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OECD-Studie: Industriestaaten droht die Kreditklemme

Geht den Industriemächten bald das Geld aus? Laut einer Studie der OECD werden die Finanzmärkte im kommenden Jahr vielen Regierungen nicht genug Geld leihen. So drohen auch Frankreich und Österreich bald Probleme bei der Kreditaufnahme.

Händler an der Wall Street: "Animal spirits" wüten an den Finanzmärkten Zur Großansicht
AFP

Händler an der Wall Street: "Animal spirits" wüten an den Finanzmärkten

London - Georgios Papandreou in Griechenland, Silvio Berlusconi in Italien, José Luis Rodríguez Zapatero in Spanien: Die Schuldenkrise in der Euro-Zone hat in diesem Jahr bereits einige Regierungschefs den Posten gekostet. Und ein Ende der Turbulenzen ist weiter nicht in Sicht. Einem Bericht der "Financial Times" zufolge rechnet die Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) für das kommende Jahr mit einer Verschärfung der Gefahr für die Stabilität von Regierungen und Volkswirtschaften durch zu hohe Staatsverschuldung.

Die Zeitung stützt sich auf den "Borrowing Outlook" der OECD, den die Organisation noch im Dezember vorlegen will. Die Studie untersucht, wie viel neue Schulden die 34 OECD-Staaten im kommenden Jahr voraussichtlich aufnehmen wollen.

Demnach wird der weltweite Bedarf an frischem Geld im kommenden Jahr einen neuen Höhepunkt erreichen: 10,5 Billionen Dollar werden sich die Staaten im Jahr 2012 leihen müssen - vor allem, weil bestehende Verbindlichkeiten auslaufen und durch neue abgelöst werden müssen. In diesem Jahr mussten die Regierungen 10,4 Billionen Dollar einsammeln. Das bedeutet laut dem Bericht im Vergleich zum Jahr 2005 fast eine Verdopplung des Finanzbedarfs.

Bereits jetzt haben viele Industriestaaten wie Italien und Spanien erhebliche Schwierigkeiten, an den Anleihenmärkten überhaupt noch Abnehmer für ihre Schuldpapiere zu akzeptablen Zinsen zu finden. Der OECD-Bericht nennt Frankreich und Österreich als weitere Wackelkandidaten.

Moody's sieht Euro-Zone nach EU-Gipfel weiter unter Druck

Entsprechend deutliche Worte wählt die OECD, in der die wichtigsten Industriestaaten der Welt vertreten sind, in ihrer Prognose. Die Organisation warnt in ihrem Bericht laut der "Financial Times", die Unberechenbarkeit der Märkte - wörtlich spricht das Papier von den "animal spirits" - bedrohe die Stabilität vieler Regierungen. Laut einem OECD-Vertreter unterhöhlen die extrem hohen Zinsen zunehmend die Staatsfinanzierung.

Der starke Anstieg des Finanzierungsbedarfs der Staaten ist dabei bereits eine Folge der Entwicklungen in den vergangenen Jahren. Seit Beginn der globalen Finanzkrise 2007 ist der Anteil der Staatsschulden mit kurzen Laufzeiten sprunghaft gestiegen. Zurzeit beträgt er laut der OECD 44 Prozent. Die Ursache: Oft gelingt es Staaten nur noch, Geld über relativ kurze Zeiträume zu leihen. Dadurch können sie jedoch kein langfristig planbares Schuldenmanagement betreiben und müssen in immer kürzeren Abständen auf das Wohlwollen der Anleihenmärkte hoffen, deren Verhalten der Bericht als turbulent und unvorhersehbar darstellt.

Illustriert wird die dramatische Situation durch die Reaktion von Moody's auf die Ergebnisse des EU-Gipfels Ende vergangener Woche: Die Rating-Agentur hat trotz weitreichender Beschlüsse zur Haushaltskontrolle ihre Warnung an die EU-Staaten bekräftigt. Die Kreditwürdigkeit aller EU-Staaten werde im ersten Quartal 2012 einer genauen Prüfung unterzogen. Die Beschlüsse des Gipfels gehen der Agentur nicht weit genug. Vor allem kurzfristige Maßnahmen zur Stabilisierung der angespannten Kreditmärkte fehlten.

Italien erhält nach EU-Gipfel frisches Geld zu etwas besseren Konditionen

Nur wenige der auf dem Gipfel angekündigten Krisenmaßnahmen seien neu, bemängelt Moody's, vieles ähnele früheren Ankündigungen. Die europäische Schuldenkrise hat laut der Agentur eine kritische Phase erreicht, da die Kreditmärkte für Banken und Staaten nach wie vor anfällig für Schocks seien. Selbst ohne weitere Solvenzproblemen in der Euro-Zone seien Bonitätsabstufungen in den kommenden Monaten möglich. Bereits im November hatte der Rating-Riese vor einem Zerfall der Euro-Zone gewarnt.

Trotz der düsteren Bewertung durch Moody's hat Italien am Montag nach dem EU-Gipfel auf den Anleihenmärkten etwas günstigere Konditionen für frisches Geld erhalten: Insgesamt nahm der Staat bei der Auktion sieben Milliarden Euro auf. Für eine Schuldverschreibung mit einer Laufzeit von einem Jahr lag die Rendite laut der italienischen Notenbank bei 5,952 Prozent. Bei der letzten vergleichbaren Auktion Anfang November hatte die Rendite noch bei 6,087 Prozent gelegen. Insgesamt war die Nachfrage bei der Versteigerung 1,92fach höher als das Angebot.

fdi/dpa

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insgesamt 15 Beiträge
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1. Guthabenkrise …
wika 12.12.2011
… so sollte man es korrekt bezeichnen, denn auch die Verleiher sind in höchster Not, denn welchen Schrottbonitäten sollen sie ihr gutes Geld jetzt hinterher werfen, auf das es weiter große Geldberge gebäre und nicht verrecke. Lassen sie sich mal den Sachverhalt von kompetenter Seite erläutern: Schuldenkrise eskaliert, jetzt auch noch Guthabenkrise (http://qpress.de/2011/12/05/schuldenkrise-eskaliert-jetzt-auch-noch-guthabenkrise/) … und lassen mal einen Vertreter der „Anonymen Billionäre“ zu Wort kommen, dann wird alles viel klarer und ist auch viel unterhaltsamer. Wenn etwas bei uns klemmt, dann ist es offensichtlich nur das Verständnis für das völlig kaputte Geldsystem, völlig unabhängig von jeder Währung. Also kein Euro oder Dollar Problem, schlicht das System höchst selbst.
2. Wir schreiben
idealist100 12.12.2011
Zitat von sysopGeht den Industriemächten bald*das Geld aus? Laut einer Studie der OECD werden die Finanzmärkte im kommenden Jahr vielen Regierungen nicht genug Geld leihen. Die Stabilität der Länder gerät durch die andauernden Marktturbulenzen nachhaltig in Gefahr, warnt die Organisation. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,803128,00.html
Wir schreiben das Jahr 2013, die Regierungen bekommen die selbst verschuldete Kreditklemme nicht in den Griff. Deutschland führt über Ostern die DM mit einer Umtauschquote 1:1 wieder ein und kündigt alle Verbindlichkeiten bei den Banken, Versicherungen etc. auf. Die Bürger, welche Euro Guthaben bei Banken, Versicherungen etc. haben werden gegen Vorlage bis 100.000.-€ sprich NEU DM entschädigt. Alles darüber hinaus gehende ist verlustigt. Die Banken Börsen etc. welche nicht genug Eigenkapital mehr haben werden verstaatlicht und ohne Ersatz der Anteilseigenr abgewickelt. Die sog. Volksparteien werden bei der Wahl im September in die Versenkung gewählt und eine neue Nationale Partei erhält 35%.
3. Die Finanzverbrecher Top-10 des Jahrzehnts
hartenstein123 12.12.2011
Zitat von sysopGeht den Industriemächten bald*das Geld aus? Laut einer Studie der OECD werden die Finanzmärkte im kommenden Jahr vielen Regierungen nicht genug Geld leihen. Die Stabilität der Länder gerät durch die andauernden Marktturbulenzen nachhaltig in Gefahr, warnt die Organisation. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,803128,00.html
Fundstück: Die Finanzverbrecher Top-10 des Jahrzehnts « nigecus (http://techinno.wordpress.com/2010/01/23/fundstuck-die-finanzverbrecher-top-10-des-jahrzehnts/) Bisher konnte sich die Finanzmafia ziemlich sicher sein, dass sie mit ihren Schweinereien ungestört und ungestraft weitermachen kann. Nun aber scheint die Protestwelle gegen die Spekulanten/Banditen/Banken auch in Deutschland angekommen zu sein. Zwar schlafen SPD (Gute Nacht, Herr Steinbrück !), Grüne (machen nur getürkte Politik) und Gewerkschaftsbonzen (sollten endlich mal wieder in einem normalen Beruf arbeiten !) wie gewohnt weiter, aber trotzdem tut sich was, wie man einem Artikel in Manager-Magazin online entnehmen kann. Erfreulich auch, dass offenbar weitere Steuerhinterzieher enttarnt sind und nun hoffentlich ihre gerechte Strafe bekommen. Die Zeiten, in denen sich die Superreichen schamlos auf Kosten der übrigen Bevölkerung noch mehr bereichern konnten, müssen jetzt aufhören.
4. Erbärmlich!
E0Neun 12.12.2011
Zitat von sysopGeht den Industriemächten bald*das Geld aus? Laut einer Studie der OECD werden die Finanzmärkte im kommenden Jahr vielen Regierungen nicht genug Geld leihen. Die Stabilität der Länder gerät durch die andauernden Marktturbulenzen nachhaltig in Gefahr, warnt die Organisation. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,803128,00.html
Da muß man halt mal ein paar Steuern erhöhen und für die restlichen Kredite Sicherheiten stellen. Damit sollte sich die Finanzierung ohne weiteres sichern lassen. Aber man will weder das eine noch das andere, weil es unbequem ist. Also tourt man lieber mit dem Bettelsack um die Welt von China bis zum IWF und barmt mit seiner schlechten Finanzlage und pumpt die an, die noch dazu wesentlich weniger wohlhabend sind und das Geld eigentlich doch dringender brauchen, als sie selbst. Erbärmlich!
5. Titel sieht das
ratxi 12.12.2011
Zitat von wika… so sollte man es korrekt bezeichnen, denn auch die Verleiher sind in höchster Not, denn welchen Schrottbonitäten sollen sie ihr gutes Geld jetzt hinterher werfen, auf das es weiter große Geldberge gebäre und nicht verrecke. Lassen sie sich mal den Sachverhalt von kompetenter Seite erläutern: Schuldenkrise eskaliert, jetzt auch noch Guthabenkrise (http://qpress.de/2011/12/05/schuldenkrise-eskaliert-jetzt-auch-noch-guthabenkrise/) … und lassen mal einen Vertreter der „Anonymen Billionäre“ zu Wort kommen, dann wird alles viel klarer und ist auch viel unterhaltsamer. Wenn etwas bei uns klemmt, dann ist es offensichtlich nur das Verständnis für das völlig kaputte Geldsystem, völlig unabhängig von jeder Währung. Also kein Euro oder Dollar Problem, schlicht das System höchst selbst.
So ist es. Schauen wir uns das Ganze mal von weitem an, wird auch klar, dass es eigentlich unmöglich für "Staaten" sein sollte, überhaupt Schulden zu haben, zumindest langfristige, die sowieso nicht eingelöst, sondern nur durch neue erstezt werden. Denn diese werden dann jedem Bürger, wenn er volljährig ist, quasi per Erbsünde auferlegt. Er hat dafür zu arbeiten, ob er will oder nicht, jedoch nicht ohne gleichzeitig die satten Pensionen zu erwirtschaften, die die Verursacher der Misere dann gerade verpulvern. Ich hoffe, die Jugend sieht das und verweigert sich diesem System völlig.
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