Umweltschutz Österreich will Plastiksackerl ab 2020 verbieten

ÖVP und FPÖ wollen in Österreich sämtliche Plastiktüten aus dem Handel nehmen - um der Wegwerfgesellschaft Einhalt zu gebieten. Die Wirtschaft murrt, obwohl es nur der weitergefasste Vollzug einer EU-Richtlinie ist.

Plastiksackerl
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Plastiksackerl


Die konservative Regierung in Österreich plant ein Verbot aller Plastiktüten im Handel ab 2020. Einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" zufolge sind davon alle Kunststofftragetaschen betroffen, außer solche, die biologisch vollständig abbaubar sind.

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Das österreichische Umweltministerium plant demnach auch ein Verbot der Beimengung von Mikroplastik in Kosmetik und Reinigungsmitteln. Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) begründete den Schritt mit der Notwendigkeit, Umweltbewusstsein zu schaffen - man wolle dem Trend der Wegwerfgesellschaft entgegenwirken, sagte er.

Ende Oktober stimmte das EU-Parlament dafür, langfristig Wegwerfprodukte aus Plastik zu verbieten. Ab 2021 sollen eine Reihe von Einwegprodukten wie etwa Strohhalme, Plastikgeschirr, Wattestäbchen und eben Plastiktüten aus der EU verbannt werden.

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Vorstoß der EU-Kommission: Diese Plastikprodukte sollen verboten werden

Mit dem Verbot in Österreich sollen rund 7000 Tonnen Plastiktüten jährlich vermieden werden. Einweg-Plastiksäcke brauche man einfach nicht mehr, hieß es zur Begründung aus dem Umweltministerium. Viele Lebensmittelgeschäfte hätten schon jetzt gute Alternativen. "Das Verbot wird hier einen klaren Schlussstrich ziehen", sagte Umweltministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP).

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace lobte die Pläne. Gleichzeitig warnte sie jedoch davor, die Plastiktüten - in Österreich Plastiksackerl genannt - mit Tüten aus Papier oder Bio-Plastik zu ersetzen. Nur Mehrwegtüten seien tatsächlich umweltschonend. Man dürfe das Problem nicht auf andere Materialien verlagern.

Kritik aus der Wirtschaft

In der Wirtschaft rief das geplante Verbot geteilte Reaktionen hervor. "Das jetzt angekündigte generelle Verbot ist aus unserer Sicht nicht notwendig", sagte Peter Buchmüller, Obmann der Bundessparte Handel in der Wirtschaftskammer (WKÖ).

"Der Handel bekennt sich - natürlich - zum Umweltschutz. Das zeigt sich auch daran, dass die freiwillige Vereinbarung mit großen Handelsunternehmen zur Reduktion des Kunststofftaschenverbrauchs hervorragend funktioniert", sagte Buchmüller in der WKÖ-Mitteilung. Tatsache sei: "Das Gratis-Plastiksackerl ist im österreichischen Handel schon jetzt praktisch Geschichte, der Verbrauch an Plastiktaschen massiv zurückgegangen."

Buchmüller betonte, dass eine Ausweitung der freiwilligen Vereinbarung auf kleinere Handelsbetriebe angeboten wurde. "Wenn es jetzt trotzdem zu einem Plastiksackerl-Verbot kommen soll, brauchen die Betriebe Unterstützung, um ihren Kunden praktikable Alternativen anbieten zu können." Zudem könne es nicht sein, "dass hier einmal mehr nur der österreichische Handel, nicht aber der ausländische Online-Versandhandel in die Ziehung kommt", kritisierte Buchmüller.

Eine Regulierung des internationalen Onlinehandels und Bewusstseinsbildung beim Konsumenten seien entscheidend, hieß es auch aus dem Handelsverband. "Wir würden uns jedoch wünschen, dass hochwertige Mehrweg-Kunststofftragetaschen im Handel weiterhin kostenpflichtig eingesetzt werden dürfen. Diese werden schließlich nicht nach einem Einkauf weggeworfen", forderte Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will.

In Deutschland war der Verbrauch von Plastiktüten zuletzt deutlich gesunken. Insgesamt senkten die Deutschen ihren Verbrauch an Plastiktüten um rund ein Drittel - auf im Schnitt 29 Plastiktüten pro Person. Damit übertrifft Deutschland sogar die Vorgaben der EU.

kry/dpa



insgesamt 28 Beiträge
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Seite 1
Stefan_Schmidt 02.12.2018
1. wtf ?
"Österreich will Plastiksackerl bis 2020 verbieten" - ich glaube da sind wir in Deutschland schon längst weiter. Ich habe mein Lebtag noch nie ein "Plastiksackerl" gesehen (was ist das, bitte?), und ich bin Jahrgang 1975.
ohjeee 02.12.2018
2. Toll
Dann muss ich eben wieder mehr Müll- und Windeltüten (selbstverständlich Plastik) kaufen. Damit ist ja vieles gewonnen.
realist4 02.12.2018
3. Gehts noch?
"obwohl es nur der weitergefasste Vollzug einer EG-Richtlinie ist" Das ist ja mal ein selten lächerlicher Verdummungsversuch. Weitergefasst meint natürlich ausgeweitet und je nachdem wie weit man die Richtlinie ausweitet kann sie durchaus extreme Auswirkungen haben. Als Beispiel: die Städte lassen keine Autos mit Abgaswerten über Null ins Zentrum mit der Begründung es sein nur der ausgeweitete Vollzug einer EG Richtlinie.
zeichenkette 02.12.2018
4. Ich finde das absolut faszinierend
Früher, als Plastiktüten im Supermarkt noch "umsonst" waren, hat jeder eine genommen, ob er sie brauchte oder nicht. Heute, wo sie 10 oder 15 Cent kosten (keine Ahnung, ich habe eh immer eine Tasche dabei und darin sind ein oder zwei stabile Beutel für den Notfall), nimmt kaum noch jemand eine, es sei denn es geht wirklich nicht anders. Am Geld kann es echt nicht liegen und SO schwer kann es ja offenbar nicht sein, ohne diesen Müll auszukommen, sonst würde man dafür ja gerne ein paar Cent ausgeben. Aber allein dieses "ich denke nicht drüber nach, der Laden denkt nicht drüber nach, man kriegt eine und man nimmt sie einfach" durch eine bewußte Entscheidung zu setzen, macht einen Riesenunterschied. Wie so oft. Wenn es nach mir ginge, sollte man das noch bei viel mehr Dingen so machen, das ist einfach ein Mechanismus der Bewusstheit und sonst nichts. Menschen können sehr wohl rational (also berechnend) handeln, wenn man den Wert ihrer Handlungen in Zahlen (wie Geld) ausdrückt, und dafür muss das überhaupt nicht viel Geld sein, ein paar Cent reichen da völlig. Es geht da nicht um den Betrag an sich, sondern nur darum, dass das eben nicht egal ist (was es ja auch nicht ist). Man muss da nur eine Zahl drankleben und auf einmal geht das alles wie von selbst. Das ist auch viel besser als Verbote, die selber wieder nur irrationale Reaktionen hervorrufen. Auf diese Weise produziert man zuerst Einsicht durch Sparsamkeit und dann Gewohnheiten und dann vermisst keiner mehr diese blöden Plastiktüten (die ja eh immer kaputtgingen und zu klein als Beutel für den Mülleimer waren und zuknoten konnte man sie als Müllbeutel ja auch nicht).
bartnelke 02.12.2018
5. Es geht
ich verzichte auf die Gemüse Beutel und bin von der längeren Haltbarkeit in den neuen mehrfach Säckchen begeistert
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