Ökonomen warnen Übergriffe gegen Migranten werden zum Standortnachteil

Sozialer Frieden und Toleranz sind für viele Unternehmer ein wichtiger Aspekt bei der Entscheidung für einen Standort. Die Hass-Krawalle in Chemnitz zeigen das Gegenteil - Ökonomen sind alarmiert.

Demonstration der rechten Szene in Chemnitz
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Demonstration der rechten Szene in Chemnitz


Nach den Ausschreitungen in Chemnitz haben Ökonomen vor den Folgen einer zunehmenden Aggression gegen Zuwanderer gewarnt. "Ereignisse wie in Chemnitz werden die wirtschaftliche und soziale Polarisierung in Deutschland weiter verstärken", sagte der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, am Dienstag dem "Handelsblatt". Nicht nur Ausländer, sondern auch "eine große Mehrheit der Deutschen" wolle nicht in Städten und Regionen leben, "in denen Menschen Selbstjustiz üben" und Fremdenhass vorherrsche.

Es sei daher "höchste Zeit", dass die Politik in den betroffenen Regionen Farbe bekenne und sich klar für Zuwanderung, Toleranz und Vielfalt ausspreche, sagte Fratzscher der Zeitung. "Nur so kann der Teufelskreis durchbrochen werden, bei dem vor allem schwache Regionen in Ostdeutschland immer weiter abgehängt werden - wirtschaftlich, sozial und auch politisch."

FILIP SINGER/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Auch der Vize-Präsident des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung in Halle, Oliver Holtemöller, warnte vor den Folgen der Ausschreitungen. "Die öffentliche Ordnung ist ein wichtiger Faktor für wirtschaftlichen Wohlstand", sagte er der Zeitung. Dazu gehörten "verlässliche" rechtsstaatliche Strukturen und das Gewaltmonopol des Staates. "Die aktuellen Ereignisse in Chemnitz könnten durchaus auch die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt negativ beeinflussen", sagte Holtemöller.

Der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Christian Hirte (CDU), warnte hingegen vor überzogenen Schlussfolgerungen aus den Ereignissen. "Niemand sollte aus der schnellen Empörung heraus über ein ganzes Bundesland und seine Bürger den Stab brechen", sagte er. "Der Freistaat Sachsen und alle, die sich dort für Recht, Ordnung und Offenheit einsetzen, haben unsere Unterstützung verdient und nicht unsere Belehrungen." Gleichwohl dürfe eine Tat wie in Chemnitz nicht dazu führen, dass ein Mob versucht, den Rechtsstaat außer Kraft zu setzen.

In Chemnitz war es am Montagabend zu Auseinandersetzungen zwischen Rechten und Linken gekommen, bei denen mehrere Menschen verletzt wurden. Bereits seit Sonntag gibt es Demonstrationen in der Stadt. Dabei waren auch gewaltbereite Rechtsextreme, es kam zu Angriffen auf Ausländer. Auslöser der Ereignisse war ein Tötungsdelikt an einem 35-jährigen Deutschen in der Nacht zum Sonntag. Zwei Männer aus Syrien und dem Irak sitzen deswegen in Untersuchungshaft.

mik/AFP

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