Kritik von der OECD Baukindergeld schadet ärmeren Haushalten

Die OECD übt scharfe Kritik am Baukindergeld. Der Zuschuss soll eigentlich Familien helfen, so will es die Große Koalition. In Wahrheit aber, so die OECD, treibe er die Immobilienpreise in unerschwingliche Höhen.

Symbolbild
DPA

Symbolbild


Die Industriestaaten-Organisation OECD kritisiert das von der Bundesregierung eingeführte Baukindergeld. Aller Voraussicht nach würden die Zuschüsse für Familien lediglich "den ohnehin schon boomenden Wohnimmobilienmarkt weiter anheizen, der unter Arbeitskräfteengpässen und einer unzureichenden Angebotsflexibilität leidet", heißt es in dem am Mittwoch veröffentlichten Wirtschaftsausblick der OECD.

Dies würde "den Zugang zu erschwinglichem Wohnraum für einkommensschwächere Haushalte weiter erschweren". Familien und Alleinerziehende, die erstmals Wohneigentum erwerben oder bauen, können einen staatlichen Zuschuss von 1200 Euro jährlich pro Kind bekommen. Gezahlt wird der Zuschuss zehn Jahre lang. Pro Kind können Familien also bis zu 12.000 Euro Baukindergeld bekommen.

"Es wäre besser, sich auf weitere Investitionen in Bildung und Infrastruktur zu konzentrieren, die zu Produktivitätswachstum und Inklusivität beitragen", betont die OECD. Sie macht auch konkrete Vorschläge, wie das Geld aus ihrer Sicht besser angelegt werden könnte.

Einer er Vorschläge: Der Ausbau "qualitativ hochwertiger Kinderbetreuung" für Kleinkinder aus ärmeren Familien und die Ausweitung des Ganztagsangebots an Grundschulen werde "das Kompetenzniveau der Bevölkerung auf lange Sicht anheben". Zugleich werde Müttern so erleichtert, die Betreuung ihrer Familie und längere Arbeitszeiten miteinander zu vereinbaren.

beb/Reuters

Mehr zum Thema


insgesamt 48 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
grotefend 21.11.2018
1. Argument?!
"Es wäre besser, sich auf weitere Investitionen in Bildung und Infrastruktur zu konzentrieren, die zu Produktivitätswachstum und Inklusivität beitragen" Man sollte nicht Äpfel mit Birnen vergleichen. Man kann das Baukindergeld gerne kritisieren, aber der Vorschlag der OECD bringt auch nicht mehr Menschen in bezahlbaren Wohnraum.
brutus972 21.11.2018
2. Die OECD ist bestimmt kein linker Verein
Da kann man mal sehen, wie die CSU wieder abgewatscht wurde. Die wollten uns doch erzählen, dass eine Wohnung in München, die 1 Mio. Euro kostet, sich der "Kleine Mann" leisten kann, und deshalb Baukindergeld braucht! Die sollten das "C" und das "S" aus dem Parteinamen streichen!
jorge1982 21.11.2018
3.
Kostenfreie Kitaplätze und flexiblere Betreuungszeiten werden den meisten Familien wirklich kurz- und langfristig mehr bringen als Baukindergeld. Das geht 1:1 in die Taschen der Makler und Grunderwerbssteuer und treibt die Preise nur noch höher. Meine Frau hat kürzlich wieder mit arbeiten angefangen - wir bezahlen aktuell mehr für die Kinderbetreuung als sie verdient. (mal gucken was die nächste Steuererklärung daraus macht) Das muss man sich erstmal leisten können.
dt24535322 21.11.2018
4. Markt regelt es nicht
Der Vorschlag der OECD macht Sinn, hilft aber nicht gegen die Wohnungsnot. Helfen würde es im großen Maßstab Sozialwohnungen zu bauen und mal einen Blick auf Städte wie Wien zu werfen, die diese Probleme nicht in dem Umfang haben. Die Lösungen sind vorhanden - es fehlt alleine der politische Wille - warum auch immer. Der Markt regelt es nicht.
dr.eldontyrell 21.11.2018
5. Grade in Deutschland,
in dem Land Europas, in dem die Bürger im Vergleich die wenigsten Wohneigentum besitzen oder sich leisten können, eine absolute Ungerechtigkeit. Und da ändern auch 1200,-EU Baukindergeld nichts dran. Wer sich so kein Haus leisten kann, kann es auch mit Baukindergeld nicht. Nur eine weitere Finanzspritze für die, die sich eh ein Haus leisten können. Der dumme Mieter mit Mickerlohn und keiner Chance auf Eigentum zahlt dieses Bonbon mit. Umverteilung von unten nach oben die hundertste...
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.