Ökoenergie Koalition plant Sonderförderung für windarme Orte

Die Koalition will die Förderung von Windkraftanlagen neu regeln. Dabei sollen ausgerechnet Standorte besonders üppig gefördert werden, an denen nur wenig Wind weht.

Offshore-Windpark: Zweifelhafte Förderungsschwerpunkte
DPA

Offshore-Windpark: Zweifelhafte Förderungsschwerpunkte


Die vom Wirtschaftsministerium geplante Reform der Ökostromförderung sorgt in der Koalition für heftigen Streit. Aus den Eckpunkten und dem Entwurf für die Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes gehe hervor, dass jene Standorte besonders üppig gefördert werden, an denen der Wind besonders selten wehe, schreibt die "Frankfurter Allgemeine Zeitung".

Denn das Gesetz sieht eine Höchstförderung vor, deren Höhe sich nach den Werten eines Referenzstandorts bemisst. Weil aber nicht nur windstarke küstennahe Standorte den Zuschlag bekommen sollten, würden sie mit einem Abschlag bestraft, schlechte Bauplätze im Binnenland mit einem Zuschlag belohnt, schreibt die Zeitung.

Die Folge: An Standorten, die nur 70 Prozent des Referenzwertes erreichen, könne die Förderung auf fast zehn Cent je Kilowattstunde steigen, an Standorten mit 80 Prozent immer noch auf knapp neun Cent, wie das Bundeswirtschaftsministerium bestätigt habe. Laut Bundesverband Windenergie bekommen Windstromerzeuger heute für Neuanlangen im Schnitt 8,8 Cent je Kilowattstunde.

Kritik komme aus den Reihen der Unionfraktion. Vizechef Michael Fuchs lehne die Pläne als falsch und kontraproduktiv ab. "Wir würden Schwachwind-Anlagen fördern, die international nicht marktfähig sind, und die Kosten des Windkraftausbaus würden deutlich steigen", zitiert die Zeitung den Politiker. Auch erhöhe der Vorschlag nicht die Akzeptanz der Windkraft. "Die Zeichen der teuren Ineffizienz, also gigantische Rotorblätter und trotzdem wenig Bewegung, sind ist ja mit bloßem Auge zu erkennen."

Der Grünen-Fraktionsvize Oliver Krischer hält dagegen: "Wir brauchen einen Windenergieausbau nicht nur an der Küste sondern im ganzen Land an allen geeigneten Standorten", sagt er. "Nur das kann den schwierigen Netzausbau vermindern."

Andere Experten halten einen Ausbau auch an windschwachen Standorten zudem für insgesamt systemverträglicher. Man sorge so dafür, dass es an mehr Stunden im Jahr Windenergie gebe, statt an weniger Stunden viel zu viel Küstenwind, lautet ihr Argument.

mik/ssu

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