Finanzministerium Scholz holt Goldman-Sachs-Banker als Staatssekretär

Bei Goldman Sachs verdient er als Deutschlandchef ein Millionengehalt. Nun wechselt Jörg Kukies überraschend ins Finanzministerium. Ein weiterer Staatssekretär kommt von der Deutschen Bahn zurück.

Jörg Kukies

Jörg Kukies


Olaf Scholz (SPD) überrascht mit zwei Top-Personalien: Zum einen holt der neue Bundesfinanzminister den langjährigen Haushaltsstaatssekretär Werner Gatzer zurück ins Ministerium. Gatzer hatte das Ministerium erst Ende des vergangenen Jahres verlassen, um bei der Deutschen Bahn anzuheuern.

Noch spektakulärer ist die zweite Personalie: Jörg Kukies, bisher Co-Deutschlandchef bei der Investmentbank Goldman Sachs, soll sich als beamteter Staatssekretär um internationale Finanzarchitektur kümmern.

Der Deutschland-Chef der US-Investmentbank Goldman Sachs wechselt als beamteter Staatssekretär ins Bundesfinanzministerium. Kukies steht seit 2014 an der Spitze von Goldman Sachs in Deutschland. Er arbeitet bereits seit 2001 für die US-Investmentbank in London und Frankfurt.

Investmentbanker in der Spitze eines SPD-Ministeriums

Kukies ist seit vielen Jahren SPD-Mitglied und war als Juso-Chef in Rheinland-Pfalz Vorgänger von Andrea Nahles. Dennoch ist ein Investmentbanker in der Spitze eines SPD-Ministeriums zumindest ungewöhnlich.

Aus dem Wirtschaftsflügel der SPD gab es Lob für die Entscheidung: Es sei "genial, sich einen Staatssekretär mit ausgewiesener internationaler Fachexpertise zu holen", sagte Harald Christ, Schatzmeister des SPD-Wirtschaftsforums.

Andererseits dürfte es auch Vorbehalte gegen einen Goldman-Sachs-Mann in der Regierung geben. In den USA hat der Wechsel von der Investmentbank in die Ministerien bereits Tradition. Auch der aktuelle amerikanische Finanzminister Steven Mnuchin arbeitete einst bei Goldman.

Kukies gilt als ausgewiesener Kenner der Finanzmärkte - und einer der bestverdienenden Bankmanager Deutschlands. Sein Millionengehalt wird er künftig gegen eine Staatssekretärsbesoldung eintauschen müssen, die bei rund 160.000 Euro pro Jahr liegt, ohne Zuschläge.

Von der Bahn zurück ins Ministerium

Auch der zweite beamtete Staatssekretär in Scholz' Ministerium kommt aus der Wirtschaft: Werner Gatzer hatte erst Anfang des Jahres bei der Deutschen Bahn als Chef der DB Station & Service begonnen. Der 59-Jährige war aber bereits von 2005 bis 2017 Finanz-Staatssekretär und für den Haushalt zuständig.

Gatzer diente - was selten vorkommt - Ministern unterschiedlicher Parteien, erst Peer Steinbrück (SPD), dann Wolfgang Schäuble (CDU). Das galt als Beleg für seine Expertise.

Wegen der langen Regierungsbildung gibt es erheblichen Zeitdruck bei der Aufstellung eines neuen Haushalts, der bis Juli von Bundestag und Bundesrat beschlossen werden soll. Die neuen Minister dürften versuchen, viele Vorhaben des Koalitionsvertrags umzusetzen - dabei gilt es, den finanziellen Spielraum im Blick zu behalten.

Weitere beamtete Staatssekretäre sollen zwei langjährige Vertraute Scholz' aus Hamburger Zeiten werden: Wolfgang Schmidt und Rolf Boesinger. Das Bundeskabinett muss den Personalien noch zustimmen.

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Wer steckt hinter Civey?
Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Zur Erhebung seiner repräsentativen Umfragen schaltet die Software des 2015 gegründeten Unternehmens Websites zu einem deutschlandweiten Umfragenetzwerk zusammen. Neben SPIEGEL ONLINE gehören unter anderem auch der "Tagesspiegel", "Welt", "Wirtschaftswoche" und "Rheinische Post" dazu. Civey wurde durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.

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stk/dpa



insgesamt 101 Beiträge
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Seite 1
als4888 19.03.2018
1. Juso-Chef ...
wird Investmentbanker mit Millionengehalt und nun Staatssekretär. Die Motivation, die dahinter steht würde mich brennend interessieren.
unky 19.03.2018
2. Ist doch prima
Der Deutschland-Chef der US-Investmentbank Goldman Sachs wechselt als beamteter Staatssekretär ins Bundesfinanzministerium. Na, das ist doch einmal eine klare Ansage! Finanzpolitik wird nun direkt mit Hilfe der Banken gemacht - teure Lobbyarbeit können die sich sparen. Aber: War da nicht einmal ´was mit Banken- und Finanzkrise? Und sollte das Finanzkapital nicht weltweit besser reguliert werden? Scheinbar alles nur leere Worte der Politiker, um die blöden Wähler ruhig zu halten. In den Medien spielt das Thema Finanzkrise auch keine Rolle mehr, schließlich ist man damit beschäftigt, Russland zum "Reich des Bösen" zu erklären.
nixkapital 19.03.2018
3. Prima...
...da kann die Finanzindustrie sich die Gesetze gleich selbst schreiben....Lobbyismus par excellence. Wetten, dass der Herr Kukies dann nach seiner Amtszeit wieder zu Goldman Sachs wechselt? Die Lohneinbußen könnte er dann ja auf einem besser dotiertem Job wieder aufholen.
wo_st 19.03.2018
4. was fehlt da noch
Wann kommen die Minister direkt von Goldman Sachs? Indirekt ist die Firma doch schon lange/immer in den wichtigen Schaltzentralen.
AndreHa 19.03.2018
5. Überschrift
Vom Paulus zum Saulus und wieder zurück. Ich bin verwirrt.
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