Stockholm - Zweimal USA, einmal Großbritannien: Der Wirtschaftsnobelpreis 2010 geht an die US-Wirtschaftswissenschaftler Peter A. Diamond und Dale T. Mortensen und den Briten Christopher A. Pissarides, der auf Zypern geboren ist.
Die drei Forscher hätten das theoretische Fundament für sogenannte Suchmärkte formuliert, teilte das Preiskomitee am Montag in Stockholm mit. Die Jury begründete ihre Entscheidung damit, dass die Wissenschaftler entscheidende Fragen zur Funktionsweise des Arbeitsmarktes beantwortet hätten. Unter anderem gehe es darum, warum es gleichzeitig eine hohe Zahl von Arbeitslosen bei starker Nachfrage nach Arbeitskraft geben könne. Die Politik habe sich die Erkenntnisse der drei in dem nach ihnen benannten Modell zunutze machen können.
Pissarides sagte in einem Telefonat mit der Schwedischen Akademie kurz nach der Bekanntgabe, er sei über die Zuerkennung des Preises "ziemlich überrascht und sehr froh".
Die Suchtheorie sei darüber hinaus auf viele andere Märkte mit Problemen beim Zusammentreffen von Angebot und Nachfrage übertragen worden, etwa den Immobilienmarkt. Die Ansätze finden auch in den Bereichen Geldpolitik, Finanzwirtschaft sowie Familienpolitik Anwendung.
Gut eine Million Euro Preisgeld
Es ist erst das fünfte Mal, dass der Preis an drei Personen gemeinsam vergeben wird. Im Gegensatz zu allen anderen Nobelpreisen wurde der Preis für Wirtschaftswissenschaften nicht 1895 von dem Unternehmer Alfred Nobel, sondern erst 1968 von der Schwedischen Reichsbank gestiftet. Die Auszeichnung in Gedenken an Alfred Nobel soll an Wissenschaftler vergeben werden, die dazu beitragen, die wirtschaftspolitischen Aufgaben der Gegenwart zu bewältigen.
Ein Ausschuss der Königlich-Schwedischen Akademie der Wissenschaften sammelt jährlich mehrere hundert Nominierungen und schlägt dann einen oder mehrere Kandidaten vor. Die letzte Entscheidung fällt die Vollversammlung der Akademie.
Der Preis ist wie die anderen Nobelpreise mit zehn Millionen Kronen - umgerechnet gut einer Million Euro - dotiert und wird am 10. Dezember in Stockholm überreicht. Erste Preisträger waren 1969 der Norweger Ragnar Frisch und der Niederländer Jan Tinbergen. Seither wurde der Preis an 64 Wirtschaftswissenschaftler vergeben - die meisten von ihnen sind Amerikaner.
Bonner Ökonom Selten einziger deutscher Gewinner
Als einziger Deutscher wurde 1994 der Bonner Professor Reinhard Selten ausgezeichnet, der den Wettbewerb und das Gleichgewicht auf Märkten mit Hilfe von Spieltheorien untersucht hatte. Selten, der in vergangenen Woche seinen 80. Geburtstag feierte, hatte sich die Auszeichnung mit zwei US-Kollegen geteilt. Als erste Frau war im vergangenen Jahr die US-Professorin Elinor Ostrom ausgezeichnet worden.
Einer der Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften, der Franzose Maurice Allais, starb an diesem Wochenende im Alter von 99 Jahren. Der Ingenieur und Wirtschaftsanalytiker war 1988 für seine Theorie der Märkte und Arbeit über effiziente Nutzung von Ressourcen geehrt worden. Allais ist bisher der einzige Franzose, der den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften erhielt.
Den Friedensnobelpreis erhält in diesem Jahr der chinesische Dissident Liu Xiaobo, der Nobelpreis für Literatur geht an den peruanischen Schriftsteller Mario Vargas Llosa.
böl/apn/dpa
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