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Ökonomen zum Referendum: "Die Euro-Zone stünde vor einem Scherbenhaufen"

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Deutsche Ökonomen warnen vor katastrophalen Folgen für Europa, sollten die Griechen gegen das Rettungspaket stimmen: Das Land ginge pleite, andere Staaten würden vom Dominoeffekt erfasst. Aber: Die Politik wäre gezwungen, endlich Regeln für den Worst Case zu entwickeln.

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Welche Folgen hätte ein negatives Votum?

Hamburg - Das Pleite-Szenario für Griechenland war nur für kurze Zeit vom Tisch. Gerade mal vier Tage sorgten die Beschlüsse der europäischen Regierungschefs für Entspannung in der Schuldenkrise. Selbst die Bankmanager, deren Unternehmen zur Kasse gebeten werden, begrüßten den Euro-Rettungsplan.

Doch nun stellt eine simple Ankündigung des griechischen Premiers alles wieder auf den Kopf: Georgios Papandreou plant, seine Bürger über den Deal mit den Rettern abstimmen zu lassen. Das sei "demokratisch und höchst patriotisch", verteidigt der Regierungschef den Schritt.

An den Märkten sorgte Papandreous Vorstoß am Dienstag jedoch für Entsetzen: Die europäischen Börsen stürzten ab, der Dax Chart zeigen verlor zeitweise knapp sechs Prozent und notierte bei 5795 Punkten. Zu den größten Verlierern gehörten die Banken: Aktien der Deutschen Bank Chart zeigen und der Commerzbank Chart zeigen etwa brachen zeitweise um mehr als zehn Prozent ein. Der Grund ist klar: Die Anleger befürchten, dass die Schuldenkrise bei einem negativen Votum der Griechen eskaliert.

Doch wie könnten die Folgen eines Neins im Detail aussehen? Und warum greift Papandreou überhaupt zu diesem riskanten Mittel? SPIEGEL ONLINE hat renommierte Ökonomen nach ihrer Meinung gefragt. Die Antworten im Überblick:

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1. Die Zone ist gescheitert
reinhard_m, 01.11.2011
Die "Eurozone" steht jetzt schon vor einem Scherbenhaufen. Wenn ich mir die heutige Währungs-, Wirtschafts-, Sozial-, Außen- und sonstige Politik anschaue dann kommen Erinnerung an die "Ostzone" hoch. Nur schade, daß keiner da ist, der uns übernimmt und gleichzeitig auch rettet.
2. Was ist besser, ein Ende mit Schrecken, oder ein Schrecken ohne Ende?
Tolotos 01.11.2011
Zitat von sysopDeutsche Ökonomen warnen vor katastrophalen Folgen für Europa, sollten die Griechen*gegen das Rettungspaket stimmen: Das Land*ginge pleite, andere Staaten würden vom Domino-Effekt erfasst. Aber: Die Politik wäre gezwungen, endlich Regeln für den Worst Case zu entwickeln. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,795264,00.html
Die Politik kann den Worst Case sowieso nicht aufhalten. Aber vielleicht wäre es für die Mehrheit besser, wenn sie den Schaden für die Allgemeinheit nicht durch Verdrängung an die Nachfolger immer höher machen könnte!
3. Würde mich
altmannn 01.11.2011
Zitat von sysopDeutsche Ökonomen warnen vor katastrophalen Folgen für Europa, sollten die Griechen*gegen das Rettungspaket stimmen: Das Land*ginge pleite, andere Staaten würden vom Domino-Effekt erfasst. Aber: Die Politik wäre gezwungen, endlich Regeln für den Worst Case zu entwickeln. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,795264,00.html
mal interessieren, was diese Ökonomen zur Aufnahme Griechenlands in die Eurozone gesagt haben. Oder zur Aufweichung der Maastrichtkriterien. Oder der Aufgabe der bail-out-Klausel. Die Griechen bekommen nun die Möglichkeit, über ihre Zukunft mit zu entscheiden. Sie haben die Auswirkung der Sparpakete Stufe eins erlebt und können sich in etwa vorstellen, was noch auf sie zukommt. Sie sollten mal einen Blick nach Island werfen und schauen, ob ein tatsächlicher Default besser ist. Vielleicht können sie ja auch bessere Bedingungen mit den Gläubigern aushandeln.
4. Sind es
nouwo, 01.11.2011
Zitat von sysopDeutsche Ökonomen warnen vor katastrophalen Folgen für Europa, sollten die Griechen*gegen das Rettungspaket stimmen: Das Land*ginge pleite, andere Staaten würden vom Domino-Effekt erfasst. Aber: Die Politik wäre gezwungen, endlich Regeln für den Worst Case zu entwickeln. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,795264,00.html
wieder die gleichen "Top-Ökonomen", die uns die paradisischen Zustände durch den TEuro verheißen haben? Diese Kaffeesatzleser und Jahrmarktsgaukler? GR IST pleite (nach unternehmerischen Prinzipien), und wir stehen bereits vor einem Scherbenhaufen!
5. Es ist für mich unbegreiflich, dass es keine Regelung gibt ...
KnowHow 01.11.2011
dass Staaten wieder aus der Euro-Zone austreten / auszutreten haben, wenn die vereinbarten Maastrich-Kriterien dauerhaft - und das ist jetzt bei GR seit über 10 Jahren so - nicht erfüllen kann. Ein Verbleiben eines solchen Landes schadet allen: den Griechischen Bürgern am meisten den anderen Staaten die dafür in einer ständigen Krise gehalten werden ebenso. Wem nützt das Ganze: den Politikern und Beamten, die den im Wettbewerb sein Geld verdienenden Bürger ausnutzen bis zum geht nicht mehr!!!!!!!!!!!!!!!!! Schafft endlich eine zwingende Regelung, dass Staaten, die die Konvergenzkriterien nicht erfüllen - und auch Deutschland erfüllt zumindest das Kriterium:60% Schulden vom BSP nicht mehr - vorübergehend aus dem Euro-Raum austritt und über Währungsabwertung wieder zu einer ausreichenden Wettbewerbsfähigkeit zurückkehrt. Absolut unverständlich - warum das nicht immer schon so in Maastrich vereinbart wurde. Da waren wohl Traumtänzer aus Europa-Wolkenkuckucksheim oder eben völlig überbezahlte und unkundige Euro-Bürokraten am Werk.
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Drohende Staatskrise

Premier Papandreou lässt die Bevölkerung über das EU-Rettungspaket abstimmen? Kann Griechenland danach noch der Euro-Zone angehören?


Finanzkrise in Griechenland
Europa wird ungeduldig: Griechenland bekommt sein Schuldenproblem nicht in den Griff - inzwischen wird offen über eine geplante Insolvenz des Landes gesprochen. Doch ist das die Rettung für den Euro?

dapd
Was würde eine Pleite Griechenlands bedeuten? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:
Welche Folgen hätte eine Pleite Griechenlands?
Für die Euro-Zone wären die Folgen weitreichend: Die Gläubiger müssten ganz oder teilweise auf ihr Geld verzichten. Die Europäische Zentralbank etwa müsste Verluste auf die Staatsanleihen hinnehmen. Gleiches gilt für Geschäftsbanken oder Versicherer, die in griechische Staatsanleihen investiert haben. Das würde ihr Eigenkapital belasten. Allerdings haben die großen Banken im Ausland ihre Papiere schon zum Teil abgeschrieben.

Umstrittener sind die Folgen für Griechenland: Einige Ökonomen halten eine Pleite für die beste Option. Denn die Schuldenlast des Landes würde vermindert, die Zinsbelastung im Haushalt würde sinken, und die Tilgungsverpflichtungen dürften abnehmen. Als endgültige Lösung für die Schuldenkrise gilt eine Pleite aber keineswegs, denn die Griechen müssten ihre laufenden Ausgaben trotzdem ihren Einnahmen anpassen. Sonst häufen sie weiter Schulden an. Der Teufelskreis wäre nicht durchbrochen. Außerdem blieben griechische Banken bei einer Pleite auf Forderungen sitzen. Das Bankensystem im Land könnte kollabieren.
Wäre ein Austritt aus der Euro-Zone sinnvoll?
Die konkreten ökonomischen Folgen eines Austritts Griechenlands aus der Euro-Zone sind schwer vorhersehbar. Viele Experten sind sich aber sicher, dass die Auswirkungen für das Schuldenland und andere Staaten des Währungsraums verheerend wären.
Für Griechenland könnte es der wirtschaftliche Zusammenbruch sein. Ohne Euro müsste das Land wieder seine alte Währung Drachme einführen, die vermutlich eine drastische Abwertung erfahren würde. Über billigere Produkte würde dies zwar der internationalen Wettbewerbsfähigkeit Athens zugutekommen. Viel schwerwiegender wäre aber, dass zugleich die in Euro aufgenommenen Altschulden drastisch steigen würden. Das wäre allerdings nicht der Fall, wenn es vorher zu einer Pleite gekommen wäre.
Hinzu kommt, dass das Land seine Staatsausgaben mangels Kreditfähigkeit nur aus seinen Einnahmen finanzieren könnte. Die Folge wäre ein vermutlich noch viel stärkerer Abschwung als bisher.

Auch für die Euro-Zone hätte ein Austritt mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit verheerende Folgen. An den Finanzmärkten würden wohl schnell andere finanzschwache Länder unter Druck geraten, der sogenannte Domino-Effekt könnte eintreten. Die Risikoaufschläge für Staatsanleihen entsprechender Länder würden drastisch steigen und die jeweiligen Länder ähnlich wie Griechenland an den Rand der Zahlungsunfähigkeit führen. Letztlich könnte so der gesamte Währungsraum ins Wanken geraten.
Gibt es eine Alternative zu Pleite und Austritt?
Wichtig ist vor allem, dass Athen seine Sanierungspläne einhält und keine neuen Schulden anhäuft: Der Staat muss verschlankt werden, die Steuerhinterziehung bekämpft, die Privatisierung von Staatseigentum muss weitergehen. Zudem muss das zweite Rettungspaket für Athen umgesetzt werden, das bis 2014 die Unabhängigkeit vom Kapitalmarkt garantiert und dem Land so Zeit für tiefgreifende Reformen geben soll.

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