OECD-Bilanz Finanzkrise vernichtet mehr als 13 Millionen Jobs

Diese Zahl verdeutlicht das ganze Drama der Weltfinanzkrise: Mehr als 13 Millionen Jobs sind laut OECD seit Beginn der Misere weggefallen - vor allem unter Geringqualifizierten und jungen Menschen. Nur in Deutschland und Chile ist die Arbeitslosenquote niedriger als vor 2007.

Wartende Arbeitslose vor einer Jobmesse in New York: Aussichten verdüstern sich wieder
REUTERS

Wartende Arbeitslose vor einer Jobmesse in New York: Aussichten verdüstern sich wieder


Berlin - Die Rettung von Banken und taumelnden Staaten hat Milliarden gekostet - doch die bitterste Seite der Finanzkrise zeigt sich in den Schicksalen der Menschen: Mehr als 13 Millionen Arbeitsplätze sind seit Beginn der Krise im Jahr 2007 weggefallen, hat die Wirtschaftsorganisation OECD jetzt ausgerechnet. Heute seien damit in den 34 Mitgliedsländern der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung 44 Millionen Menschen ohne Job - "viele von ihnen bereits seit mehr als zwölf Monaten", teilte die Organisation an diesem Montag mit.

Unter allen Mitgliedsländern gibt es der OECD zufolge nur zwei Ausnahmen des negativen Trends: Deutschland und Chile. In beiden Ländern gebe es heute eine niedrigere Arbeitslosenquote als vor Krisenbeginn.

Angesichts der neuen globalen Turbulenzen verdüstern sich die Aussichten jedoch insgesamt: "Hatte sich die Situation im Jahr 2010 in vielen Regionen etwas entspannt, so macht das jüngst wieder gedrosselte Wirtschaftswachstum die kurzzeitigen Gewinne zunichte", erklärte die OECD. Auch faire und hochwertige Jobs seien insbesondere für junge Arbeitnehmer seltener geworden. "Mehr und mehr Menschen erhalten nur noch befristete Verträge, die - anders als früher üblich - in eine Sackgasse führen statt als Sprungbrett für eine dauerhafte Beschäftigung zu dienen", beklagte die OECD. Ähnliches hatte die europäische Statistikbehörde Eurostat kürzlich bemängelt.

Zu hohe Langzeitarbeitslosigkeit in Deutschland

Problematisch sei zudem die hohe Langzeitarbeitslosigkeit. Sie habe sich seit 2007 in einigen Ländern verdoppelt, in den USA sogar verdreifacht. "Deutschland ist zwar auch hier eines der wenigen Länder mit einem positiven Trend", erklärte die OECD. "Dafür liegt der Anteil der Menschen, die ein Jahr oder länger keine Arbeit gefunden haben, mit 47 Prozent aller Arbeitslosen sehr hoch."

Eine erfreuliche Ausnahme stelle Deutschland dagegen bei der Entwicklung der Jugendarbeitslosigkeit dar, die um zwei Punkte auf 9,7 Prozent gesunken sei. Im OECD-Schnitt habe die Gruppe der jungen Leute zwischen 15 und 24 Jahren dagegen mit am stärksten unter dem Einbruch auf dem Arbeitsmarkt gelitten. Ihre Beschäftigungszahl sei um zehn Prozent geschrumpft. "Ähnlich schwerwiegend waren die Auswirkungen für Geringqualifizierte", hieß es.

Männer härter getroffen

Ende 2010 seien mehr als 22 Millionen junge Leute innerhalb der OECD weder in Ausbildung noch in einem Job gewesen. Die Organisation fordert deshalb eine bessere frühkindliche Bildung, "und das speziell für Kinder aus sozial benachteiligten Familien". Die Beschäftigung der Männer sei im OECD-Durchschnitt mit 2,7 Prozent besonders kräftig zurückgegangen, die der Frauen dagegen nur um 0,6 Prozent.

yes/Reuters



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insgesamt 169 Beiträge
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Seite 1
Erhan24 26.09.2011
1. Echte
Die echte Arbeitslosenquote oder die geschöhnte?
Erhan24 26.09.2011
2. Echte
Die echte Arbeitslosenquote oder die geschöhnte??
Erhan24 26.09.2011
3. Echte
Die echte Arbeitslosenquote oder die geschönte?
syramon 26.09.2011
4. Komisch,
Zitat von sysopDiese Zahl verdeutlicht das ganze Drama der Weltfinanzkrise: Mehr als 13 Millionen Jobs sind laut OECD seit Beginn der Misere weggefallen - vor allem unter Geringqualifizierten und jungen Menschen. Nur*in Deutschland und Chile ist die Arbeitslosenquote niedriger als vor 2007. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,788452,00.html
ich lese immer Finanzkrise. Was wir haben ist eine Schuldenkrise und keine Finanzkrise.
Palmstroem, 26.09.2011
5. Alles falsch
Zitat von sysopDiese Zahl verdeutlicht das ganze Drama der Weltfinanzkrise: Mehr als 13 Millionen Jobs sind laut OECD seit Beginn der Misere weggefallen - vor allem unter Geringqualifizierten und jungen Menschen. Nur*in Deutschland und Chile ist die Arbeitslosenquote niedriger als vor 2007. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,788452,00.html
... das wird aber unsere Wutbürger erzürnen. Wie kann denn sein, was nicht sein darf!
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