Öffentlicher Dienst Das bedeutet die Tarifeinigung für die Beschäftigten

Ver.di-Chef Bsirske spricht von "spektakulären" Verbesserungen, die Bundesländer von einem "finanziellen Kraftakt": Die Tarifeinigung im öffentlichen Dienst der Länder ist da. Der Überblick.

Krankenpflegerin (l.) in Berlin
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Krankenpflegerin (l.) in Berlin



MEHR GELD FÜR ALLE


Die Gehälter steigen in drei Schritten:

  • ab dem 1. Januar 2019 um 3,2 Prozent,
  • ab dem 1. Januar 2020 erneut um 3,2 Prozent,
  • ab dem 1. Januar 2021 um weitere 1,4 Prozent.

Wichtig: Diese Prozentangaben beziehen sich auf das Gesamtvolumen der Tarifeinigung - es sind also auch die Mindestbeträge und größeren Erhöhungen für Einsteiger (siehe unten) eingerechnet. Die sogenannten linearen Erhöhung (also für jene Entgelte in den Tariftabellen, die nicht von diesen beiden besonderen Vereinbarungen betroffen sind) sind entsprechend geringer und betragen konkret 3,01 Prozent (2019), 3,12 Prozent (2020) und 1,29 Prozent (2021).

Insgesamt entspricht das einer Steigerung um acht Prozent über 33 Monate. Der Tarifvertrag hat eine Laufzeit bis einschließlich September 2021, die Beschäftigten können also ab Oktober 2021 mit hoher Wahrscheinlichkeit eine weitere Lohnerhöhung erwarten. Die Arbeitgeber-Seite beziffert den Gesamteffekt der Tarifeinigung für 15 Bundesländer (alle außer Hessen) auf 7,3 Milliarden Euro.


MINDEST-LOHNSTEIGERUNGEN


Geringverdiener bekommen

  • ab dem 1. Januar 2019 mindestens 100 Euro mehr,
  • ab dem 1. Januar 2020 mindestens 90 Euro mehr und
  • ab dem 1. Januar 2021 mindestens 50 Euro mehr,
  • wenn die prozentuale Erhöhung das Gehalt eigentlich nur um einen geringeren Betrag gesteigert hätte. Insgesamt liegen die Gehälter ab dem 1. Januar 2021 um mindestens 240 Euro höher als bislang.


    DEUTLICH HÖHERE EINSTIEGSGEHÄLTER


    Die Einstiegsgehälter - konkret also die Stufe 1 bei allen 15 Entgeltgruppen - werden deutlich stärker angehoben:

  • ab dem 1. Januar 2019 um 4,5 Prozent,
  • ab dem 1. Januar 2020 erneut um 4,3 Prozent,
  • ab dem 1. Januar 2021 um weitere 1,8 Prozent.
  • Insgesamt entspricht das einer Steigerung um elf Prozent über 33 Monate. Damit soll der öffentliche Dienst auch in Konkurrenz zur Privatwirtschaft attraktiver für Berufsanfänger werden.


    PFLEGEKRÄFTE: 120 EURO IM MONAT EXTRA


    Die Gehälter für Pflegekräfte werden zusätzlich zu den sonstigen Lohnsteigerungen um 120 Euro im Monat erhöht. Zudem erhalten Pflegekräfte für Samstagsarbeit künftig einen höheren Zuschlag von 20 Prozent.


    AZUBIS: 100 EURO MEHR


    Auszubildende und Praktikanten bekommen

  • ab dem 1. Januar 2019 50 Euro mehr im Monat,
  • ab dem 1. Januar 2020 weiter 50 Euro mehr im Monat.

  • (ANGESTELLTE) LEHRER: 75 EURO ON TOP


    Um den Entgeltunterschied zu den verbeamteten Lehrern zu mildern, erhalten angestellte Lehrer zusätzlich eine Ausgleichszulage. Diese wird ab dem 1. Januar 2019 von 30 auf 105 Euro im Monat erhöht.

    Diese Erhöhung liegt deutlich unter den Forderungen der Gewerkschaften. In der Tarifeinigung wurde vereinbart, auch nach der Entgeltrunde weiter über die Entgeltordnung für Lehrkräfte zu verhandeln.


    FÜR WEN DIE EINIGUNG GILT - UND WER PROFITIERT


    Die Tarifeinigung gilt formal nur für die rund eine Million Angestellten im öffentlichen Dienst, und erst einmal für jene in 15 der 16 Bundesländer. Hessen führt die Verhandlungen seit 2004 gesondert, doch auch dort dürfte ein ähnliches Ergebnis zustande kommen.

    Zudem hat der Abschluss starken Einfluss auf die Erhöhungen für die insgesamt 2,3 Millionen Beamten und Pensionäre der Bundesländer. Darüber entscheiden die Länderparlamente, normalerweise mit leichten Abweichungen von der Tarifeinigung, sowohl nach oben als nach unten.

    Anmerkung der Redaktion: Die linearen Erhöhungen der Tarifentgelte wurden nachträglich ergänzt.

    fdi

    insgesamt 87 Beiträge
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    Seite 1
    Freidenker10 03.03.2019
    1.
    Die Tariferhöhung ist nicht schlecht, aber die Pflege betreffend geht es hier nur um einen Bruchteil der Pflegekräfte, denn für den öffentlichen Dienst arbeiten hier die allerwenigsten. Die meisten arbeiten in kirchlichen Einrichtungen und die haben ihre eigenen Tarifverträge ( meist deutlich niedriger ) oder eben in privaten Einrichtungen oder Krankenhäusern. Die vom neuen Tarifvertrag profitierenden arbeiten in den verbleibenden Kommunalen Krankenhäusern ( und da gibts nicht mehr soviele davon ) oder in Unikliniken. Wäre schön wenn auch die anderen von den Lohnsteigerungen profitieren würden und hier könnte der Staat durchaus Druck ausüben, wollte doch selbst die Kanzlerin im Wahlkampf für eine bessere Entlohnung sorgen...!
    women_1900 03.03.2019
    2. "finanziellen Kraftakt"
    auf dem Bild werden Pflegekräfte gezeigt. Die Wenigsten sind im öffentlichen Dienst beschäftigt. Die Privatisierung der Krankenhäsuer und Pflegeheime führte auch dazu, daß die Pflegekräfte nicht mehr im öffentlichen Dienst beschäftigt sind. Also wird der "finanzielle Kraftakt" überwiegend für die Angestellten in den Behörden zu bewältigen sein. Da schrauben die Kommunen halt einfach an der Gebührenschraube und die Reform der Grundsteuer spült zusätzlich viel Geld in die Kassen der Kommunen.
    Nepomuk133 03.03.2019
    3. Geringverdiener?
    Ich bitte um Entschuldigung, aber bei mir wären die 3,2 % wohl (knapp) unter der Grenze von 100 € - wenn ich nicht von der Sondererhöhung für Stufe I profitieren würde. Ich bin aber kein "Geringverdiener", sondern im gehobenen Dienst, bzw. dessen Äquivalent.
    legeips62 03.03.2019
    4. Danke Herr Bsirke,
    danke an Ver.di. Ich finde es ist ein sehr gutes Ergebniss in anberacht dessen, dass ja mehr mehr eine Wirtschaftskrise herbei geredet werden. Aber wir sollen ja nicht mehr sparen, sondern ausgeben bzw. Schulden machen.
    Bushfeind1 03.03.2019
    5. Super
    8% in 33 Monaten sind 2,9% p.a. Ihr wolltet 6% p.a. und habt nicht einmal die Hälfte trotz Streiks bekommen. Nach Inflation sind das noch +0,9% Gehaltszuwachs. Noch weniger war wohl nicht drin?!
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