Ökonomen zum Referendum "Die Euro-Zone stünde vor einem Scherbenhaufen"

Von

Michael Hüther, Institut der deutschen Wirtschaft: "Selbstmord aus Angst vor dem Tod"


dapd

Was halten Sie von Papandreous Entscheidung, das Volk zu fragen?

Der Schritt wirkt ein bisschen wie politischer Selbstmord aus Angst vor dem Tod. Doch klar ist auch: Die griechische Regierung hat große Probleme, die Bevölkerung von ihrem Sparkurs zu überzeugen. Teile der Finanzpolitik wurden bereits schrittweise an die europäischen Partner abgetreten. Diese Bedingung für die Hilfen ist angesichts der schwindenden Akzeptanz in den Zahlerländern politisch ebenso unvermeidbar, wie sie ökonomisch mit Blick auf die Disziplinierung des Schuldners richtig ist.

Doch die finanzpolitische Entmündigung geht weiter. Das ist der Preis für die in der vergangenen Woche gefundene Lösung, letztlich für die Abschirmung des Landes vom Kapitalmarkt. Das Ziel ist, die notwendige Zeit für den Umbau der Staatsfinanzen wie der Volkswirtschaft zu gewinnen. Die griechischen Bürger von dem Sinn dieser Strategie zu überzeugen, bedarf mit Sicherheit einer anderen Beteiligung, als es bisher über das Parlament und die Straße geschah. Insoweit kann man Papandreou verstehen. Doch die Risiken sind erheblich - politisch für ihn, ökonomisch für uns alle.

Was würde ein Nein der Griechen bedeuten?

Bei einem Nein droht das, was die Euro-Partner mit ihren Beschlüssen vermeiden wollten. Die Kreditausfallversicherungen würden greifen, wellenhafte Dominoeffekte durch das Finanzsystem wären zu erwarten. Die Euro-Zone stünde vor einem Scherbenhaufen, denn das Scheitern aller bisherigen Lösungsversuche würde die gemeinsame Währung in ihrer Existenz bedrohen. Die Verunsicherung der Investoren und der Konsumenten - nicht nur in der Euro-Zone - wäre so tiefgreifend, dass ein gravierender Einbruch der Wirtschaftsleistung folgen würde. Der Glaubwürdigkeitsverlust Griechenlands an den internationalen Kapitalmärkten würde die wirtschaftliche Anpassung dramatisch verschärfen und auf Jahre verlängern. Europa müsste einen neuen Antritt finden, die europäischen Verträge müssten neu geschrieben werden. Diese Risiken überwiegen gegenüber dem möglichen Gewinn an politischer Legitimation.



insgesamt 183 Beiträge
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reinhard_m, 01.11.2011
1. Die Zone ist gescheitert
Die "Eurozone" steht jetzt schon vor einem Scherbenhaufen. Wenn ich mir die heutige Währungs-, Wirtschafts-, Sozial-, Außen- und sonstige Politik anschaue dann kommen Erinnerung an die "Ostzone" hoch. Nur schade, daß keiner da ist, der uns übernimmt und gleichzeitig auch rettet.
Tolotos 01.11.2011
2. Was ist besser, ein Ende mit Schrecken, oder ein Schrecken ohne Ende?
Zitat von sysopDeutsche Ökonomen warnen vor katastrophalen Folgen für Europa, sollten die Griechen*gegen das Rettungspaket stimmen: Das Land*ginge pleite, andere Staaten würden vom Domino-Effekt erfasst. Aber: Die Politik wäre gezwungen, endlich Regeln für den Worst Case zu entwickeln. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,795264,00.html
Die Politik kann den Worst Case sowieso nicht aufhalten. Aber vielleicht wäre es für die Mehrheit besser, wenn sie den Schaden für die Allgemeinheit nicht durch Verdrängung an die Nachfolger immer höher machen könnte!
altmannn 01.11.2011
3. Würde mich
Zitat von sysopDeutsche Ökonomen warnen vor katastrophalen Folgen für Europa, sollten die Griechen*gegen das Rettungspaket stimmen: Das Land*ginge pleite, andere Staaten würden vom Domino-Effekt erfasst. Aber: Die Politik wäre gezwungen, endlich Regeln für den Worst Case zu entwickeln. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,795264,00.html
mal interessieren, was diese Ökonomen zur Aufnahme Griechenlands in die Eurozone gesagt haben. Oder zur Aufweichung der Maastrichtkriterien. Oder der Aufgabe der bail-out-Klausel. Die Griechen bekommen nun die Möglichkeit, über ihre Zukunft mit zu entscheiden. Sie haben die Auswirkung der Sparpakete Stufe eins erlebt und können sich in etwa vorstellen, was noch auf sie zukommt. Sie sollten mal einen Blick nach Island werfen und schauen, ob ein tatsächlicher Default besser ist. Vielleicht können sie ja auch bessere Bedingungen mit den Gläubigern aushandeln.
nouwo, 01.11.2011
4. Sind es
Zitat von sysopDeutsche Ökonomen warnen vor katastrophalen Folgen für Europa, sollten die Griechen*gegen das Rettungspaket stimmen: Das Land*ginge pleite, andere Staaten würden vom Domino-Effekt erfasst. Aber: Die Politik wäre gezwungen, endlich Regeln für den Worst Case zu entwickeln. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,795264,00.html
wieder die gleichen "Top-Ökonomen", die uns die paradisischen Zustände durch den TEuro verheißen haben? Diese Kaffeesatzleser und Jahrmarktsgaukler? GR IST pleite (nach unternehmerischen Prinzipien), und wir stehen bereits vor einem Scherbenhaufen!
KnowHow 01.11.2011
5. Es ist für mich unbegreiflich, dass es keine Regelung gibt ...
dass Staaten wieder aus der Euro-Zone austreten / auszutreten haben, wenn die vereinbarten Maastrich-Kriterien dauerhaft - und das ist jetzt bei GR seit über 10 Jahren so - nicht erfüllen kann. Ein Verbleiben eines solchen Landes schadet allen: den Griechischen Bürgern am meisten den anderen Staaten die dafür in einer ständigen Krise gehalten werden ebenso. Wem nützt das Ganze: den Politikern und Beamten, die den im Wettbewerb sein Geld verdienenden Bürger ausnutzen bis zum geht nicht mehr!!!!!!!!!!!!!!!!! Schafft endlich eine zwingende Regelung, dass Staaten, die die Konvergenzkriterien nicht erfüllen - und auch Deutschland erfüllt zumindest das Kriterium:60% Schulden vom BSP nicht mehr - vorübergehend aus dem Euro-Raum austritt und über Währungsabwertung wieder zu einer ausreichenden Wettbewerbsfähigkeit zurückkehrt. Absolut unverständlich - warum das nicht immer schon so in Maastrich vereinbart wurde. Da waren wohl Traumtänzer aus Europa-Wolkenkuckucksheim oder eben völlig überbezahlte und unkundige Euro-Bürokraten am Werk.
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