Wien - Auf die österreichischen Steuerzahler könnten angesichts der Bankenkrise weitere Belastungen zukommen. Bei den notverstaatlichten Instituten drohen neue Milliardenlöcher, berichtete das Magazin "Format". Demnach könnte allein die frühere BayernLB-Tochter Hypo Alpe Adria noch einmal zwei Milliarden Euro Staatshilfe benötigen. Im schlimmsten Fall könnten es sogar fünf Milliarden Euro sein, berichtete das Magazin unter Berufung auf vertrauliche Papiere, die die Bank für das Finanzministerium anfertigte.
Demnach rechnet das Hypo-Management bis 2016 mit einem Gesamtverlust von 793 Millionen Euro - davon 281 Millionen Euro in 2012. Diese Zahlen würden nur in einem absoluten "Worst-Case-Szenario" zutreffen, sagte HGAA-Chef Gottwald Kranebitter. Man habe mehrere Zukunftsszenarien ausgearbeitet. Die Sanierung laufe wie geplant. Die Hypo Alpe Adria gehört seit 2009 komplett dem Land.
Laut "Format" hat die KA Finanz, die Bad Bank des ebenfalls verstaatlichten Gemeindefinanzierers Kommunalkredit, bereits um eine weitere Kapitalspritze von 500 Millionen Euro gebeten. Kommunalkredit wurde 2008 verstaatlicht.
Im April musste Österreich das Spitzeninstitut der Volksbanken ÖVAG teilverstaatlichen. Dafür mussten frühere Hilfen in Höhe von 700 Millionen Euro abgeschrieben werden. In der Bank stecken laut "Format" noch weitere 550 Millionen Euro an Staatsgeld.
"Dass kein Geld verloren geht, ist eine Illusion"
Insgesamt hat Österreich bereits acht Milliarden Euro in seine drei verstaatlichten oder teilverstaatlichten Banken gepumpt. Dem Magazin zufolge muss das Land wohl einen Großteil des Geldes abschreiben.
Der stellvertretende Aufsichtsratschef der staatlichen Beteiligungsgesellschaft FIMBAG, Hannes Androsch, sagte, bei den drei Banken gebe es "problematische Aktiva" in Höhe von 30 bis 35 Milliarden Euro. Das bedeute nicht, dass das Geld gänzlich verloren sei. "Dass aber nichts davon verloren gehen wird, ist ebenfalls eine Illusion", sagte er dem Magazin. Die letztlich zu verkraftende Summe werde keine Katastrophe auslösen. Das Land könne die Belastungen über 20 bis 30 Jahre verteilt stemmen.
mmq/dpa/Reuters
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Wirtschaft | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Staat & Soziales | RSS |
| alles zum Thema Österreich | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH