Öffentlicher Dienst Kubas Regierung schmeißt 500.000 Beschäftigte raus

Sozialismus mal anders: Kubas Wirtschaft soll endlich effizienter werden. Deshalb streicht die Regierung bis Ende März mehr als 500.000 Stellen im öffentlichen Dienst - dem Hauptarbeitgeber. Mittelfristig sollen sogar über eine Million Stellen wegfallen.

Kuba: Nach außen viel Unterstützung für Staatspräsident Raúl Castro und Übervater Fidel
REUTERS

Kuba: Nach außen viel Unterstützung für Staatspräsident Raúl Castro und Übervater Fidel


Havanna - Die kubanische Regierung hatte den Schritt bereits im vergangenen Jahr angekündigt. Doch nun macht sie ernst und beginnt mit dem Abbau von mehr als einer halben Million Stellen im öffentlichen Dienst bis Ende März. Die "Neuordnung des Arbeitsmarktes" in fünf Wirtschaftssektoren sei auf dem Weg, teilte die Einheitsgewerkschaft CTC mit.

Die kommunistische Führung unter Staatschef Raúl Castro hatte im September angekündigt, mittelfristig sogar eine Million Jobs im öffentlichen Dienst abzubauen. Dies entspricht rund 20 Prozent der staatlichen Beschäftigten. Der Jobabbau soll helfen, die Wirtschaft des Landes effizienter zu gestalten.

Von den nun begonnen Kürzungen seien Beschäftigte in den Bereichen Zuckerproduktion, Landwirtschaft, Bauwirtschaft und Tourismus betroffen, sagte CTC-Generalsekretär Salvador Valdés der Gewerkschaftszeitung "Trabajadores". Auch im Gesundheitswesen, dem Aushängeschild des Karibikstaates, würden Stellen gestrichen.

Niemand soll arbeitslos werden

Valdés kündigte an, die Gewerkschaft werde über die korrekte Umsetzung der "Anpassung" wachen. Insbesondere gelte es zu verhindern, dass wegen Vetternwirtschaft nur bestimmte Beschäftigte betroffen seien. Zudem dürfe am Ende des Prozesses kein kubanischer Arbeiter arbeitslos sein.

Die kubanische Regierung hat versprochen, die Gekündigten in anderen Unternehmen unterzubringen. Auch wenn die Arbeiter den neuen Job ablehnen, erhalten sie abhängig von der Zahl der Berufsjahre weiter ein Gehalt.

Es müssen vor allem zusätzliche Arbeitsplätze jenseits des öffentlichen Dienstes entstehen. Neue Jobs erhofft sich Kuba vom Ausbau des selbständigen Unternehmertums, den Castro im Oktober angekündigt hat. Die Regierung plant die Ausgabe von Lizenzen für 178 Berufsgruppen, insbesondere kleine Handwerksbetriebe und Einzelhändler wie Friseurgeschäfte und Restaurants.

Erklärtes Ziel ist es, dass bis 2015 rund 50 Prozent der fünf Millionen kubanischen Arbeiter im Privatsektor tätig sind. Derzeit kontrolliert der kubanische Staat noch 95 Prozent des Wirtschaftslebens.

böl/AFP



© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.