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Studie zum Arbeitsmarkt: OECD fordert Deutschland zum Handeln bei Langzeitarbeitslosigkeit auf

Mitarbeiter in einem Werk für Dampfturbinen: Begrüßung des Mindestlohns Zur Großansicht
AP

Mitarbeiter in einem Werk für Dampfturbinen: Begrüßung des Mindestlohns

Die Industrieländerorganisation OECD sieht Fortschritte auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Doch das hartnäckigste Problem sei die Langzeitarbeitslosigkeit. Nun solle die Regierung handeln.

Paris - Der deutsche Arbeitsmarkt entwickelt sich trotz der jüngsten Konjunkturschwäche positiv. Die nach internationalen Maßstäben berechnete Arbeitslosenquote dürfte 2015 unter die Marke von fünf Prozent fallen, heißt es in dem jüngsten Beschäftigungsausblick der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), einem Zusammenschluss von 34 Industrieländern.

Die Zahlen richten sich nach der Definition der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO), die wiederum von der der Bundesagentur für Arbeit abweicht. Daher ergeben sich auch unterschiedliche Werte. Der Bundesagentur zufolge waren in Deutschland im August 2,9 Millionen arbeitslos gemeldet. Das entspricht etwa einer Quote von 6,7 Prozent, laut OECD sind derzeit 5,1 Prozent der Deutschen arbeitslos.

Ein Problem sehen die Experten allerdings auch für Deutschland: Die Langzeitarbeitslosigkeit sei zwar so stark zurückgegangen wie in keinem anderen OECD-Land, sie sei allerdings immer noch wesentlich ausgeprägter als im Rest der untersuchten Länder. Dem Bericht zufolge sind nahezu 45 Prozent aller Arbeitslosen in Deutschland schon länger als ein Jahr ohne Job, im OECD-Durchschnitt seien es 35 Prozent.

Die Betroffenen und deren Familien bringe das in eine schwierige Lage. Zudem könne sich Langzeitarbeitslosigkeit verfestigen und zu einem strukturellen Problem werden. "Deutschland sollte daher Programme ausweiten, die Langzeitarbeitslosen gezielt Lohnsubventionen, Beratung, Weiterbildung und Weiterbetreuung im neuen Job anbieten", sagte OECD-Expertin Kristine Langenbucher.

Lage in Krisenländern bleibt angespannt

Lohnkürzungen seien kein probates Mittel, um die Arbeitslosigkeit einzudämmen. Weitere Kürzungen seien kontraproduktiv und würden weder neue Jobs noch mehr Nachfrage schaffen. Deshalb begrüßen die Experten die Einführung eines Mindestlohns in Deutschland. Die Lohnuntergrenze berge aber auch Risiken für die Beschäftigungschancen von Arbeitskräften in bestimmten Regionen und mit wenig Erfahrung oder geringen Qualifikationen. Die Auswirkungen des Mindestlohns müssten daher evaluiert und im Zweifelsfall weiter angepasst werden.

Die OECD-Experten bewerten in ihrer Studie die jüngsten Entwicklungen und kurzfristigen Prognosen für die Arbeitsmärkte im OECD-Raum und in wichtigen Schwellenländern. Die Lage in den Krisenländern dürfte demnach angespannt bleiben. In Spanien und Griechenland habe es zwar einen leichten Rückgang der Arbeitslosenquote gegeben, dennoch sei immer noch ein Viertel der Bevölkerung ohne Job. Auch in Italien, Portugal, Slowenien und der Slowakei werde die Arbeitslosigkeit auf absehbare Zeit über zehn Prozent liegen.

Das Weltwirtschaftsforum (WEF) sieht die Entwicklung des deutschen Arbeitsmarktes hingegen kritischer. Im jüngsten WEF-Ranking zur Wettbewerbsfähigkeit büßte die Bundesrepublik zwei Ränge ein. Deutschland müsse sich mehr bemühen, Ausländer und Frauen dauerhaft in den Arbeitsmarkt zu integrieren, um der Alterung der Gesellschaft zu begegnen, hieß es. Zudem müsse beobachtet werden, inwiefern die Einführung des Mindestlohns die Flexibilität des Arbeitsmarkts beeinflussen werde.

Wettbewerbsfähigkeit 2014/15
Rang Land
Punktwert (1-7)
Rang im Vorjahr
1 Schweiz 5.70 1
2 Singapur 5.65 2
3 USA 5.54 5
4 Finnland 5.50 3
5 Deutschland 5.49 4
6 Japan 5.47 9
7 Hong Kong SAR 5.46 7
8 Niederlande 5.45 8
9 Großbritannien 5.41 10
10 Schweden 5.41 6
... ... ... ...
135 Burkina Faso 3.21 140
136 Osttimor 3.17 138
137 Haiti 3.14 143
138 Sierra Leone 3.10 144
139 Burundi 3.09 146
140 Angola 3.04 142
141 Mauretanien 3.00 141
142 Jemen 2.96 145
143 Tschad 2.85 148
144 Guinea 2.79 147

Quelle: Global Competitiveness Index / World Economic Forum
2013/14 - 148 bewertete Staaten
2014/15 - 144 bewertete Staaten

vks/Reuters

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insgesamt 44 Beiträge
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1. Hmm
ti_andreas 03.09.2014
Ich denke nicht, dass Lohnsubventionen etc. viel an der Sache ändern werden. Ein nicht unerheblicher Teil der Langzeitarbeitslosen ist zum Arbeiten gar nicht fähig bzw. zu gebrauchen. Aber mit genug "Neusprech" und "Neuschreib" kann man sich das Problem ja schön reden. :-)
2.
kdshp 03.09.2014
Wir müssen uns damit abfinden das von den "5%" arbeitslosen ein bestimmter %satz keine arbeit mehr bekommt.
3.
L!nk 03.09.2014
Der Sinn der Langzeitarbeitslosen besteht doch darin, dass immer wieder neu gegründete Deppenfirmen mit armseligen "Wiedereingliederungskursen" an ihnen ihr Geld verdienen können. Und als Buhmänner der deutschen Gesellschaft sind sie auch unverzichtbar, sonst würde die "Mittelschicht" merken, das sie eigentlich die Unterschicht ist.
4. Wie war....
warndtbewohner 03.09.2014
ich Dipl.-Kfm. 56, berufserfahren, mehrsprachig und mobil suche seit 7 Jahren einen Job von dem Mann leben kann. Ich habe mich auf alles Mögliche beworben, hunderte von Bewerbungen und Fortbildungen. Alles umsonst, stehts zu alt oder überqualifiziert waren die Antworten.
5. Realisimus
abby_thur 03.09.2014
Es wird immer einen bestimmten Prozentsatz an Menschen geben, die für keine Arbeit nützlich sind, zumindest für keine Erwerbsarbeit.
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