Öffentlicher Dienst: Gewerkschaften verlangen Lohnplus von drei Prozent

Der Aufschwung in Deutschland ist da - und davon sollen auch die Beschäftigten im öffentlichen Dienst der Länder profitieren. Die Gewerkschaften fordern drei Prozent mehr Gehalt, die Arbeitgeber Zurückhaltung.

Beschäftigte des Öffentlichen Dienstes (im Februar 2010): Lohnplus gefordert Zur Großansicht
ddp

Beschäftigte des Öffentlichen Dienstes (im Februar 2010): Lohnplus gefordert

Berlin - Die Ansage klingt kämpferisch: "Zeitgemäß, angemessen und bezahlbar" - so bezeichnen die Gewerkschaften ihre Forderungen für die Angestellten im öffentlichen Dienst der Länder. Zunächst solle in der Tarifrunde für 2011 es einen Sockelbetrag von 50 Euro für jeden Beschäftigten und dann eine lineare Erhöhung von drei Prozent geben. Die Laufzeit des neuen Vertrages soll 14 Monate betragen. Für Auszubildende solle es zusätzlich eine Übernahmegarantie geben.

Auf diese Forderungen einigten sich Ver.di und die Tarifunion des Beamtenbundes nach eigenen Angaben am Dienstag in Berlin. Die Verhandlungen sollen am 4. Februar in Potsdam beginnen. Nach Angaben des Beamtenbundes (dbb-Tarifunion) sind rund 800.000 Angestellte betroffen. Der geltende Tarifvertrag für die Mitglieder in der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) läuft Ende Dezember aus. Zur TdL gehören alle Länder außer Hessen und Berlin.

Die Arbeitgeber forderten bereits Zurückhaltung. "Ich sehe bei den Ländern keinen finanziellen Spielraum, der eine solche Erhöhung ermöglichen könnte", sagte der TdL-Vorsitzende Hartmut Möllring. Die Länder würden 2011 weniger Steuern einnehmen als in vergangenen Jahren und müssten gleichzeitig steigende Ausgaben verkraften.

Die Gewerkschaften wollen erreichen, dass das Verhandlungsergebnis auch auf 1,24 Millionen Landes- und Kommunalbeamte übertragen wird. Zu den verhandelnden Gewerkschaften gehören Ver.di, die Gewerkschaft der Polizei (GdP), die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sowie die dbb-Tarifunion.

Ver.di-Chef Frank Bsirske sagte, mit dem wirtschaftlichen Aufschwung habe sich auch die Finanzlage der Länder verbessert. "Wir wollen, dass die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes nicht von der allgemeinen Entwicklung abgekoppelt werden." Der Landesbereich müsse als Arbeitgeber attraktiv bleiben. Bei den Gehältern der Länderbeschäftigten habe sich ein erheblicher Nachholbedarf im Vergleich zum öffentlichen Dienst von Bund und Kommunen aufgebaut: "Diese Gerechtigkeitslücke muss endlich geschlossen werden."

So mache sich bereits heute an den Unikliniken ein Fachkräftemangel bemerkbar, sagte Bsirske. Die Hochschulen stünden im Wettbewerb mit internationaler Konkurrenz. Das geforderte Gesamtpaket würde die Arbeitgeber laut Bsirske insgesamt 3,6 Milliarden Euro kosten.

wit/dpa/dapd

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Forum - Löhne - werden die Arbeitnehmer genügend am Aufschwung beteiligt?
insgesamt 2995 Beiträge
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1. Nein, ganz und gar nicht.
vory 04.09.2010
Eher im Gegenteil, noch nie waren soviel Arbeitnehmer in prekärer Zeitarbeit untergebracht, wovon man nicht leben kann und auch keine Rente erwirtschaftet. Trotzdem ist die Regierung stolz, die steigende Beschäftigung melden zu können. Der Arbeitsmarkt verkommt immer mehr zum Sklavenmarkt und das in einem der reichsten Länder der Erde. Schuld daran ist das System der Arbeitsverteuerung durch die Staatsfinanzierung und sozialen Lasten. Es ist nicht einzusehen, das dies alles von der abhängigen Arbeit geschultert werden muß. Wegen dieser Überteuerung bleibt wenig Raum für Lohnerhöhungen im internationalen Wettbewerb. Da hilft nur eine Systemumsteuerung zum MWPOT-Konzept.
2. Lohnkuerzungen, waren fuer die meisten die Realitaet!
merapi22 04.09.2010
Zitat von voryDer Arbeitsmarkt verkommt immer mehr zum Sklavenmarkt und das in einem der reichsten Länder der Erde. Schuld daran ist das System der Arbeitsverteuerung durch die Staatsfinanzierung und sozialen Lasten. Es ist nicht einzusehen, das dies alles von der abhängigen Arbeit geschultert werden muß. Wegen dieser Überteuerung bleibt wenig Raum für Lohnerhöhungen im internationalen Wettbewerb. Da hilft nur eine Systemumsteuerung zum MWPOT-Konzept.
In den achtzigern bekam man noch für gute Arbeit gutes Geld, mit der Einführung des Niedriglohnbereichs wurden die meisten AN vom Wirtschaftswachstum ausgeschlossen und mussten Reallohneinbusen hinnehmen! Dadurch öffnet sich die Schere zwischen arm und reich immer mehr. Gegen diese ungerechte Lohnentwicklung der letzten 20 Jahre hilft nur die Einführung des Bürgergeld! http://www.bge-petition.de/
3.
rolli 04.09.2010
Zitat von merapi22In den achtzigern bekam man noch für gute Arbeit gutes Geld, mit der Einführung des Niedriglohnbereichs wurden die meisten AN vom Wirtschaftswachstum ausgeschlossen und mussten Reallohneinbusen hinnehmen! Dadurch öffnet sich die Schere zwischen arm und reich immer mehr. Gegen diese ungerechte Lohnentwicklung der letzten 20 Jahre hilft nur die Einführung des Bürgergeld! http://www.bge-petition.de/
Wer diese Petition unterschreibt, der weiss nicht, ob er damit den Kommunisten oder den Neoliberalisten hilft. beides ist zutiefst unmoralisch. Die Arbeitnehmer haben in den letzten 20 Jahren mindestens auf 100% mehr Lohn verzichtet. Keine Teilhabe am Produktivitätsfortschritt und keinen Inflationausgleich. Wenn nun eine Beteilgung der Arbeitnehmer am "Aufschwung" erfolgen soll, dann muss er so aussehen: Inflationsausgleich, Produktivitätsfortschritt und entgangene Teilhabe in der Vergangenheit. Lohnsteigerungen in den nächsten 5 Jahren von mindestens 8% sind machbar und notwendig. rolli
4. Lol!
T. Wagner 04.09.2010
Die beiden bisherigen Antworten sind mal wieder typisch SPON-Forum: Der eine wirbt für das MWPOT-Konzept, der andere für das BGE. Ich lach' mich kaputt! Ich warte nur noch auf die Dame, die ständig für das "Freiheitswerk" trommelt.
5. ttt
marant 04.09.2010
Zitat von sysopDie deutsche Wirtschaft boomt wieder, der Export steigt, alle sind zuversichtlich. Aber sind auch alle zufrieden? Werden die Arbeitnehmer genug am neuen Aufschwung beteiligt?
Es wurde schon des öfteren berichtet, wer genügend am Aufschwung beteiligt war. Die sogenannte Zeitarbeitbranche ! Im Zuge der bevorstehenden Tarifrunden sollten sich die Gewerkschaften an ihre Aufgaben wiederbesinnen, und die Gesamtbelegschaften stärken, und nicht nur die "werkseigene" Stammbelegschaften,- indem sie das Mindestmaß an Unterstützung der "Fremdarbeiter" gewährleisten. Eine Null-Runde wäre akzeptabell, sollten die Zeitarbeitnehmer die mindestens 6 Monate ( würde einer Befristung entsprechen ) in dem selben Betrieb beschäftigt sind, übernommen werden, oder die gerechte Entlohnung bekommen. Dies wäre wenigstens ein längst fälliger Anfang seitens der Gewerkschaften, und kein Schulterschluß mit der Politik, die diese Mißstände billigend in Kauf nimmt.
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