Bundeshaushalt Scholz rechnet mit kräftig steigenden Zinsen

Die Zeit der Niedrigzinspolitik neigt sich dem Ende zu, glaubt der Finanzminister. Das birgt Gefahren für den Bundeshaushalt - vor allem für die schwarze Null. Deshalb will Olaf Scholz nach Informationen des SPIEGEL Vorsorge treffen.

Olaf Scholz
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Das Bundesfinanzministerium rechnet nach SPIEGEL-Informationen für die kommenden Jahre mit deutlich höheren Zinsen. Die Bundesregierung stelle sich in der "Finanzplanung bis zum Jahr 2022 auf eine notwendige Normalisierung des Kapitalmarktumfelds ein", heißt es in einem internen Papier des BMF. Als normal gilt unter Fachleuten ein Zinsniveau zwischen drei und vier Prozent. Derzeit liegt es deutlich unter einem Prozent.

Finanzminister Olaf Scholz (SPD) will deshalb Vorsorge treffen, um die Belastungen für den Bundeshaushalt abzufedern. Steigt die durchschnittliche Verzinsung der Bundesschuld nur um einen Prozentpunkt, muss er zusätzlich mehr als zehn Milliarden Euro für den Schuldendienst aufbringen. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

Ein solcher Kostenschub steht in Konkurrenz mit anderen Ausgaben und gefährdet die schwarze Null. Er dürfe nicht "von einer dauerhaften Entlastung der öffentlichen Haushalte durch das nach wie vor außergewöhnliche Niedrigzinsumfeld" ausgehen, warnen die Ministeriumsbeamten ihren Minister. "Schon in den zurückliegenden Monaten sind die Renditen mittel- bis langfristiger Staatsschuldverschreibungen wieder leicht gestiegen", heißt es in der Vorlage. Eine zehn Jahre laufende Bundesanleihe zum Beispiel warf zuletzt 0,5 Prozent Zinsen ab - deutlich mehr als noch vor Monaten.

Derzeit lässt Scholz den Haushalt für 2018 und damit verbunden die mittelfristige Finanzplanung bis 2022 aufstellen. Die Europäische Zentralbank hat zu verstehen gegeben, dass sie ab Mitte des nächsten Jahres die Leitzinsen von derzeit null Prozent anheben will.

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insgesamt 140 Beiträge
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Seite 1
lathea 31.03.2018
1. Es wäre schön, wenn der Schuldenberg......
.........bis dahin noch etwas verkleinert werden könnte.
qjhg 31.03.2018
2. Ja, das hat die Bundesregierung wohl
gut hinbekommen. Nach Jahren niedriger Zinsen hat sie notwendige Investitionen in Bildung, Infrastruktur, Pflege etc. zu Gunsten der schwarzen Null Schäubles vernachlässigt und wird nun in der kommenden Hochzinsphase diese nicht nur nachholen müssen, sondern ein Großteil der Gelder in Zinsen verpulvern, natürlich wieder zu Lasten der jungen Generation.
larsmach 31.03.2018
3. 21.180.000.000 Euro jährlich ...je Prozent!
Jedes Zinsprozent kostet nach überschaubar kurzer Umschuldungsphase ca. 20 Milliarden - Jahr für Jahr für Jahr... das ist besonders interessant angesichts von "Überschüssen", von denen oft die Rede ist und die nicht selten unter dieser Summe liegen! Es ist noch nicht lange her, dass Deutschland ein Drittel (!) seiner Steuereinnahmen für Zinszahlungen verbrannt hat. Solche Marginalien werden von Verschuldungsliebhabern gerne übersehen, wenn von "guten Taten für unsere Kinder" die Rede ist. Denn die müssen das am Ende ausbaden! Angesichts der irrsinnig hohen Steuereinnahmen liegt zum Glück kein Grund vor, mit dem Geld nicht auszukommen und trotzdem Ersatzinvestitionen in Infrastruktur zu tätigen. Sparen kann man an vielen Stellen (solange man die betreffenden Ressorts nicht fragt!).
dirk1962 31.03.2018
4. Vergesst die Schwarze Null
Das ist nicht mehr, wie ein sinnloser Fetish. Ohne das jetzige Zinsniveau wäre sie auch in den vergangenen Jahren pure Illusion gewesen.
bigroyaleddi 31.03.2018
5. Nichts ist ewig
... und schon gar nicht ein Negativzinsniveau. Ich muss ehrlich gestehen, dass ich nie damit gerechnet hätte, dass es so etwas überhaupt geben könnte. Sollten jetzt wieder "normale" Zinsverhältnisse kommen, dann wird die Immobilienblase krachend in sich zusammenstürzen. Dann werden jene, welche auf den Sand einer Nullverzinsung ihr wirtschaftliches Leben ausgerichtet haben, ein furchtbares Erwachen haben.
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