Wien - Die miserable Lage Griechenlands sorgt für Hektik unter europäischen Spitzenpolitikern. Am Freitag vergrätzte zunächst Finnlands Außenminister Erkki Tuomioja seine Kabinettskollegen, weil er offen über einen Bruch der Euro-Zone spekulierte. Die Regierung in Helsinki bereite sich darauf mit einem Handlungsplan vor, sagte er dem britischen "Daily Telegraph". Der Europaminister des Landes, Alexander Stubb, distanzierte sich daraufhin von seinem Kabinettskollegen: Dessen Spekulationen seien "keine Position der Regierung".
Auch der österreichische Außenminister schaltete sich am Freitag in die Debatte über die Zukunft der Währungsunion ein. Michael Spindelegger von der konservativen ÖVP fordert, dass Länder, die ihre Zusagen in der Finanzpolitik nicht einhalten, künftig aus der Euro-Zone ausgeschlossen werden können. "Wir brauchen Möglichkeiten, dass man jemanden aus der Währungsunion rausschmeißt", sagte der Vizekanzler dem "Kurier".
Auf die Frage, wen er damit meine, sagte Spindelegger: "Länder, die sich nicht an Verpflichtungen halten". Offenkundig zielen seine Äußerungen auf Griechenland. Derzeit prüfen Experten von Internationalem Währungsfonds, Europäischer Zentralbank und EU, ob Griechenland seine Sparauflagen erfüllt. Alle bisherigen Informationen lassen darauf schließen, dass das Land die geforderten Ziele deutlich verfehlt. Die griechische Regierung fordert mehr Zeit. Ob die Euro-Retter dazu bereit sind, ist ungewiss.
Selbst wenn die Geldgeber Griechenland kein Geld mehr geben wollen, können sie das Land bislang nicht aus der Euro-Zone ausschließen. Wenn, dann müssten die Griechen die Gemeinschaftswährung selbst aufgeben. Für eine Rausschmiss-Klausel müssten die europäischen Verträge geändert werden, was etwa fünf Jahre dauern könnte. "Ich bin fest davon überzeugt, dass das durchzusetzen ist", sagte Spindelegger. Er habe mit seinen Außenministerkollegen in der EU bereits Gespräche darüber begonnen. Wirtschaftlich gut dastehende Länder wie Deutschland, Luxemburg, Finnland oder die Niederlande würden einen solchen Kurs sicher unterstützen.
Finnlands Außenminister Tuomioja hat seine Äußerungen zu einem möglichen Bruch der Euro-Zone mittlerweile relativiert. Die Überschrift des "Telegraph" sei missverständlich", sagte Tuomioja dem finnischen Radiosender YLE.
cte/Reuters/dpa
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