Bankenöffnung: Zyperns Präsident dankt seinem Volk

Die Bürger in Zypern haben besonnen auf die ersehnte Wiedereröffnung der Banken reagiert. Der befürchtete Ansturm blieb aus. Präsident Anastasiades lobte seine Mitbürger. Sie hätten Reife bewiesen und könnten das Land aus der Krise führen.

Präsident Anastasiades: "Großes Verantwortungsbewusstsein" Zur Großansicht
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Präsident Anastasiades: "Großes Verantwortungsbewusstsein"

Nikosia - Der zyprische Präsident Nikos Anastasiades hat sich am Donnerstag bei allen zyprischen Bürgern für ihr Verhalten bei der Wiedereröffnung der Banken bedankt. "Ich möchte den Zyprern für die Reife und Besonnenheit danken, die sie in den Beziehungen zu den Banken an den Tag gelegt haben", erklärte Anastasiades am Donnerstag über den Kurznachrichtendienst Twitter in Griechisch und Englisch. Das Präsidialamt rühmte in einer Erklärung das "große Verantwortungsbewusstsein" der Zyprer. Sie hätten gezeigt, dass sie "es nicht nur wollen, sondern es auch können", ihr Land aus der Krise zu führen.

Zyperns Banken hatten am Donnerstag zum ersten Mal nach fast zwei Wochen wieder geöffnet. Dabei ging es vergleichsweise ruhig zu. Gegen Mittag bildeten sich vor einigen Filialen zwar kleinere Schlangen, die sich aber am Nachmittag schon wieder auflösten. Die Polizei teilte mit, es habe keine Zwischenfälle gegeben. Es seien rund 1000 Beamte im Einsatz, sagte Polizeisprecher Alexios Papageorgiou.

Die Geldinstitute waren wegen der schweren Finanzkrise seit dem 16. März geschlossen. Der Bankensektor in Zypern wird unter dem Druck der internationalen Geldgeber derzeit umstrukturiert. Die bislang zweitgrößte Bank, Laiki, wird abgewickelt. Die noch verwertbaren Guthaben werden an die marktführende Bank of Cyprus übertragen. Die Inhaber von Konten mit Guthaben von mehr als 100.000 Euro werden zwangsverpflichtet, einen Großteil ihres Geldes der Bank als Aktienkapital zu überlassen.

Die Umstrukturierung des Bankensektors ist eine der Auflagen des Hilfsprogramms, das zwischen der Regierung in Nikosia und den internationalen Geldgebern ausgehandelt wurde. Die Euro-Finanzminister hatten zugesagt, Zypern mit maximal zehn Milliarden Euro zu helfen. Die Zyprer selbst sollen im Gegenzug insgesamt rund sieben Milliarden Euro aufbringen. Außenminister Joannis Kasoulides monierte, Zypern habe einen "zu hohen" Preis zahlen müssen.

Unter Polizeischutz wurden neue Bargeldvorräte der Europäischen Zentralbank (EZB) zu den zyprischen Bankfilialen gefahren. "Ganz frisch aus Frankfurt", sagte ein Mann, als er neue Euro-Scheine aus einem Automaten zog.

Der Zahlungsverkehr in Zypern bleibt bis auf weiteres beschränkt:

  • Pro Person und Bank dürfen Kontoinhaber maximal 300 Euro täglich abheben. Wer dieses Limit nicht ausschöpft, kann an den folgenden Tagen jeweils entsprechend mehr abheben.
  • Einzahlungen per Scheck oder Wechsel auf Konten sind möglich, aber keine Abhebungen. Verboten ist, Schecks und Wechsel in Bargeld an den Banken vorbei zu tauschen oder wie Bargeld zur Zahlung zu nutzen.
  • Die Zahlung von Löhnen und Gehältern über das Zahlungssystem der Banken wird wieder erlaubt.
  • Überweisungen ins Ausland für geschäftliche Zwecke sind bis 5000 Euro pro Tag und Konto erlaubt. Beträge über 5000 Euro müssen von einer Kommission der Zentralbank genehmigt werden. Für Beträge über 200.000 Euro gelten noch schärfere Regeln. Konkret hängt eine Erlaubnis von der Liquiditätslage der jeweiligen Bank ab.
  • Zyprer sollen zudem pro Auslandsreise maximal 1000 Euro Bargeld pro Person mitnehmen dürfen. Das gilt auch für den Gegenwert in fremden Währungen.
  • Der Einsatz einer Kreditkarte im Ausland, die von zyprischen Banken ausgegeben wurde, ist auf 5000 Euro im Monat begrenzt. Höhere Beträge müssen von der Zentralbank genehmigt werden.
  • Die vorzeitige Kündigung von Festgeldanlagen ist nicht erlaubt.
  • Auf Anordnung der Zentralbank dürfen Festgeldanlagen nach Ablauf nur begrenzt abgehoben werden. Der Rest verbleibt für zunächst einen Monat zwangsweise auf dem Festgeldkonto.

Wie lange die Beschränkungen gelten sollen, ist unklar. In Medienberichten war von sieben Tagen die Rede. Zyperns Finanzminister Michalis Sarris hatte zuvor von einer "Frage von Wochen" gesprochen.

stk/AFP/dpa

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insgesamt 10 Beiträge
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1. Es ist nicht ....
spiegelleser987 28.03.2013
Zitat von sysopAPDie Bürger in Zypern haben besonnen auf die ersehnte Wiedereröffnung der Banken reagiert. Der befürchtete Ansturm blieb aus. Präsident Anastasiades lobte seine Mitbürger. Sie hätten Reife bewiesen und könnten das Land aus der Krise führen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/oeffnung-der-banken-zyperns-praesident-dankt-seinem-volk-a-891540.html
Es ist nicht "sein Volk", genauso wenig wie es zu DDR-Zeiten hieß: "das können wir *unseren* Bürgern nicht sagen, weil *unsere * Bürger das nicht verstehen". Eher sind Politiker, Präsidenten und Beamte "Eigentum" des Volkes und haben sich für das Volk einzustezen ...und an dieser Stelle auch für eine faire Verhaltensweise gegenüber Bürgern anderer EU-Länder.
2. ..what you can do for Germany
Euclid 28.03.2013
Zitat von sysopAPDie Bürger in Zypern haben besonnen auf die ersehnte Wiedereröffnung der Banken reagiert. Der befürchtete Ansturm blieb aus. Präsident Anastasiades lobte seine Mitbürger. Sie hätten Reife bewiesen und könnten das Land aus der Krise führen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/oeffnung-der-banken-zyperns-praesident-dankt-seinem-volk-a-891540.html
Er sollte sich besser bei seinem Volk entschuldigen. Außerdem wäre es an der Zeit dass sich Zypern, Griechen, Italiener, die seit Jahrzehnten in Deutschland Arbeit gefunden haben ein gutes Wort für ihre Wahlheimat einlegen und ihren Landsleuten klarmachen, dass sie selbst an der Misere Schuld sind nicht der Deutsch, nicht Deutschland. Man dürfte annehmen, dass sie dem deutschen Volk dies schuldig sind. Ohne einen solchen Schritt sind auch sie nur zum Ausnutzen in Deutschland, in dem Fall sollten sie besser in ihre Ursprungsländer zurückkehren.
3. ich bin ausnahmslos dumm
wo_liegt_denn_dieses_land 28.03.2013
ich verstehe das alles nicht. hat dummheit ein niveau? wenn ja, dann bin ich auf dem grund dieses niveaus. ich meine, die banken hatten knapp 11 tage geschlossen. bestand da nicht die möglichkeit innerhalb dieser zeit, mit den kompetenzen der ganzen angestellten, irgendwelche fingierten transaktionen zu tätigen? ist jede beschwichtigung nach illegalen handlungen noch konform? warum haben die europäer, und in diesem fall die zyprer, schuld und nicht die ganzen russen oder asiaten? ich habs! wir schlucken alles runter und in 20-30 jahren sieht die welt besser aus und europa hält weiterhin seinen moralvorzugsprinzip in die welt. äh..? ja! wie toll das niemand weiß, dass ich davon garnichts weiß
4.
Berg 28.03.2013
Zitat von spiegelleser987Es ist nicht "sein Volk", genauso wenig wie es zu DDR-Zeiten hieß: "das können wir *unseren* Bürgern nicht sagen, weil *unsere * Bürger das nicht verstehen". Eher sind Politiker, Präsidenten und Beamte "Eigentum" des Volkes und haben sich für das Volk einzustezen ...und an dieser Stelle auch für eine faire Verhaltensweise gegenüber Bürgern anderer EU-Länder.
Wie kommen Sie auf dieses ominöse "genauso"? Dieser Vergleich ist nicht nur unsinnig, sondern er verwässert das heutige Problem. Sie hängen sich an einer Formulierung auf: Wortklauberei. Natürlich hat der Präsident Zyperns den Zyprioten gedankt, seinem Volke, zu dem er selber dazu gehört. Und der EU, der EZB und dem EWF wird er schon auch noch gedankt haben. Ob das die DDR-Bürger verstanden hätten oder nicht, ist völlig irrelevant. "Meine" Heimat ist noch lange kein Besitzanspruch. Fakt ist offenbar, dass die meisten Zyprioten, möglicherweise diejenigen mit kleinen Kontoständen :-), sich am Run auf die Banken nicht beteiligt haben; demnach sind alle vorherigen Befürchtungen glücklicherweise nicht eingetreten. Die künstliche Panikmache war (wiedermal!) übertrieben.
5. Klar stürmt keiner die Banken.
RührDich 28.03.2013
Es würde ja nix bringen. Das Problem ist nur: Zypern kann diese Beschränkungen nicht auf ewig aufrecht erhalten. Danach wird der Banken-Run erst einsetzen.
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