Vor Treffen mit Merkel OECD fordert europaweites Konjunkturpaket

Schluss mit "isolierten Schritten": Vor einem Treffen mit Kanzlerin Merkel hat der Chef der OECD die Euro-Länder aufgefordert, gemeinsam Reformen für mehr Wirtschaftswachstum auszuarbeiten.

OECD-Chef Ángel Gurría: "Reformen sind kein Selbstzweck"
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OECD-Chef Ángel Gurría: "Reformen sind kein Selbstzweck"


Berlin - Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat die Euro-Länder zu einem gemeinsamen Reformpaket für mehr Wirtschaftswachstum und Beschäftigung aufgefordert.

"Wir müssen unsere Anstrengungen verstärken für eine ambitionierte Reformagenda, die zu einem nachhaltigen Wachstumsmodell führt, das allen zugutekommt", sagte OECD-Chef Ángel Gurría vor einem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Vertretern weiterer internationaler Spitzenorganisationen.

Die OECD geht von einem schwächeren Wachstum in fast allen Mitgliedsländern aus und sieht vor allem für die Eurozone das Risiko einer anhaltenden Stagnation, falls die Nachfrage nicht angekurbelt werde. Im OECD-Jahresbericht hieß es, die Kernländer der Eurozone und die Staaten Nordeuropas hätten in der Wirtschaftskrise und speziell seit 2013 deutlich weniger Reformeifer gezeigt als einige der Hauptkrisenländer.

Reformen sollten nicht als Selbstzweck gesehen werden, so Gurría. Sie seien eine Strategie hin zu dynamischen Volkswirtschaften und Gesellschaften ohne Ausgrenzung. "Diese Reformpolitik zahlt sich mehr aus als isolierte Schritte."

In ihrem Jahresbericht hat die OECD auch konkrete Ansatzpunkte für Deutschland formuliert: In Deutschland, Österreich und der Schweiz sei die Arbeitsmarktbeteiligung von Frauen vergleichsweise hoch, die durchschnittlich erbrachten Arbeitsstunden von Müttern und verheirateten Frauen lägen jedoch weit unter dem OECD-Schnitt.

Ein weiterer Punkt, bei dem der Bericht in den drei Ländern Reformen anregt, ist die Konzentration von Steuern und Abgaben auf den Faktor Arbeit. Der Analyse zufolge wäre es sinnvoll, den Schwerpunkt der Steuereinnahmen stärker als bisher auf weniger wettbewerbsverzerrende Bereiche zu verlagern. Geringere Einnahmen aus Einkommensteuern könnten in Deutschland durch einheitliche Mehrwertsteuersätze ausgeglichen werden.

vet/dpa



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insgesamt 11 Beiträge
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marthaimschnee 11.03.2015
1.
Wie? Was? Nachfrage? Ich bin schockiert von der OECD solch linksextremistische Töne zu hören! Die Nachfrage ist irrelevant, das werden all die Prediger der Neoklassik immer wieder runterbeten, selbst wenn sie kein einziges Produkt mehr verkaufen. PS: natürlich dreht sich auch die OECD wieder nur im Kreis, wenn sie statt Arbeitseinkommen die Mehrwertsteuer vereinheitlichen und damit erhöhen will. Das würgt jeden positiven Effekt auf die Nachfrage sofort umgehend wieder ab. Daß stattdessen die leistungslosen Einkommen stärker zur Kasse gebeten werden sollten, ist dann doch zu linksextrem, oder wie?
grebbie 11.03.2015
2. Wettbewerbsverzerrend?
Offenbar versteht die OECD Steuern nur dann als "wettbewerbsverzerrend", wenn sie Arbeitgeber belastet. Mehrwertsteuererhöhungen betreffen vor allem Arbeitnehmer mit geringem Einkommen. Und das böse Wort "Vermögenssteuer" wollen sie auch um jeden Preis vermeiden.
blurps11 11.03.2015
3. Märchenstunde.
Deutschland soll also noch die letzten Reste von Progressivität aus dem Steuersystem schmeissen ? Und wie genau soll das jetzt der Konjunktur helfen ? Die bisherigen Erfahrungen lehren eher das Gegenteil. Scheint doch wieder nur der übliche Mix aus Löhne runter, Risiken auf den Arbeitnehmer verlagern und in den Sonnenaufgang reiten zu sein.
cirkular 11.03.2015
4. Mit höheren Mehrwertsteuern
kann man endlich auch den Geringverdienern besser in die Tasche greifen.
freespeech1 11.03.2015
5.
Die Vorschläge gehören in die Tonne. Senkung der Einkommensteuer und Erhöhung der Mehrwertsteuer ist eine Politik gegen die Arbeitnehmer und Rentner, eine Umverteilung von unten nach oben. Sozial erforderlich ist die umgekehrte Politik, Senkung der Mehrwertsteuer und höhere Einkommensteuer, damit der Konsum entlastet wird, die Bildung von Großvermögen höher besteuert. In der Ökonomie geht es eben um Interessen, und die OECD vertritt nicht die Interessen der kleinen Leute und auch nicht die Interessen der Menschen in Deutschland. Vergessen wir also Herrn Angel Gurría und die OECD
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