit ist. Eine gute Ausbildung haben viele andere auch, mit denen konkurriert wird. Es ist eher eine selbstverständliche Voraussetzung, aber keine Garantie. Angebot und Nachfrage. Viele eifern der vorherigen Generation nach, ein warmes Nest in einer Firma/Behörde bis zur Rente zu finden. Diese Zeiten sind vorbei.
4.
achim33 13.05.2012
Zitat von sysopZum Jubiläum der "Occupy"-Bewegungen gehen in den europäischen Städten Tausende Menschen auf die Straßen: In Berlin tanzen Demonstranten unterm symbolischen Rettungsschirm, in Madrid lassen sie die Hosen runter - gegen die Sparmaßnahmen der Regierung. "Occupy" Jubiläum - Proteste in Berlin, London, Madrid, Lissabon - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,832862,00.html)
Ein neues Wort: Wirtschaftswillkür. Wenn Wirtschaft nicht mit Staat verbandelt ist, kann es keine "Willkür" geben. Denn dann bestehen Bedürfnisse in Form von "Nachfrage" und Angebot in Form von Dienstleistungen und Produkten. Die einzige Willkür ist der Mehrheitswille der Menschen. Gewalt und Willkür kommt dann ins Spiel, wenn der Staat seine Macht nutzt um zu steuern - wenn er glaubt, der Wille der Menschen, ihre Nachfrage, ist falsch ... dass sie nicht wissen, was Ihnen gut tut, oder man eine Gruppe der anderen vorziehen muss. Dann gibt es Subventionen, Steuern und Verbote. Zudem können sich Lobbys die Macht der Politik zu nutze machen - sich mit Gesetzen vor dem Druck der Nachfrage schützen. Aber die Wirtschaft an sich übt keine Willkür aus.
5. "Occupy"-Jubiläum in Europa: Tausende protestieren gegen Wirtschaftswillkür
Phoenix2006 13.05.2012
Zitat von sysopZum Jubiläum der "Occupy"-Bewegungen gehen in den europäischen Städten Tausende Menschen auf die Straßen: In Berlin tanzen Demonstranten unterm symbolischen Rettungsschirm, in Madrid lassen sie die Hosen runter - gegen die Sparmaßnahmen der Regierung. "Occupy" Jubiläum - Proteste in Berlin, London, Madrid, Lissabon - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,832862,00.html)
Wir werden den Protest solange aufrecht erhalten, bis die Eliten endlich kapiert haben, das man nicht gegen 99% der Bevölkerung agieren kann zum Nutzen einiger weniger!!!
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