OECD-Studie zur Steuerbelastung Deutschland päppelt kinderlose Singles

Deutschland hat die Abgabenlast gesenkt - doch nicht alle profitieren davon. Eine OECD-Studie offenbart: Kinderlose Top-Verdiener sind die großen Gewinner. Das Nachsehen haben jene, die ohnehin schon wenig zur Verfügung haben.

Geld im Portemonnaie: "Kinderlose Spitzenverdiener haben profitiert"
dapd

Geld im Portemonnaie: "Kinderlose Spitzenverdiener haben profitiert"


Berlin - Reiche Singles ohne Kinder können sich freuen: Sie mussten im Jahr 2010 laut einer aktuellen Studie deutlich weniger Steuern und Abgaben zahlen als vor zehn Jahren. Allerdings sind sie nur besonders große Profiteure der Steuerpolitik der Bundesregierungen. Denn die Belastungen sanken im vergangenen Jahrzehnt für alle Arbeitnehmer. Nur eine Gruppe profitierte von der Entwicklung fast gar nicht: Alleinerziehende, die weniger verdienen als der Durchschnitt, führten fast genau so viel an den Staat ab wie im Jahr 2000.

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat für die Studie ihre 34 Mitgliedsländer miteinander verglichen. Und kommt zu drei interessanten Ergebnissen:

  • In zwei von drei Ländern mussten Arbeitnehmer 2010 im Schnitt mehr Steuern und Abgaben zahlen als 2000.
  • In Deutschland ist die Gesamtbelastung stärker gesunken als in den anderen Industriestaaten.
  • Geringverdiener werden in der Bundesrepublik stärker belastet als in anderen Industriestaaten.

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Steuer- und Abgabenlast: So viel zahlen Deutsche an den Staat
Den Rückgang der Steuer- und Sozialabgaben in Deutschland erklärt die Studie mit höheren Kinderfreibeträgen und geringen Änderungen des allgemeinen Steuerfreibetrags. Für einen durchschnittlichen unverheirateten Angestellten ohne Kinder sank die Gesamtbelastung um 1,84 Prozentpunkte - nur Ungarn lag mit einem Minus von 6,65 Prozentpunkten darüber. "Auf mittlere Sicht haben vor allem kinderlose Spitzenverdiener von den Entlastungen der vergangenen Jahre profitiert", heißt es in einer Pressemitteilung der OECD.

Der überdurchschnittliche Rückgang in Deutschland bedeutet allerdings nicht, dass die Belastung mit Steuern und Sozialabgaben in der Bundesrepublik vergleichsweise niedrig ist. Die Gesamtbelastung liege weiterhin deutlich über dem OECD-Schnitt, teilte die Organisation mit.

In Deutschland gilt vor allem das Prinzip "Wer wenig hat, dem wird viel genommen". So musste ein unverheirateter Geringverdiener mit zwei Kindern 29,7 Prozent seines Gehaltes abführen. Im OECD-Schnitt sind es gerade einmal 15,8 Prozent.

Verheiratete sind da besser dran: Einem Ehepaar mit zwei Kindern, bei dem nur ein Partner arbeitet und durchschnittlich gut verdient, werden 32,6 Prozent des Gehalts abgezogen. Das sind nur 7,8 Prozentpunkte mehr als der OECD-Schnitt von 24,8 Prozent.

Die OECD-Studie berücksichtigte für die Berechnungen allgemeine Transferleistungen wie Kindergeld, Sozialversicherungsbeiträge der Arbeitnehmer und Arbeitgeber und pauschale Steuer-Absetzungen wie Werbungskosten. Nicht enthalten in der Kalkulation sind andere Einkunftsarten wie aus selbstständiger Arbeit oder Vermietung einer Wohnung und bestimmte Steuerabschläge wie die Pendler-Pauschale. Auch Transferleistungen, die ausschließlich an Bezieher geringer Einkommen gezahlt werden (zum Beispiel Wohngeld), fließen nicht in die Rechnung ein.

sdm

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insgesamt 97 Beiträge
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Seite 1
Kalaharry 11.05.2011
1. Selbstbedienungsladen der Politiker
Zitat von sysopDeutschland hat die Abgabenlast gesenkt - doch nicht alle profitieren davon. Eine OECD-Studie offenbart: Kinderlose Top-Verdiener sind die großen Gewinner. Das Nachsehen haben jene, die ohnehin schon wenig zur Verfügung haben. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,761888,00.html
Wundert das noch wirklich jemanden in diesem kinderfeindlichen Land? Schließlich sind drei Viertel der Regierung und der Großteil der Parlamentszecken nichts anderes als kinderlose Top-Verdiener. Oder glaubt wirklich noch jemand, dass Merkel, Westerwell, Brüderle und Co. ernsthaft Politik für Familien machen?
a.weishaupt 11.05.2011
2. Was auch nicht einfließt..
..ist, daß in Deutschland einige heftige Nachteile in Form weiterer Steuern dazukommen. Beispiel Frankreich: 20000 EUR steuerfreie Zinsen im Jahr - bei uns von ehemals über 5000 DM auf 800 EUR gesunken. Ein langfristiger Vermögensaufbau ist wegen der Abgeltungssteuer bzw. fehlender Freibeträge und der sich daraus faktisch ergebenden Besteuerung von Inflation selbst mit gehobenem Arbeitslohn kaum noch möglich.
rsi 11.05.2011
3. Je nach dem, wie man es liest.
Interessant ist schon mal die Feststellung, das die Steuer/Abgabenlast knapp 50% sind. D.h. der Durchschnittsverdiener gibt 50% an den Staat ab. Dann ist noch, das die Sozialabgaben nochmal 50% ausmachen. Das ist fürsorglich beiseite gelegtes Einkommen, besonders in den unteren Schichten. Also bekommt der Durchschnittverdiener ca. 1/4 seines Einkommens selbst in die Hand, der "Rest" sind Abgaben. Das Geld bekommen vor allem die unteren Einkommen dann (abzgl. behördlicher Verwaltungsgebühren) dann als Transfer- oder Sonstwieleistung zurück.
bunterepublik 11.05.2011
4. ???
Zitat von KalaharryWundert das noch wirklich jemanden in diesem kinderfeindlichen Land? Schließlich sind drei Viertel der Regierung und der Großteil der Parlamentszecken nichts anderes als kinderlose Top-Verdiener. Oder glaubt wirklich noch jemand, dass Merkel, Westerwell, Brüderle und Co. ernsthaft Politik für Familien machen?
Aber hallo, zumindest eine besserer Politik als SPD, Grüne etc...die außer Palaver nichts zustande bringen..die Jahre von 1998 bis 2005 waren ja nicht gerade mit Entlastungen für Familien gesegnet.... Es ist nur mal wieder einfach, gegen die bürgerliche Regierung zu polemisieren, da die ja so wenig sozial sind und kinderfeindlichkeit dazu passt....
zerosoul85 11.05.2011
5. glanzleistung
glückwunsch, in einem land in dem so extrem viele kinder geboren werden, ist das genau das mittel was wir brauchen.
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