OECD-Studie Steuerlast steigt für die Deutschen deutlich

Krankenkasse, Tabaksteuer, Luftverkehrsabgabe - im vergangenen Jahr sind Steuern und Abgaben in Deutschland laut einer OECD-Studie so stark gestiegen wie in kaum einem anderen Industriestaat. Dennoch ist die Belastung in anderen Ländern noch deutlich höher.

Akten im Finanzamt Straubing: Einnahmen wachsen schneller als die Wirtschaft
DPA

Akten im Finanzamt Straubing: Einnahmen wachsen schneller als die Wirtschaft


Hamburg - Der Staat will immer mehr Geld - dieses diffuse Gefühl dürfte schon so manchen Bürger beim Studium seines Steuerbescheids beschlichen haben. In Deutschland trifft es zumindest für das vergangene Jahr zu - das zeigt eine neue Studie der Industrieländerorganisation OECD. Demnach stieg der Anteil von Steuern und Sozialabgaben an der jährlichen Wirtschaftsleistung um einen Prozentpunkt auf 37,1 Prozent.

"Unter 29 Ländern, für die die OECD über Daten verfügt, gehört Deutschland zur Gruppe mit der höchsten Steigerung", teilte die Organisation mit. Noch stärker als in Deutschland stieg die Belastung nur in Chile, Frankreich und Tschechien.

Die Bundesregierung hatte 2011 den Beitragsatz zur gesetzlichen Krankenversicherung von 14,9 auf 15,5 Prozent und den zur Arbeitslosenversicherung von 2,8 auf 3,0 Prozent angehoben. Außerdem wurden die Tabaksteuer erhöht sowie die Luftverkehrsabgabe und die Brennelementesteuer eingeführt. Bei der Lohnsteuer profitiert der Staat zudem von heimlichen Steuererhöhungen - der sogenannten kalten Progression.

Auch wenn die Belastung in Deutschland im vergangenen Jahr deutlich stieg, ist sie im internationalen Vergleich eher moderat. Zwar liegt Deutschland mit 37 Prozent über dem OECD-Schnitt von 34 Prozent. Länder wie Dänemark (48 Prozent), Schweden und Belgien (44 Prozent) oder auch Italien (knapp 43 Prozent) langen ihren Bürgern jedoch gemessen an der Wirtschaftsleistung noch deutlich tiefer in die Tasche.

In den Jahren 2009 und 2010 war die Steuerlast laut OECD in vielen Ländern zurückgegangen - aufgrund der Rezession und auch, weil die Regierungen versuchten, mit Steuersenkungen ihre Wirtschaft anzukurbeln. Inzwischen steige die Belastung wieder, weil in progressiven Steuersystemen die Einnahmen schneller wachsen als das Bruttoinlandsprodukt. Zudem hätten viele Regierungen die Steuern zuletzt wieder erhöht.

"Die Erhöhung der Steuereinnahmen im Jahr 2011 unterstützt in vielen Ländern die Konsolidierungsbemühungen", sagte OECD-Generalsekretär Angel Gurría. Allerdings müssten die Mitgliedsländer zugleich für langfristiges Wachstum und neue Arbeitsplätze sorgen.

dab/Reuters

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