Ökonomen-Kritik Ein-Euro-Jobs für Flüchtlinge behindern Integration

Führende Wirtschaftsforscher kritisieren die Nahles-Idee, 500 Millionen Euro für Beschäftigungsmaßnahmen für Flüchtlinge auszugeben. Stattdessen solle in die Qualifikation investiert werden.

Flüchtlinge vor einem Heim in Hamburg: Ökonomen kritisieren Plan für Beschäftigungsmaßnahmen
DPA

Flüchtlinge vor einem Heim in Hamburg: Ökonomen kritisieren Plan für Beschäftigungsmaßnahmen


Ökonomen haben die Pläne von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) kritisiert, 100.000 Arbeitsstellen wie etwa Ein-Euro-Jobs für Flüchtlinge zu schaffen. "Durch Ein-Euro-Jobs würden Flüchtlinge vom regulären Arbeitsmarkt wegsubventioniert", sagte Holger Schäfer vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) der "Rheinischen Post". Flüchtlinge bräuchten keine Beschäftigungstherapie, sondern Qualifizierung.

Nahles hatte am Donnerstag für ihr Ressort kurzfristig rund 500 Millionen Euro mehr zur Integration von Flüchtlingen gefordert. Allein für die Schaffung der Arbeitsplätze für Flüchtlinge benötige sie 450 Millionen Euro jährlich.

Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, forderte eine schnelle und gute Integration der Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt: Dieses Ziel könnten subventionierte Jobs nicht erfüllen, sagte er dem Blatt.

Der Wirtschaftswissenschaftler Thomas Straubhaar verwies mit Blick auf die Ein-Euro-Jobs auf "nicht unbedingt gute Erfahrungen" im Zuge der Hartz-IV-Gesetzgebung. "Ich bin überzeugt, dass man hier keine zusätzliche öffentliche Beschäftigung oder neue bürokratische Maßnahmen braucht", sagte der frühere Direktor des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts der "Rhein-Neckar-Zeitung".

Während die Forderungen der Ökonomen zu einer direkten Konkurrenz zwischen Einheimischen und Flüchtlingen auf dem Arbeitsmarkt führen würden, will Bundesbauministerin Barbara Hendricks (SPD) genau das auf dem Wohnungsmarkt unbedingt verhindern. Deshalb fordert sie für ihren Etat insgesamt 1,3 Milliarden Euro zusätzlich für Wohnungsbau und Stadtentwicklung.

Forum
Liebe Leserinnen und Leser,
im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf SPIEGEL ONLINE finden Sie unter diesem Text kein Forum. Leider erreichen uns zum Thema Flüchtlinge so viele unangemessene, beleidigende oder justiziable Forumsbeiträge, dass eine gewissenhafte Moderation nach den Regeln unserer Netiquette kaum mehr möglich ist. Deshalb gibt es nur unter ausgewählten Artikeln zu diesem Thema ein Forum. Wir bitten um Verständnis.

fml/dpa

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.