Ölmulti Chevron kämpft gegen höchste Umweltstrafe aller Zeiten

Ein Gericht in Ecuador hat den US-Ölriesen Chevron zu einer Rekordstrafe verurteilt: Bis zu 9,5 Milliarden Dollar soll der Konzern wegen gravierender Umweltverschmutzung im Amazonasgebiet zahlen - und öffentlich Abbitte leisten. Das Unternehmen wittert eine Verschwörung.

Ölförderung in Lago: Gewaltige Schadensersatzforderung
REUTERS

Ölförderung in Lago: Gewaltige Schadensersatzforderung


San Ramon - Seit Jahrzehnten liefern sich Chevron Chart zeigen und rund 30.000 Ecuadorianer einen erbitterten Rechtsstreit - jetzt ist es zu einer vorläufigen Entscheidung gekommen: Ein Gericht in Ecuador hat den US-Ölmulti zu einer Rekordstrafe verurteilt - wegen massiver Umweltverschmutzung im Amazonasgebiet. Dort sickern seit Jahren große Mengen Öl aus einer alten Förderstätte in den Boden und verseuchen die Region.

Nach Angaben des "Wall Street Journals", das Einblick in das noch unveröffentlichte Urteil hatte, soll Chevron bis zu 9,5 Milliarden Dollar zahlen. 5,4 Milliarden sollen für die Reinigung des verseuchten Bodens abgestellt werden, 1,4 Milliarden für den Aufbau eines Gesundheitssystems für die betroffene Bevölkerung. Hinzu kommen könnten Schadensersatzzahlungen an die Frente de Defensa de la Amazonia, die Vereinigung der Kläger.

Es sei die höchste Umweltstrafe, die ein Gericht je verhängt habe, schreibt die Zeitung. Empfindlich trifft den Konzern auch die Verfügung der Richter, sich in Zeitungsanzeigen in Ecuador und den USA öffentlich für die Verseuchung entschuldigen zu müssen. Sollte er dies nicht binnen 15 Tagen tun, könnte die Strafe verdoppelt werden, drohte der zuständige Richter.

Das Verfahren hat international für Aufsehen gesorgt. Chevron-Konkurrenten befürchten, dass der Fall zu einem Präzedenzfall werden könnte. Zahlreiche andere Konzerne liefen dann Gefahr, für die Sünden von Unternehmen, die sie übernommen haben, büßen zu müssen. Erst kürzlich habe Chevron ein Memo öffentlich gemacht, demzufolge die Kläger ein positives Urteil in Ecuador als Grundlage für weitere Rechtsstreitigkeiten in Dutzenden anderen Ländern nutzen wollen, berichtet die Zeitung.

18 Jahre Rechtsstreit

Der Kampf zwischen Chevron und Ecuadors Klägern zieht sich seit 1993 hin. Der Ölkonzern Texaco - der 2001 von Chevron übernommen wurde - hatte im Amazonasgebiet zwischen 1965 und 1992 Öl gefördert. Nachdem sich Texaco 1992 zurückgezogen hatte, blieben Hunderte offene Öl-Bassins übrig, aus denen besonders in der Regenzeit eine giftige Brühe in den Boden fließt.

Die Kläger sehen Chevron in der Pflicht. Doch der US-Konzern sagt, die Ölfelder seien wie vereinbart übergeben worden, und die Verantwortung liege nun bei Ecuador. Eine Umweltschutzorganisation hatte im Namen von 30.000 Betroffenen Klage erhoben und verlangt, dass Chevron für die Säuberung des Gebiets und die gesundheitlichen Schäden der Menschen aufkommt.

Der klageführende Anwalt Pablo Fajardo lobte das Urteil, nannte die Summe jedoch zu gering. Die Anklage hatte ursprünglich 27 Milliarden Dollar Schadensersatz gefordert. Es gebe wissenschaftliche Belege für die Umweltverschmutzung im Amazonas. Der zuständige Richter Nicolas Zambrano sagte, Texaco habe die technischen Mittel gehabt, um die Umweltkatastrophe im Amazonas zu verhindern.

Chevron nannte das Urteil "unrechtmäßig und nicht durchsetzbar". Es sei durch "betrügerische Absprachen" zustandegekommen, an denen die Regierung beteiligt gewesen sei, teilte der Konzern am Firmensitz im kalifornischen San Ramon mit. Tatsächlich hatte Präsident Rafael Correa den Kampf der Bevölkerung gegen Chevron stets öffentlich unterstützt - eine Einmischung in den Prozess aber abgestritten.

Chevron verwies darauf, dass internationale und US-amerikanische Gerichte bereits im Vorfeld Schritte unternommen hätten, die Entscheidung aus Ecuador zu blockieren. Tatsächlich hatte ein Gericht in Den Haag Chevron in der vergangenen Woche eine einstweilige Verfügung ausgestellt, mit der sich das Urteil aus Ecuador vorläufig aufhalten ließe. Durch ein Berufungsverfahren könnte sich der Prozess noch Jahre hinziehen.

Die Börse zeigte sich von dem Urteil in Ecuador vorerst unbeeindruckt: Die Chevron-Aktie tendiert etwa auf dem Niveau des Vortags.

ssu/dpa



insgesamt 32 Beiträge
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Seite 1
shine31 15.02.2011
1. Ein amerikanisches Unternehmen vor einem ecuadorianischen Gericht?
Ein amerikanisches Unternehmen vor einem ecuadorianischen Gericht verklagen und das Urteil auch durchsetzen? Das amerikanische Imperium läßt das sicher nicht zu. Ne, das klappt nur andersherum. Südamerikaner sind in den Augen der Amis eh nur Kommunisten und Drogendealer...
Stäffelesrutscher, 15.02.2011
2. osdfjaöosigjioö
US Konzerne haben eben kein Gewissen und kein Schuldempfinden. Die dürfen alles, Kinderarbeit, mit Regimen zusammenarbeiten, die Gesundheit ihrer Angestellten aufs Spiel setzen und die Umwelt verpesten. Damit sind die groß geworden und dank der Betonköpfe von Republikanern wird das auch so weiter gehen.
dertyphalt 15.02.2011
3. Schade...
Furchtbar ist ja dabei nur das es höchst wahrscheinlich nie mals durchgesetzt werden wird... ... denn im grunde ist das ein tolles urteil was vor allem auch signal wirkung hätte an all die anderen schäbigen mega konzerne welche rücksichtslos die erde schänden, da würde wohl der ein oder andere CEO mal gegenrechnen ob es nicht billiger wäre einfach etwas rücksicht zu nehmen. Tja, was soll man sagen, alle kleben umweltschutz auf ihre produkte, aber im enedeffekt läuft ja doch alles wie immer. Traurig.
-roehre- 15.02.2011
4. allerdings
Zitat von shine31Ein amerikanisches Unternehmen vor einem ecuadorianischen Gericht verklagen und das Urteil auch durchsetzen? Das amerikanische Imperium läßt das sicher nicht zu. Ne, das klappt nur andersherum. Südamerikaner sind in den Augen der Amis eh nur Kommunisten und Drogendealer...
dem ist wenig hinzuzufuegen. außer das ich selbst nicht genau weiß wie die raeumung der oelfelder vertraglich geregelt war und ich die ecuadorische ploitik nicht kenne. ob der konzern schuld traegt oder nicht zahlen werden sie nicht. das zeigt doch auch das gleichbleibende niveau an der boerse. da sorgt sich niemand weil niemand davon ausgeht das es zu der auszahlung kommt. die usa hat ihren wichtigen stellenwert fuer die westliche welt aber dazu gehoert nicht die ausbeutung anderer nationen und die akzeptanz der lobbyisten.
jhartmann, 15.02.2011
5. .
Zitat von sysopEin Gericht in Ecuador hat den US-Ölriesen Chevron zu einer Rekordstrafe verurteilt: Bis zu*9,5 Milliarden Dollar soll der Konzern wegen gravierender Umweltverschmutzung im Amazonasgebiet zahlen - und öffentlich Abbitte leisten. Das Unternehmen wittert eine Verschwörung. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,745596,00.html
Wie jetzt, die können sich den Internationalen Gerichtshof schon vorab kaufen? Und die US-Regierung sowieso, weil in Den Haag können ja nur Staaten klagen?
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