Ökostrom-Förderung Industrie kritisiert EEG-Umlage als "Kostenmonster"

Die EEG-Umlage steigt auf Rekordniveau - und die Kritik ist groß. Die Industrie bezeichnet die Umlage als "Kostenmonster" und Gefahr für den Standort, die Opposition kritisiert zu viele Ausnahmen für energieintensive Betriebe.

Windräder (in Niedersachsen): EEG-Umlage steigt wieder
DPA

Windräder (in Niedersachsen): EEG-Umlage steigt wieder


Der Anstieg der Ökostrom-Umlage auf ein Rekordniveau hat harsche Kritik an der Verteilung der Kosten für die Förderung der erneuerbaren Energien hervorgerufen. Die Textilbranche bezeichnete die EEG-Umlage, die im kommenden Jahr um drei Prozent auf 6,354 Cent pro Kilowattstunde steigt, am Donnerstag als "Kostenmonster".

Der Handel mahnte eine "faire Kostenverteilung" an. Auch die Industrie attestierte der EEG-Umlage, "keine Zukunft" mehr zu haben, pochte gleichzeitig aber auf die Beibehaltung von Entlastungen für Betriebe.

Die vier Netzbetreiber 50Hertz, Tennet, Amprion und TransnetBW teilten offiziell mit, dass die Ökostrom-Umlage für die Stromkunden in Deutschland 2016 auf 6,354 Cent pro Kilowattstunde steigt - und damit auf ihren bislang höchsten Stand. Zuvor hatte SPIEGEL ONLINE über die Erhöhung berichtet.

Die Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) war 2015 erstmals seit ihrer Einführung leicht gesunken - auf 6,17 Cent. Der neue Anstieg bedeutet nun für einen Vier-Personen-Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 4000 Kilowattstunden Strom Mehrkosten von knapp neun Euro inklusive Mehrwertsteuer.

Der Einzelhandel sei durch die steigenden Stromkosten in doppelter Weise getroffen, monierte der Handelsverband Deutschland (HDE). Die Kunden hätten so weniger Geld zum Einkaufen in der Tasche, zudem müssten Handelsunternehmen immer mehr für Strom und Energie zahlen. Die Branche und die Privatverbraucher würden durch die Umlage "überproportional belastet".

Der Gesamtverband der Textil- und Modeindustrie mahnte ein "alternatives Finanzierungsmodell" für die Ökostrom-Förderung an. Er verwies darauf, dass die Stromkosten für mittelständische Unternehmen hierzulande bereits mehr als doppelt so hoch seien wie in den USA, Kanada, Frankreich und China. Exportstarke Unternehmen hätten mit der EEG-Umlage "Riesenprobleme".

Der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Ulrich Grillo, bezeichnete die EEG-Umlage als "gravierenden Wettbewerbsnachteil". Der Ausbau der Erneuerbaren werde allein über die Ökostrom-Umlage und höhere Netzentgelte finanziert; diese Form der Finanzierung könne "keine Zukunft" mehr haben, erklärte Grillo. Die Politik müsse "beherzt gegensteuern".

Auch aus der Opposition kam Kritik. Die Grünen-Politikerin Julia Verlinden sagte, der Anstieg der EEG-Umlage wäre "vermeidbar" gewesen. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) habe es jedoch nicht geschafft, "die Überflutung des Strommarktes mit schmutzigem Kohlestrom einzudämmen". Durch das Überangebot sei der Börsenpreis für Strom gefallen - die EEG-Umlage gleicht unter anderem die Differenz von Börsenpreis zu Vergütungssätzen von Erzeugern von grünem Strom aus.

Die Linken-Politikerin Eva Bulling-Schröter kritisierte, dass die Haushalte die Rabatte für Industriekunden mittragen müssten. Die "überzogenen Vorteile der stromfressenden Unternehmen" müssten eingedampft werden, forderte sie.



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 236 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Karbonator 15.10.2015
1.
Für "die Industrie" ist immer alles eine Gefahr für den Standort... schon immer wird über alles gejammert, was irgendwie Kosten verursachen könnte, und schon immer wird der Standort-Teufel an die Wand gemalt... daran sollte man sich gewöhnt haben.
Peter Bernhard 15.10.2015
2. Netzbetreiber
Hier sind die vier Netzbetreiber genannt, in welchem Zusammenhang nochmal? Diese beklagen den Strompreis? Wenn ich recht erinnere, machen die Transportkosten beim Strom rund ein Drittel des Endpreises aus? Sicher wurden einst Aluminiumhütten an der Nordsee wegen des Schiffsverkehrs, nicht wegen des Nordseestroms gebaut. Und wie sieht das heute aus mit der Ökonomie und den Standortvorteilen? Ganze Länder gelten ja im Sinne der Volkwirtschaftslehre als von bestimmten Eigenschaften gekennzeichnet. Strom hat die Eigenschaften, dass bei Transport über 1000 km rund ein Drittel desselben verloren geht, verschüttet wird. Wie so ein am Arm gedrehter Milcheimer, von der Kuh zum Konsumenten. Vielleicht wurde beim Strom einfach nicht gesehen, dass als vielleich allererstes die Transportkosten den einelnen - alternativen nunmehr - Erzeugungen zugeordnet werden sollten. Solar auf eigenem Dach hat somit ein Drittel Standortvorteil. Strom vor Ort gegenüber Nordseegiganten ebenso. Sodann würde ich nicht über Subventionen, sondern über Steuern eingreifen. Steuern kennen keine "Oben"-grenzen.
hermi16 15.10.2015
3. kommentar Karbonator
Na ja, Konkurrenzfaehig sollten wir schon bleiben, nicht immer die Industrie verteufelt. Wir leben gut von ihr.
chico 76 15.10.2015
4. Wind und Sonne
sind anscheinend nicht kostenlos, im Gegenteil, kosten immer mehr.lol
docmillerlulu 15.10.2015
5. Wenn wir jetzt nicht aufpassen - dann bricht uns hier alles weg!
Wenn erst einmal die Einzelhändler wegen den hohen Stromkosten in das Ausland abwandern haben wir riesen Probleme! Und dann die ganzen Handwerksbetriebe und Gastronomen. Starbucks und Co. versteuern schon nicht mehr in Deutschland, bei den horrenden Stromkosten werden die bald alle ihr Geschäft nach Bulgarien, Honduras oder in die Slowakei auslagern. Dann stehen die Läden hier alle leer. Mein Zahnarzt hat mir letztens sein Leid geklagt, wenn das so weiter geht mit den Strompreisen sieht er sich gezwungen seine Praxis auf den Fidshij Inseln neu zu eröffnen, zudem wäre da die Steuer auch niedriger. Gute Reise! Ach - es mag ja die Umlage steigen, absolut gesehen sinken die Kosten für Strom und Primär-Energie im Moment aber gewaltig.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.