OECD-Studie EU profitiert besonders von Zuwanderern aus Osteuropa

Deutschland debattiert heftig über Zuwanderer aus Rumänien und Bulgarien. Eine neue OECD-Studie verdeutlicht: Gerade Migranten aus Osteuropa tun der EU gut. Sie helfen, Verwerfungen auf dem Arbeitsmarkt zu glätten.

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Rumänische Arbeiter in einem Wohncontainer in Osnabrück: Positiver Effekt
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Rumänische Arbeiter in einem Wohncontainer in Osnabrück: Positiver Effekt


Hamburg - Maria-José aus Spanien ist Anfang 20, hat einen Abschluss in Literaturwissenschaften und ist arbeitslos. Auch in ihrer neuen Heimat Deutschland hat sie kein Glück. Der gleichaltrige Pawel aus Polen dagegen ist Facharbeiter und kann sich vor Jobangeboten aus dem Nachbarland kaum retten. Die zwei fiktiven Beispiele zeigen: Ein durchschnittlicher Zuwanderer aus Osteuropa findet vergleichsweise rasch eine Beschäftigung im Westen der EU. Für Südeuropäer ist es in Nordeuropa dagegen schwieriger. So zumindest lässt sich das Ergebnis einer neuen Studie der Industriestaaten-Vereinigung OECD zusammenfassen, die SPIEGEL ONLINE exklusiv vorliegt.

Die Untersuchung passt in die Diskussion, die derzeit in Deutschland rund um die Zuwanderung aus Bulgarien und Rumänien tobt. Seit Anfang des Jahres dürfen Personen aus diesen zwei EU-Ländern unbeschränkt in Deutschland arbeiten. Vor allem die CSU macht daher seit Wochen Stimmung gegen mögliche Armutszuwanderer aus Osteuropa. Das Phänomen ist nicht wirklich neu: Ähnliche Vorbehalte gab es schon, als die Schranken für Polen, Ungarn und Tschechen im Jahr 2011 fielen. Oder noch viel früher, als Stimmung gegen die angebliche Massenzuwanderung portugiesischer Zimmermänner gemacht wurde.

Doch bislang bewahrheitet sich keines der Horrorszenarien - und das trotz der schweren Krise der vergangenen Jahre. Im Gegenteil: Die Arbeitsmigration nutze Europa und trage zum Abbau von sogenannten Ungleichgewichten auf dem Kontinent bei, wie die vier OECD-Autoren Julia Jauer, Thomas Liebig, John P. Martin und Patrick Puhani feststellen. Im Klartext: Migranten helfen, die Arbeitslosigkeit in ihren Herkunftsländern zu lindern und übernehmen in ihrer neuen Heimat häufig Jobs, die sonst nicht besetzt werden könnten.

Vor allem Bürger außerhalb der Euro-Zone, also überwiegend aus den neuen oder neueren EU-Ländern, machten sich in den vergangenen Jahren auf den Weg. Deutlich mehr als solche aus südlichen Krisenländern wie Spanien, Italien oder Griechenland. So sind es vor allem Zuwanderer aus Polen, Ungarn, Tschechien, Rumänien oder Bulgarien, die dabei helfen, die Ungleichgewichte auf den europäischen Arbeitsmärkten auszugleichen.

62 Prozent der Bulgaren und Rumänen in Deutschland arbeiten

Erstaunlich ist, dass insbesondere Staatsangehörige aus dem südlichen Europa, die in ein anderes Land innerhalb der Euro-Zone ziehen, vergleichsweise selten Arbeit finden. Die Studienautoren erklären sich dies damit, dass Südeuropäer besonders oft sehr gut ausgebildet sind. Die Mehrheit dieser Migranten verfügt demnach über einen Universitätsabschluss und ist entsprechend oft überqualifiziert für einfache Tätigkeiten im Zielland. Es gibt allerdings auch einige Unterschiede innerhalb der südeuropäischen Zuwanderer: Während der Anteil der gut ausgebildeten Migranten aus Griechenland und Italien 60 Prozent und mehr beträgt, ist nur etwa ein Viertel der Migranten aus Portugal sehr gut ausgebildet.

Im Vergleich sind Migranten aus Osteuropa überdurchschnittlich oft in ihrem Zielland beschäftigt, selbst wenn sie in ihrer Heimat arbeitslos waren. Auch ausgewanderte Bulgaren und Rumänen finden den OECD-Angaben zufolge oft eine Arbeit: In Großbritannien etwa waren im Zeitraum 2011/2012 gut 76 Prozent der nach 2007 eingewanderten Rumänen und Bulgaren im Erwerbsalter (zwischen 15 und 64 Jahren) auch tatsächlich beschäftigt. In Deutschland hatten 62 Prozent der in den vergangenen fünf Jahren Zugewanderten Bulgaren und Rumänen aus dieser Altersgruppe einen Job.

Unterm Strich lässt sich aus der OECD-Studie folgern: Die Freizügigkeit bringt den Arbeitsmarkt innerhalb Europas deutlich voran, vor allem zwischen Ost und West. Innerhalb der Euro-Zone, also vor allem zwischen Nord und Süd, sind die positiven Effekte dagegen weniger stark.

Die Autoren haben die Entwicklung in Europa außerdem mit den USA verglichen, wo die Arbeitswanderung eine vergleichbare Rolle spielt. Doch inzwischen hätten sich die Verhältnisse umgekehrt: Vor der Finanzkrise, urteilen die Experten, sei die Reaktion der Beschäftigten auf Arbeitsmarktschocks in den USA mobiler gewesen als in Europa. Mit anderen Worten: US-Amerikaner waren eher bereit, sich einen neuen Job fernab der Heimat zu suchen. Seit der Finanzkrise aber seien die Europäer deutlich mobiler.



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insgesamt 188 Beiträge
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Seite 1
zephyroz 11.01.2014
1. Niemand hat etwas gegen...
… die Menschen, die zu uns kommen und zu unserer Gesellschaft substantiell etwas beitragen. Wir müssen langsam lernen, die Zuwanderung zu praktizieren, wie in Kanada, Australien, Neuseeland etc… Eine Gesellschaft darf schon Regeln aufstellen und kann dennoch offen sein. Eine Gesellschaft darf erwarten, daß der Zuwanderer aktiv anpackt. Zuwanderung nur ins soziale Netz führt am Ende ins Chaos.
women_1900 11.01.2014
2.
Welche Verwerfungen in ihrem Heimatland hinterlassen die Einwanderer? In Bulgarien gehen z.B. Menschen gegen Korruption und für Demokratie auf die Straße. Hier ist der Ansatz: man muss diese Länder entwickeln. Das geht aber nicht mehr, wenn die "nur" die Ausbildungsstätte für andere EU Länder sind. Diese OECD Studie stelle ich in die Ecke:" Versuch der Gehirnwäsche". All den Studien glaube ich nichts mehr.
Zapallar 11.01.2014
3.
Zitat von sysopDPADeutschland debattiert heftig über Zuwanderer aus Rumänien und Bulgarien. Eine neue OECD-Studie verdeutlicht: Gerade Migranten aus Osteuropa tun der EU gut. Sie helfen, Verwerfungen auf dem Arbeitsmarkt zu glätten. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/oecd-studie-europa-profitiert-von-zuwanderern-aus-osteuropa-a-942842.html
Und die anderen 38% leben wovon? Warum konnten die Jobs nicht besetzt werden?
iconoclasm 11.01.2014
4.
Zitat von sysopDPADeutschland debattiert heftig über Zuwanderer aus Rumänien und Bulgarien. Eine neue OECD-Studie verdeutlicht: Gerade Migranten aus Osteuropa tun der EU gut. Sie helfen, Verwerfungen auf dem Arbeitsmarkt zu glätten. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/oecd-studie-europa-profitiert-von-zuwanderern-aus-osteuropa-a-942842.html
Und es wird wieder fröhlich alles in einen Topf geworfen wenn man etwas verdecken möchte. Wie wenn es Probleme mit einer bestimmten Gruppe Ausländer gibt ("Südländer"), Statistiken herhalten müssen das Ausländer im Schnitt schlauer sind, so werden hier wieder alle Osteuropäer in einen Topf gesteckt. Probleme gibt es doch wieder mal nur mit einer klar benennbaren Gruppe, warum darunter jetzt alle Polen, Bulgaren, Rumänen, alles Leute die ich in verschiedenen Lebenssituationen zu schätzen gelernt habe, leiden müssen ist mir vollkommen unklar.
acitapple 11.01.2014
5.
und zwar sehen die verwerfungen so aus, dass unternehmen weiterhin niedrigstlöhne zahlen können, weil genügend migranten kommen, die bereit sind für hungerlöhne zu arbeiten. natürlich sorgen die auswanderer dafür, dassin deren heimatland dann die statistik schöner aussieht. interessant, wie die studie gedeutet wird...
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