Neue Ökodesign-Richtlinie Wie schlimm ist der EU-Staubsauger-Plan wirklich?

Zum ersten September müssen viele Geräte mit weniger Energie auskommen - weil es die EU so will. Das weckt Erinnerungen an das unselige Glühbirnenverbot. Zu Recht?

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Staubsauger: Angst vor dem Hundehaar auf dem Sofa
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Staubsauger: Angst vor dem Hundehaar auf dem Sofa


Berlin - Der erzwungene Abschied von ihrer geliebten Glühbirne sitzt den Deutschen noch in den Knochen. Erst verschwanden die 100-Watt-Brenner aus den Regalen, später die viel weiter verbreiteten Sechziger. Im kalten Licht ihrer Energiesparlampen lesen die Bürger nun vom nächsten Streich der Brüsseler Bürokraten. Staubsauger mit kräftigen Motoren - sprich: hohem Stromverbrauch - erhalten ab September in den Ländern der Europäischen Union keine Zulassung mehr. Maximal 1600 Watt Leistung sind dann noch erlaubt. Ab 2017 sinkt der Grenzwert noch einmal deutlich auf nur noch 900 Watt.

Die gesetzliche Grundlage für das strenge Energiereglement liefert die sogenannte Ökodesign-Richtlinie, die die EU-Kommission 2013 auf den Weg gebracht hat. Eins der Hauptziele ist es, bis 2020 mindestens 20 Prozent Energie einzusparen. Und die Haushaltsgeräte sollen ihren Beitrag dazu leisten. Mehr als 40 Einzelposten haben die Fachleute in Brüssel noch auf dem Kieker, darunter Warmwasserbereiter, Kühl- und Tiefkühlgeräte, Backöfen, Elektromotoren, Pumpen, Ventilatoren, Ladegeräte und Netzteile.

Echte Aufreger sind vor allem die bekannten Glühbirnen und Staubsauger. Oder die Vorschrift, dass sich Warmhalteplatten von Kaffeemaschinen künftig nach kurzer Zeit von selbst abschalten müssen. Auch den Wasserdurchfluss von Duschköpfen und Wasserhähnen will die EU begrenzen, um den Energieverbrauch für die Aufbereitung von Warmwasser zu senken. Angesichts der öffentlichen Kritik liegt dieser Vorschlag aber erst einmal auf Eis.

Viele der Regeln werden nur Hersteller zwicken

Doch sind die Ängste der Bürger tatsächlich berechtigt? Ist es wichtig, wie viel Energie ein Staubsauger verbraucht? Werden wir den vermeintlichen Stromfressern schon bald ebenso hinterhertrauern wie der seligen Glühbirne? Und geht es tatsächlich um eine sinnvolle Strategie zur Senkung der CO2-Emissionen?

Sicher ist: Von den meisten Regulierungen werden die Verbraucher nicht viel mitbekommen. Wenn der Stromverbrauch einer Umlaufpumpe in der Hausheizung sinkt, wird das die Mehrheit wahrscheinlich eher begrüßen, genauso wie sparsamere Geschirrspülmaschinen, Computer oder Wäschetrockner.

Denn mit dem Stromverbrauch sinken auch die Kosten - immerhin verbraucht ein Vier-Personen-Haushalt Deutschland jedes Jahr durchschnittlich 4400 Kilowattstunden. Für eine elektrische Warmwasserbereitung kommen gegebenenfalls jährlich noch einmal 1200 Kilowattstunden hinzu. Daraus errechnet das Bundesumweltministerium auf seiner Webseite Strom-Ausgaben von 1269 Euro beziehungsweise 1615 Euro im Jahr. Allein eine moderne Waschmaschine, die inzwischen nur noch halb so viel Strom und Wasser verbraucht wie vor 15 Jahren, würde die jährliche Stromrechnung schon um rund 80 Euro reduzieren.

Halogenlampe vor dem Aus?

Alles nicht besonders konfliktträchtig also, wären da nicht die Staubsauger, die ab 1. September mit 1600 Watt auskommen müssen. Künftig, so die verbreitete Befürchtung, werden sich allenfalls noch ein paar Staubflusen unter dem Sofa einfangen lassen, für die Hundehaare auf dem Teppichboden reicht die Kraft dagegen nicht mehr aus.

Den Befürchtungen treten jedoch nicht nur Ökobewegte entgegen. Der britische Staubsaugerhersteller Dyson plädiert sogar für noch schärfere Grenzwerte. "Brüssel schützt die Besitzstandswahrer", wetterte Vorstandschef Max Conze im "Handelsblatt". "Die Vorgaben der EU-Kommission gehen in die richtige Richtung, aber zu langsam. Sie schützen das technologische Mittelmaß." Etablierte Konkurrenten wie Miele oder Bosch hätten bis 2017 genügend Zeit, um ihren Rückstand aufzuholen.

Die gelassene Reaktion der deutschen Platzhirsche auf das Verbrauchslimit ab 1. September gibt Dyson indirekt recht. Auch mit 1600 Watt sei die gewohnte Saugleistung zu erreichen, versichert die Branche. Erst der nächste Schritt, die ab 2017 geltende Reduzierung auf 900 Watt, werde technisch anspruchsvoll.

Bleibt als Angstmacher wiederum ein Leuchtmittel übrig: Die Halogenlampen. Laut EU-Verordnung Nr. 1194/2012 sollen zumindest die Spotstrahler ab 1. September strengere Effizienzvorgaben erfüllen. "Daran dürften einige Hersteller scheitern", mutmaßt Laura Spengler vom Institut für Ökologie und Politik, das Brüssel bei der Ausgestaltung der Ökodesign-Richtlinie berät. Ein Quasiverbot der Halogen-Lampe sei dennoch auf absehbare Zeit nicht zu befürchten, beruhigt sie die Verbraucher. "Es wird genügend Marken geben, die den festgelegten Grenzwert beim Energieverbrauch einhalten."

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bartholomew_simpson 28.08.2014
1. Ein weiterer Sarggnagel
für das Bürokratiemonster EU, das zu einem Abschiebebahnhof für unfähige Bürokraten und abgehalfterte Politiker mutiert ist. Statt einer gemeinsamen Aussenpolitik gibt es nur ein Kleinklein in Sachen Verbraucherschikane.
Wilhelm Klaus 28.08.2014
2. Schrank voll
---Zitat--- Bleibt als Angstmacher wiederum ein Leuchtmittel übrig: Die Halogenlampen. ---Zitatende--- Zum Glück habe ich den Schrank voll Glühbirnen, nebst Halogenstrahlern. Die reichen über mein Lebensende hinaus.
alex300 28.08.2014
3. Das ist die US-Konkurrenz. Bei den Amis ist die Netz-Spannung 110V
bei maximal 10A strom aus der Dose ergibt sich die maximale Leistung von 1100W. Den Amis waren die leistungsfähigen Europäischen Staubsauger schon lange ein Dorn im Auge. Außerdem, verstehen die EU-Komissare Null Physik. Interessant ist nicht die Leistung, sondern die Energie. Wenn ich mit einem 900W Staubsauger 30 Minuten brauche um die Wohnung zu säubern, das ich mit einem vernünftigen 2200W Sauger in nur 10 Minuten erledigen würde, dann habe ich nach dieser unseligen Richtlinie 20% MEHR ENERGIE verschwendet.
Raúl gonzales 28.08.2014
4.
schön und gut aber für die Glühbirnen sollte jemand zur Rechenschaft gezogen werden.
hd1 28.08.2014
5. Viel hilft viel?
Ich habe kürzlich einen 30 jahre alten Staubsauger weggeworfen. Der hatte 900W. Wieso braucht man jetzt über 1600W? Die Saugleistung hat doch nicht unbedingt etwas mit der elektrischen Leistung zu tun. Wann wird es denn eine Bügeleisenverordnung geben? Ein vor zig Jahren gekauftes hatte 1400W. Wurde vor einigen Jahren durch eins mit 2400W ersetzt. Ich hatte nicht den Eindruck, daß es viel besser bügelt. Es war nur sehr viel schwerer.
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