Warnung der Internationalen Energieagentur Ölmarkt "ertrinkt" im Überangebot

Der Ölpreis wird nach Ansicht der Internationalen Energieagentur noch tiefer fallen. Die Experten rechnen mit einem massiven Überangebot bis weit ins laufende Jahr hinein.

Ölpumpen in den USA: Massives Überangebot
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Ölpumpen in den USA: Massives Überangebot


Der Ölpreis fällt - und ein Ende des Absturzes ist laut Internationaler Energieagentur (IEA) nicht in Sicht. Das Überangebot an den weltweiten Rohölmärkten dürfte noch bis mindestens Mitte 2016 anhalten, erklärte die IEA am Dienstag.

Die Märkte müssten sich auf das dritte Jahr in Folge gefasst machen, in dem das Angebot die Nachfrage deutlich übersteige, schreibt die IEA. "Wenn sich nichts ändert, könnte der Markt im Überangebot ertrinken." Ob der Preis in der Folge noch tiefer sinken kann? "Die Antwort ist ein entschiedenes Ja."

Die Statistiken der Internationalen Energieagentur haben weltweit Gewicht. Die Agentur verfügt nicht nur über langjährige Expertise, sondern auch über eigene strategische Reserven, mit denen sie eingreifen kann.

Die Ölpreise befinden sich seit Monaten auf Talfahrt. Die Sorte Brent ist mit einem Preis von unter 30 Dollar je Barrel derzeit so billig wie seit 2003 nicht mehr. Der Preis für Rohöl der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) kostete am Dienstag sogar nur noch 23,58 Dollar pro Barrel. Seit Mitte 2014 sind die Ölpreise um 75 Prozent eingebrochen.

Analysten und andere Marktexperten gehen ebenfalls von weiter sinkenden Preisen aus. So hält das Finanzunternehmen Standard Chartered einen Rückgang des Preises auf durchschnittlich zehn Dollar je Barrel für möglich. Knapp über zehn Dollar lag Brent zuletzt Ende der Neunzigerjahre.

Die meisten Experten führen für ihre Prognosen folgende Gründe an:

Die Krise nimmt immer extremere Formen an: Der Preis für eine US-Sorte war am Freitag auf 1,50 Dollar abgerutscht. Kurzzeitig hatte es gar Gerüchte gegeben, er sei unter null gefallen - was der betroffene Abnehmer jedoch dementierte.

Der Absturz der Ölpreise gilt als globales Sicherheitsrisiko. In Algerien, Libyen, Nigeria, Venezuela, Ecuador und weiteren Ländern fehlt den Regierungen das Geld für Sozialprogramme und Sicherheit - dadurch sind neue Unruhen und Proteste zu befürchten. Der Irak muss für seinen Krieg gegen den "Islamischen Staat" seine Notreserven anzapfen. Und im russischen Haushalt dürfte im kommenden Jahr ein großes Loch klaffen - was nach Ansicht mancher Experten zu neuen außenpolitischen Ablenkungsmanövern führen könnte.

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insgesamt 63 Beiträge
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Seite 1
abc-xyz 19.01.2016
1. Super
Man kann gar nicht stark genug betonen, wie super diese Entwicklung ist. Nicht nur, dass wir Normalbürger weniger ausgeben müssen, ja auch die Petrostaaten, die gerade massiv Angriffskriege führen, sind bald am Ende. Die Aggressoren gegen die Ukraine (von Russland angegriffen) oder Syrien (vom Iran, Russland und Saudi-Arabien angegangen) werden bald sehr kooperativ werden. Exzellent!
piep00 19.01.2016
2. Tankstelle
Ich frage mich langsam ernsthaft, wer sich hier eine goldene Nase verdient! Der Ölpreis fällt und fällt und an der Tankstelle kommt mir das nur marginal entgegen. Keine Sorge. Das war ein Scherz! :)
stefan.martens.75 19.01.2016
3. Wir haben 10 Jahre geblutet
Für Scheichs und russisches Militär und gigantische Öllkonzernbilanzen...... Mein Mitleid hält sich daher in ganz ganz engen Grenzen! Wir profitieren von dieser Entwicklung mit am meisten und er außer ÖL nichts zu bieten hat und das nichtmal nach 10 Jahren mit solchen Preisen dem ist eh nicht zu helfen..... Meine Meinung!
jackohnereacher 19.01.2016
4. Na Leute, alle ran,
spendet für die armen erdölexportierenden Länder, damit es denen besser geht, sie haben es sich verdient.
vanilla3 19.01.2016
5. Öl- / Gaspreis Kopplung
Mich wundert es, naja eigentlich nicht, das bis heute die Gaspreise nicht gesunken sind. Wenn der Ölpreis einge Cent nach oben klettert ziehen die Gas-Versorger direkt mit. Der Ölpreis ist aber in vergangenen Jahr um über 50% gefallen und nichts passiert beim Gas. Selbst wenn dieses über "Börsen" gehandelt wird, so muss auch da der Preisverfall angekommen sein. Kein Politiker, keine Behörde und kaum Presse zu diesem Thema.
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