"Occupy Wall Street" Demonstranten sollen New Yorker Park räumen

Putzoffensive gegen den Anti-Wall-Street-Protest: Seit Wochen campieren Demonstranten im nahe gelegenen Zuccotti Park - jetzt bemängelt die Stadt "unhygienische" Zustände. Für den Einsatz von Hochdruck-Reinigern sollen die Finanzsystem-Gegner den Park räumen. Doch die denken gar nicht daran.

AP

New York - Seit Mitte September halten Anhänger der "Occupy Wall Street"-Bewegung einen Platz unweit der New Yorker Börsenmeile besetzt. Sie campen im Zuccotti Park - und starten von dort ihre Züge durch das Finanzdistrikt, um Reformen des US-Sozialsystems und eine höhere Besteuerung von Banken und Großverdienern zu fordern. Bei einem Besuch im Park kündigte New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg nun an, dass die Demonstranten den Platz am Freitag räumen müssen - zumindest für kurze Zeit.

Der Grund: Der Zustand im Park sei mittlerweile "unhygienisch", sagte ein Sprecher der Stadt dem "Wall Street Journal" (WSJ). Dies sei nicht im Interesse der Demonstranten, der Anwohner oder der Stadt. Da die Aufräumaktion der privaten Parkvermietungsgesellschaft mit Hochdruckreinigern durchgeführt werde, müssten die Demonstranten während dieser Zeit den Zuccotti Park verlassen. "Danach können sie wieder an die gesäuberten Plätze zurückkehren", sagte der Sprecher.

Dann allerdings wird es ihnen verboten sein, ihre Schlafsäcke oder das Kochgeschirr mitzubringen. Die Demonstranten vermuten hinter der Aktion einen Versuch, sie loszuwerden. "Sie werden die Säuberungsaktion dafür nutzen, uns von hier zu vertreiben", sagte einer der Demonstranten.

Sie wollen sich der Räumung widersetzen: Ein Sprecher der Protestbewegung, Patrick Bruner, hat am Donnerstag eine E-Mail an Unterstützer geschickt und sie dazu aufgefordert "die Besetzung vor einer Räumung zu verteidigen". Um sieben Uhr morgens (Ortszeit) soll das Putzkommando mit der insgesamt zwölfstündigen Arbeit beginnen - die nach Ansicht der Demonstranten ohnehin überflüssig ist.

"Die Ansammlung zieht Ungeziefer und Ratten an"

"Unhygienisch? Wir haben hier eine eigene Säuberungseinheit", sagte ein 23 Jahre alter New Yorker. Eine 26 Jahre alte Demonstrantin erklärte dem WSJ: "Wir leben auf der Straße, wir leben auf diesem Grund. Wenn Bloomberg hierherkommen und uns Töpfchen und Wasser bringen möchte, dann wäre das großartig. Wir tun unser Bestes mit den Mitteln, die uns zur Verfügung stehen."

Und diese Mittel sind zahlreich: Im Zuccotti-Park haben die Demonstranten professionelle Komitees gegründet, für Müll, Verpflegung, ärztliche Behandlung, Rechts- und Finanzfragen und Medienarbeit. Zweimal am Tag halten sie Vollversammlungen ab, um ihre gemeinsamen Belange zu diskutieren.

In einem Schreiben an die Stadt hatte die Vermietungsgesellschaft sich jedoch über die Zustände auf dem Gelände beschwert. "Es gibt keine Toiletten im Park und während die bestehenden Mülleimer immer für den normalen Müll ausreichten, quellen sie nun über. Die Ansammlung zieht Ungeziefer und Ratten an."

Der Aktion von ein paar Dutzend Studenten an der Wall Street hat sich mittlerweile zu einem Massenprotest ausgeweitet. Erst vor wenigen Tagen waren die "Occupy-Wall-Street"-Anhänger durch eines der teuersten Wohnviertel der Stadt gezogen. Und im ganzen Land bilden sich Ableger: in Boston, Los Angeles, Chicago, Philadelphia, Miami. Selbst in Deutschland gibt es inzwischen ähnliche Aktionen.

aar/dpa/AP

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insgesamt 13 Beiträge
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Seite 1
si_tacuisses 14.10.2011
1. tun sie es nicht, wird mit dem Knüppel für "Ordnung" gesorgt.
Zitat von sysopPutzoffensive gegen den Anti-Wall-Street-Protest: Seit Wochen campieren Demonstranten im nahe gelegenen*Zuccotti Park - jetzt*bemängelt die Stadt "unhygienische" Zustände. Für den Einsatz von Hochdruck-Reinigern sollen die Finanzsystem-Gegner den Park räumen. Doch die denken gar nicht daran. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,791750,00.html
Die Stuttgarter kennen das schon. Die New Yorker lernen es jetzt. Und nicht nur die: wer nicht für uns ist, ist gegen uns.
snickerman 14.10.2011
2. aha...
Was zu erwarten war... Ein Platz, der nach dem CEO der Besitzerfirma benannt wurde, soll wieder seinen alten Namen zurückbekommen: "Liberty Plaza Park"! Für die Freiheit war kein Platz mehr im renovierten Finanzdistrikt, New York scheint ohnehin keine großen Plätze zu haben, wie sie fast jede Europäische Großstadt aufweist. Ein Tahrir-Platz wie in Kairo wäre den Mächtigen ein Dorn im Auge- die Mächtigen sitzen dort, um die Wall Street, nicht mehr in Washington, wo die großen Anti-Vietnamkrieg-Demos auf der riesigen National Mall stattfanden...
Pos123 14.10.2011
3. ...
Im Großraum NYC gibt es sicherlich noch viele andere Park, die wesentlich schmutziger sind und dringender gereinigt werden müßten. Gut, die werden vielleicht nicht gerade besetzt ...
tom_k0305 14.10.2011
4. Demokratie -> Herrschaft durch das Volk, oder?
Zitat von sysopPutzoffensive gegen den Anti-Wall-Street-Protest: Seit Wochen campieren Demonstranten im nahe gelegenen*Zuccotti Park - jetzt*bemängelt die Stadt "unhygienische" Zustände. Für den Einsatz von Hochdruck-Reinigern sollen die Finanzsystem-Gegner den Park räumen. Doch die denken gar nicht daran. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,791750,00.html
Gibt es beschwerden vom Volk? Dann gibt es Möglichkeiten, aber 'bemängeln' aus der Politik deutet auf Undemokratische Möglichkeiten hin; kein Gespräch zwischen Politikern und Demonstranten. Einseitige Entscheidungen, siehe Stuttgart 21! Viele Politiker glauben, daß es nur so funktioniert. Viele Politiker haben sich nach diesen Entscheidungen verabschiedet! Meine Gedanken sind auch bei diesen Menschen, denkt aber mal alle darüber nach? Tom_K
fleischwurstfachvorleger 14.10.2011
5. .
Zitat von sysopPutzoffensive gegen den Anti-Wall-Street-Protest: Seit Wochen campieren Demonstranten im nahe gelegenen*Zuccotti Park - jetzt*bemängelt die Stadt "unhygienische" Zustände. Für den Einsatz von Hochdruck-Reinigern sollen die Finanzsystem-Gegner den Park räumen. Doch die denken gar nicht daran. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,791750,00.html
Wenn die Demonstranten der Dreck nicht stört, kann es dem Bürgermeister auch egal sein. Sehr durchsichtiges Manöver. Bloomberg ist eben auf der "anderen Seite" und möchte seine Milliardärsfreunde gerne schützen vor diesem Abschaum
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